25.07.2018 - 17:28 Uhr

Wieder mehr Schüler

Sechs Wochen Sommerferien - bevor für die Schüler die schönste Zeit im Jahr beginnt, debattiert die Politik über Unterrichtsausfälle. Die Opposition wirft dem Kultusministerium schlechte Personalplanung vor.

Eine Schülerin hebt im Unterricht den Finger. Daniel Karmann/dpa
Eine Schülerin hebt im Unterricht den Finger.

Aufgrund der wieder steigenden Geburtenzahlen wird es auch in der Oberpfalz bald deutlich mehr Schüler geben. Nach einer von Kultusminister Bernd Sibler vorgelegten Prognose wird die Zahl der Schüler im Schuljahr 2019/20 mit gut 100 560 ihren Tiefpunkt erreichen. Danach jedoch wird ein kontinuierlicher Anstieg auf gut 112 000 im Schuljahr 2030/31 folgen. Von dem Plus werden bis auf die Mittelschulen alle Schularten profitieren. Der schon seit einigen Jahren zu beobachtende Zuwachs bei den Erstklässlern wird sich der Prognose zufolge noch bis zum Schuljahr 2024/25 fortsetzen.

Bayernweit wird die Zahl der Schüler bis 2030 um rund 200.000 auf dann mehr als 1,8 Millionen anwachsen. Sibler sprach von zum Teil "extremen Steigerungsraten". Um die Beschulung sicherzustellen, würden mit dem Schwerpunkt München und Oberbayern 700 zusätzliche Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen geschaffen. Damit soll auch die bisher übliche Versetzung von Junglehrern aus Nord- und Ostbayern in den Süden des Freistaats zurückgeführt werden. Sibler betonte, dass aufgrund der Datenlage die von Ministerpräsident Markus Söder zugesagte Schaffung von 2000 neuen Lehrerstellen in den kommenden Jahren nur der Anfang sein könne.

Für das kommende Schuljahr hielt Sibler die Unterrichtsversorgung an den bayerischen Schulen für gesichert. An den Grund-, Mittel- und Förderschulen würden alle Absolventen der Lehramtsausbildung mit einem Notendurchschnitt von besser als 3,5 in den Staatsdienst übernommen. An den Realschulen und Gymansien werde sich die Einstellungssituation im Vergleich zu den Vorjahren verbessern. Insgesamt stelle der Freistaat zum nächsten Schuljahr 4200 neue Lehrkräfte an. 3350 davon seien Ersatz für pensionierte Lehrer. Das darüber hinausgehende Plus werde zur Aufstockung der mobilen Reserven, in die digitale Bildung und in Deutschlernklassen gesteckt. Er blicke zuversichtlich in das neue Schuljahr, sagte Sibler.

"Land unter" an Bayerns Schulen sieht dagegen SPD-Bildungssprecher Martin Güll. Die Unterrichtsversorgung sei an manchen Schulen "katastrophal". Als Beleg dafür verwies auf den neuen Rekordwert beim Unterrichtsausfall im Schuljahr 2016/17 von knapp 6,5 Millionen Stunden. Demnach ist in Bayern gut jede zehnte Unterrichtsstunde ausgefallen oder nicht regulär gehalten worden. In der Oberpfalz lag die Quote bei 9 Prozent. Komplett ausgefallen waren 1,6 Prozent der Stunden. In den übrigen Fällen konnte der Unterrichtsausfall durch Umorganisationen im Schulbetrieb, zum Beispiel die zeitweise Zusammenlegung von Klassen, oder Vertretungen abgewendet werden. Aktuelle Daten für das morgen zu Ende gehende Schuljahr liegen noch nicht vor.

Allein um den an Realschulen und Gymnasien ersatzlos ausgefallenen Unterricht abzudecken, würden bayernweit knapp 500 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht, rechnete Güll vor. Auch im abgewendeten Unterrichtsausfall sah Güll ein Problem. Bei der Zusammenlegung oder Doppelführung von Klassen sei kein geordneter Unterricht möglich. Besser seien Unterrichtsvertretungen, doch führten diese zu einer Überbelastung der Lehrkräfte, der Unterricht werde oft nicht planmäßig gehalten. Ein Mathelehrer könne nicht einfach Latein unterrichten, meinte Güll. Die Lösung könne nur sein, die Lehrerreserven deutlich aufzustocken. "Die Lehrerversorgung ist in Bayern auf Kante genäht", sagte Güll. Daran änderten die Ankündigungen Siblers nichts.



 
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