Eine Mauer ist weitgehend abgetragen, weitere müssen nun folgen

Die Berliner Mauer verschwindet 30 Jahre nach ihrem Fall langsam aus den Köpfen. Radikale Kräfte bauen indes neue Mauern auf. Nicht aber zwischen Ost und West. Die künftigen Konfliktlinien verlaufen gesamtdeutsch, meint Tobias Schwarzmeier

Die "East Side Gallery", das Mauermuseum an der Spree, erinnert an die Berliner Mauer. Drei Jahrzehnte nach deren Fall nähern sich Ost und West weiter an.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
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Ein paar Mauerreste sind noch übrig. Einige künstlerisch wunderbar gestaltete stehen in der East-Side-Gallery. Nach dem Fall der Berliner Mauer waren sich 1989 alle Experten einig – entsprechend lautete der Tenor: Es wird mehrere Generationen dauern, bis die Einheit wirtschaftlich, sozial und gesellschaftlich vollzogen ist. Nun haben wir gerade mal eine hinter uns. Und es ist ganz gut gelaufen.

Auch wenn die Annäherung weiter Zeit braucht: Abwertende 90er-Jahre-Unwörter wie "Ossis" und "Wessis" verschwinden nach und nach und der "Zuagroaste" kassiert heute ähnliche Spitzen, egal ob er aus Sachsen, den USA oder aus Franken kommt. Für viele unter 40-Jährige ist die Zeit der Wende nicht mehr als ein Thema aus nostalgischen Retro-Shows im TV.

Imaginäre Mauern existieren hierzulande immer weniger zwischen Ost und West – sie bauen sich aber anderswo massiv auf. Zwischen Regierenden und der Bevölkerung, zwischen Menschen mit polarisierenden, oft hassgeladenen Ideologien. Und als Instrument für politische Spaltung. Das "Wir"-Gefühl differiert heute zunehmend nach Meinung, seltener nach regionaler Herkunft. Probleme sind gesamtdeutsch: AfD, Pflegenotstand oder Altersarmut betreffen alle. Einige im Osten durchaus stärker befeuert durch Fehler bei der Wiedervereinigung. In der zweiten Generation danach braucht es nun hierfür Lösungen. Erst dann ist die Mauer nur noch ein mahnendes Erinnerungsstück entlang der Spree.

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