München
02.05.2023 - 18:20 Uhr

Bayerns Wirtschaft sieht etwas Licht – aber einen Grund zum Jubeln gibt es nicht

Die bayerische Wirtschaft blickt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft, große Sprünge erwartet sie heuer aber nicht. Eine klare Absage kommt zu der Gewerkschaftsforderung nach einer 32-Stunden-Woche.

Bei der Glas- und Keramikindustrie ist die Produktion um zehn Prozent zurückgegangen. Symbolbild: Bodo Schackow/dpa
Bei der Glas- und Keramikindustrie ist die Produktion um zehn Prozent zurückgegangen.

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) geht heuer von einem Null-Wachstum für Bayern aus. "Wir werden zwar eine Rezession vermeiden können, ein Aufschwung ist aber nicht in Sicht", erklärte VBW-Präsident Wolfram Hatz in München. Als Gründe für die erwartete Stagnation nannte Hatz die weiterhin hohen Energiepreise, das gedämpfte Wachstum der Weltwirtschaft sowie den Fachkräftemangel und noch immer nicht vollständig überwundenen Lieferengpässe. "Die Bremsfaktoren für die Wirtschaft bleiben die gleichen wie 2022", sagte er. Der aktuelle "Weißbier-Index" der VBW ging um zwei Punkte auf 101 zurück. Immerhin sind die Unternehmen bezüglich ihrer weiteren Entwicklung wieder optimistischer als im vergangenen Herbst.

Spürbar gedrosselt hatten die Produktion im vergangenen Jahr vor allem energieintensive Branchen. Bei der Glas- und Keramikindustrie ist die Produktion um zehn Prozent zurückgegangen, in der Chemieindustrie sogar um 15 Prozent. Als "sehr kritisch" bezeichnete Hatz die aktuelle Lage am Bau. Hier habe der Anstieg der Bauzinsen die Finanzierungskosten deutlich erhöht und vor allem den Wohnungsbau einbrachen lassen. Die Bauproduktion in Bayern habe in den ersten Monaten 2023 um acht Prozent unter Vorjahr gelegen. Zudem stagnierten die Auftragseingänge, die Zahl der Genehmigungen liege im Wohnungsbau um ein Drittel unter dem Niveau des Jahres 2022.

In der neu entflammten Debatte um die Wochenarbeitszeit betonte Hatz, die Wirtschaft sei nicht grundsätzlich gegen eine Vier-Tage-Woche. Nötig seien dafür flexible Arbeitszeitmodelle und eine betriebliche Entscheidungsfreiheit. Klar sprach er sich aber gegen eine Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich aus. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und ohne gestiegener Personalkosten sei dies ein "totaler Irrweg". Zudem warnte er vor politischen Vorgaben zu den China-Geschäften bayerischer und deutscher Unternehmen. Diese gehörten in den Bereich der unternehmerischen Freiheit. Als Unternehmer würde er aber von sich aus versuchen, die Abhängigkeit von China zu reduzieren. China ist aktuell der wichtigste Handelspartner Bayerns weltweit.

 
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