02.12.2019 - 19:36 Uhr
Deutschland & Welt

Die merkwürdige Sehnsucht nach dem Groko-Aus

Die SPD will mit Norbert Walter-Borjahns und Saskia Esken zwei Groko-Skeptiker auf den Schild heben. Warum sollte das (wieder einmal) das Ende der Regierung bedeuten? Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Abstimmung zum SPD-Vorsitz im Willy-Brandt-Haus. Sind sie die Totengräber der ewig untoten Groko?
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Man weiß gar nicht, wer ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition mehr herbeisehnt - die SPD-Basis oder die politischen Kommentatoren der Leitmedien. Bei den Sozialdemokraten kann man die Hassliebe zur Zwangsehe mit der Union wenigstens verstehen: Als der damalige Kanzlerkandidat Martin Schulz nach der Bundestagswahl 2017 verkündete, man werde in die Opposition gehen, brandete erleichterter Beifall im Willy-Brandt-Haus auf. Doch die Jamaika-Gespräche scheiterten. Dann kam aus Schloss Bellevue die Mahnung an die SPD, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Und die fügte sich zähneknirschend.

Seither wird jede noch so kleine Missstimmung zwischen den Koalitionären zum sehr bald bevorstehenden Ende der Groko hochstilisiert. Die Sehnsucht der Opposition nach Neuwahlen ist nachvollziehbar. Die Gründe für die Sehnsucht mancher Journalistenkollegen nach dem Scheitern der Regierung vor der Ziellinie 2021 erschließen sich allerdings nicht - so schlecht ist ihre Arbeit nun auch wieder nicht.

Auffällig bei all dem ist, wie sehr die Union bemüht ist - trotz aller bitterbösen Seitenhiebe auf den siechen Partner - dennoch den Fortbestand des Pakts zu beschwören. Sogar ein Neuverhandeln einzelner Punkte des Koalitionsvertrags scheint denkbar. CDU und CSU mag dämmern, dass das Regieren nach einer eventuell vorgezogenen Neuwahl nicht eben leichter würde: Dann nämlich wäre der neue Koalitionspartner wohl eher grün statt rot.

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