In der bayerischen Wirtschaft droht im kommenden Jahr ein massiver Stellenabbau. "Da läuft eine Lawine auf uns zu", erklärte der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW), Wolfram Hatz, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes. Derzeit werde der Produktionsrückgang in der Industrie noch von Kurzarbeit verdeckt, doch diese sei "endlich". "Wir befürchten, dass sich mehr tun wird, als wir heute glauben", sagte Hatz. In der Verbandsumfrage ist der Prognoseindex Beschäftigung mit 73 Punkten deutlich unter den Normalwert von 100 gefallen. "Die Wirtschaftskrise ist am Arbeitsmarkt voll angekommen", urteilte Hatz. Zahlen zum befürchteten Stellenabbau nannte er nicht.
Nach Berechnungen der VBW wird das bayerische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,4 Prozent schrumpfen, stärker als auf Bundesebene. Grund sei das im Vergleich zu anderen Bundesländern starke industrielle Niveau Bayerns, erläuterte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Wenn wir in eine Strukturkrise geraten, zahlen wir auch einen höheren Preis", ergänzte er. Für das kommende Jahr erwartet die VBW für Bayern ein Null-Wachstum. Auch die Unternehmen blicken entsprechend pessimistisch in die Zukunft. "Anzeichen für eine Besserung sind nicht in Sicht. Die Auftragseingänge sind schwach, die Standortbedingungen schlecht und das außenwirtschaftliche Umfeld wird immer schwieriger", fasste Hatz die Lage zusammen.
Für einen Umschwung brauche es auf Bundesebene eine "wirtschaftspolitische Wende", sagte Hatz. Vor diesem Hintergrund seien die vorgezogenen Neuwahlen ein Hoffnungsschimmer. Die neue Bundesregierung müsse dann sofort für einen "grundlegenden Neuanfang" sorgen. Nötig sei vor allem die Senkung der Arbeitskosten durch eine Reform der sozialen Sicherungssysteme. Brossardt nannte hier die Renten-, die Kranken- und die Pflegeversicherung. Außerdem müsse das leistungsfeindliche Bürgergeld überarbeitet und auf wirklich Bedürftige begrenzt werden.
Als weitere Punkte zählte Hatz niedrigere Energiekosten und Unternehmenssteuern sowie eine durchgreifende Entbürokratisierung auf. Schließlich brauche es ein gesellschaftliches Umdenken. "Wir müssen weg von den unseligen Debatten über eine Vier-Tage-Woche, Null-Bock-Tage und eine überzogene Work-Life-Balance", mahnte Hatz. Nötig sei eine Rückbesinnung auf "deutsche Tugenden" wie Leistungsbereitschaft, Fleiß und Disziplin. "Mein Wunsch wäre es, dass die vielen Fleißigen wieder als Vorbilder gesehen werden und nicht die Freizeitoptimierer", formulierte Hatz.







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