19.07.2019 - 18:39 Uhr
Deutschland & Welt

Metropolregion in der Selbstfindungsphase

Bei der 34. Ratssitzung der Europäischen Metropolregion Nürnberg in Weiden beschließen die Ratsmitglieder unter anderem ein Projekt für mehr Nachhaltigkeit in den Kommunen.

Im Anschluss an die Sitzung im Weidener Rathaus besuchten die Politiker den Wissenschaftstag in der Max-Reger-Halle zum Thema „Gateway Ländliche Räume“.

Es sind lange nicht alle Stühle besetzt bei dieser 34. Ratssitzung und 12. Mitgliederversammlung der Metropolregion Nürnberg: Von 54 Ratsmitgliedern sind 29 am Freitagmittag nach Weiden gekommen, um im Neuen Rathaus zu tagen - auch der Platz des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly bleibt leer. Mehrmals erklärt Geschäftsführerin Christa Standecker im Verlauf der Sitzung eindringlich, wie wichtig die Anwesenheit der Kommunalpolitiker bei den kommenden Sitzungen sei. Wer Diskussionen oder Nachfragen der Politiker erwartet, wird enttäuscht. Umso engagierter zeigen sich die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und die geladenen Forscher, die Vorträge zu den Themen der Metropolregion halten.

So zum Beispiel Professor Jörg Knieling, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Regionalentwicklung (Hafen-City Universität Hamburg). Er vergleicht Nürnberg mit anderen europäischen Metropolregionen. Vor allem das Thema Lebensqualität müsse die Region in den Vordergrund stellen, so Knieling, auch weil Fachkräfte damit angelockt werden sollen.

In Sachen Stadt-Land-Partnerschaft sei die Metropolregion ein Vorreiter, als Herausforderungen für die Zukunft sieht der Forscher vor allem den Wandel in den Bereichen Mobilität, Energie, Agrar und Abfall. "Metropolregionen sind angesagt", sagte er mit Blick auf Paris, Helsinki und Øresund. Das Problem sei: "Wie fügen sich diese in das vorhandene System ein?" Die Einordnung in die bestehenden Strukturen scheint also kein reines Problem der Nürnberger Metropolregion zu sein.

Trotzdem sei die Identifikation der Mitarbeiter mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) hoch. Das berichtet Professor Manfred Migosa (KlimaKom Bayreuth). Die Metropolregion steckt mitten in einem Strategieprozess. Bis 2030 soll das komplette Konzept neu ausgearbeitet sein. Dazu präsentiert Migosa die ersten Zwischenergebnisse aus der Arbeit mit den acht Fachforen. Ergründet wurden Ziele, Herausforderungen und die Zufriedenheit mit der Struktur und Zusammenarbeit.

Mehr Ressourcen

Mehr personelle Ressourcen, eine genaue Klärung von Rollen und Funktionen sowie die Verbesserung der Kommunikation mit Städten und Gemeinden - das sind nur einige der Lösungsansätze, die Manfred Migosa dem Plenum vorstellt. Die Ergebnisse des Strategieplans sollen bis Herbst 2020 endgültig ausgearbeitet sein; Ziele, Mission und Organisation vorliegen. Eine Hürde, so Migosa, seien die Kommunalwahlen 2020 - da bei den Kommunen dann neue Beteiligte ins Spiel kämen.

Der Haushalt für das Jahr 2018 (mit einem Plus von 322 105 Euro - fast 20 Mal so viel wie ursprünglich geplant) wurde ebenso einstimmig angenommen wie der Wirtschaftsplan für das Jahr 2020. Die Metropolregion plant mit Erträgen von fast 2,9 Millionen - davon stammt rund ein Fünftel aus Zuschüssen der Kommunen. 2020 werden 19 Projekte durch die Fachforen und die EMN-Geschäftsstelle umgesetzt. Eines davon stellte Thomas Thumann, Neumarkter Oberbürgermeister und politischer Sprecher des Forums Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung vor: Den "Pakt zur nachhaltigen Beschaffung in den Kommunen". Aktuell berücksichtigen nur 28 Prozent von ihnen die EMN-Sozial- und Umweltstandards per Beschluss bei ihren Anschaffungen. Die Stadt Neumarkt hat für Bauhof- und Gärtnereimitarbeiter Arbeitskleidung mit Öko-Textil-Standards ein - und, so Thumann, "alle sind hellauf begeistert."

Fairtrade-Gipfel

Am 1. Oktober unterzeichnen die Kommunen beim Fairtrade-Gipfel der Metropolregion in Bamberg den Pakt, mit dem sie zusichern, beim Einkauf nachhaltige Produkte zu prüfen. Als weitere Projekte plant die Metropolregion eine Allianz gegen Rechtsextremismus und im Jahr 2020 in Tourismusbörsen. Weiter sollen ein Innovationspaket geschnürt und eine "Allianz pro Fachkräfte" geschmiedet werden. Den nächsten Wissenschaftstag gibt es am 17. Juli 2020 in Ansbach.

Ebenfalls auf der Agenda der Ratssitzung: Die Nürnberger Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. 19 Unterstützerschreiben aus der Metropolregion hat die Stadt schon gesammelt, darunter auch aus den Städten Amberg - und ganz neu: Weiden. Professor Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros, möchte möglichst alle im Rat vertretenen 23 Landkreise und 11 kreisfreien Städte mit mindestens einer Absichtserklärung im Boot haben: "Für die beteiligten Kommunen bedeutet das nicht nur internationale Aufmerksamkeit, Steigerung der kulturtouristischen Attraktivität, sondern auch das engere Zusammenwachsen im Kulturraum der Metropolregion." Mit einer Gegenstimme nahm der Rat die Bewerbung als Metropolregion an - im Frühherbst 2020 soll die Entscheidung über die Kulturhauptstadt schließlich fallen.

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