10.08.2020 - 16:55 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Der Metzger vom Leberkäsjunkie: Interview mit Stephan Zinner

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Stephan Zinner kennt man. Aus den Eberhofer-Krimi-Verfilmungen, BR-Serien und natürlich als Markus Söder im Nockherberg-Singspiel. Der vielseitig begabte Schauspieler kann aber auch Buch. Bester Beweis: "Die Badewanne des Todes".

Verwandelt Alltags-Episoden in unterhaltsame Lektüre: Schauspieler, Kabarettist, Musiker, Schriftsteller und Biergartenphilosoph Stephan Zinner.
von Anke SchäferProfil

Welch gemeingefährliches Potential in einer gewöhnlichen Badausstattung steckt, wird man dank Stephan Zinners amüsanter Kurzgeschichte so schnell nicht mehr vergessen. Aber auch die anderen Episoden aus dem täglichen Leben haben auf ihre skurrile, lustige und hintersinnige Art das Zeug zur idealen Sommerlektüre. Wie viel Tüftelei hinter den leichtfüßigen Texten steckt und ob er mit seinem Alter Ego Söder tauschen würde, verrät Stephan Zinner im Interview.

ONETZ: Herr Zinner, Ihre Kurzgeschichten haben alles, was beim Lesen Spaß macht. Sind Sie beim Schreiben ein Tüftler oder eher der spontane Typ?

Stephan Zinner: Der Anfang einer Geschichte kommt bei mir fast immer sehr spontan. Da wandern schon mal schnell ein paar Sätze auf´s Papier, ABER das ist meistens nicht das Gelbe vom Ei und dann fängt die Tüftelei an. Damit bin ich wahrscheinlich kein Einzelfall... ich „kämpfe“ oft eine gehörige Zeit mit einem Absatz oder einer Formulierung.

ONETZ: Und wie ist es mit den Inspirationen – haben Sie Notizblock und Stift immer griffbereit?

Nein, das hat sich nicht bewährt. Noch funktioniert mein Gehirn ganz gut und ich kann ein paar Stunden überbrücken, bis ich wieder an meinem Schreibtisch sitze. Im Urlaub oder unterwegs tut´s dann mal auch das Handy.

Buchcover

ONETZ: Haben Sie in den Zeiten, in denen es ja mit Schauspiel, Film und Kabarett schwierig geworden ist, irgendwann überlegt, ganz in die Schriftstellerei zu wechseln oder würden Ihnen Bühnenluft und Publikum zu sehr fehlen?

Exakt – ich brauche die Bühne. „Nur“ Geschichten, Texte, oder Bücher schreiben, wäre nichts für mich... ich brauche die Zuschauer, den Geruch der Bühne, die Garderobe... das ist meine Welt.

ONETZ: Sind im Corona-Hausarrest neue Geschichten entstanden, die in nächster Zeit zum dritten Buch werden?

Ja, da gibt es eine Sammlung, aber für einen dritten Kurzgeschichten-Band reicht es noch nicht. Ich sitze gerade an einem Krimi, aber da muss noch viel Zeit und Arbeit rein investiert werden...

ONETZ: Sie sind ja vielen als Söder-Double im Nockherberg-Singspiel bekannt. Würden Sie im Moment gerne in der Haut unseres Ministerpräsidenten stecken?

Haha, nein, das macht er doch gerade ganz gut, aber die Nummer auf Herren-Chiemsee hätte er sich sparen können. Grundsätzlich wäre der Job nichts für mich... mit wem man sich da alles rumschlagen muss, nein, dann lieber Kurzgeschichten-Autor.

ONETZ: War die Bayerische Staatsregierung aus Ihrer Sicht in der Krise tatsächlich ein verlässlicher Partner für die existenzbedrohten Künstler?

Nein. Wir sind halt nicht BMW. Aber beim nächsten Fest braucht man bestimmt wieder einen „Narren“ und dem klopft man dann auch auf die Schulter...

ONETZ: Mittlerweile sind Sie mit Ihrem Programm „Raritäten“ wieder auf Tour. Wie fühlt es sich an, nach so langer Zwangspause wieder vor Publikum zu stehen?

Super. Die Zuschauer haben Lust. Wir, die Bühnentiere, auch... das passt, aber im Herbst/Winter wird es, glaube ich, leider hart werden.

Info:

Zur Person

Stephan Zinner wurde 1974 in Trostberg geboren. Nach der Schauspielausbildung war er unter anderem am Salzburger Landestheater und den Münchner Kammerspielen tätig. Bekannt ist er auch durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen wie "Räuber Kneißl", "Die Perlmutterfarbe" oder die Eberhofer-Krimis. Seit 2004 ist er beim Nockherberg-Singspiel als Markus Söder zu sehen, seit 2006 steht er auch als Kabarettist und Musiker auf der Bühne. Stephan Zinner ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in München.

Info:

Zu Buch und Tour

Der Kurzgeschichtenband "Die Badewanne des Todes" mit Illustrationen von Christoph Gremmer, 112 Seiten, Klappenbroschur, ist in der edition lichtung erschienen und kostet 11,90 Euro. Außerdem in der edition lichtung erschienen: "Flugmango" mit Illustrationen von Christoph Gremmer ,92 Seiten, Klappenbroschur, 10,90 Euro. Mit seinem aktuellen Programm "Raritäten" ist Stephan Zinner u.a. am 16. September im Eventhall-Airport Obertraubling, am 2. November im Gutmann am Dutzendteich in Nürnberg und am 12. Dezember im Veranstaltungszentrum Pfarrheim Burglengenfeld zu Gast.

Mehr Informationen zu Stephan Zinner:

Hier geht es zur Seite des Verlags

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.