Für ihre Kfz-Versicherung werden Autobesitzer auch im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen. Hauptgründe dafür sind überproportional in die Höhe schnellende Ersatzteil- und Werkstattpreise sowie sich wegen des Klimawandels häufende Großschadensereignisse, erläuterte bei einem Pressegespräch in München Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied bei der HUK-Coburg.
Um kostendeckend zu arbeiten, müsste der Branchenführer nach seinen Angaben die Preise im kommenden Jahr erneut um gut zehn Prozent erhöhen. Genaue Zahlen nannte Rheinländer nicht. Man werde sich aber nach seiner Einschätzung "in Bereich der gesamten Branche" bewegen.
Ersatzteile teurer
Getrieben werde die Entwicklung vor allem durch zuletzt deutlich gestiegene Kosten für Kfz-Reparaturen. Größter Faktor seien die Ersatzteilpreise, berichtete Rheinländer. Diese lägen aktuell um gut 70 Prozent über dem Wert von 2013. Allein in diesem Jahr sei mit einem Anstieg von sechs bis sieben Prozent zu rechnen. Diese Preispolitik die Autohersteller, die die Kosten "künstlich nach oben treibt", sei nicht nachvollziehbar. Rheinländer plädierte nach dem Vorbild Schwedens für eine gesetzlich verankerte Pflicht zum vorrangigen Einbau gebrauchter Ersatzteile. Dafür gebe es in Deutschland bislang weder einen Markt, noch die nötige Infrastruktur.
Lieferprobleme und steigende Stundensätze
Deutlich gestiegen seien zudem die Stundensätze in den Werkstätten. Diese lägen um 50 bis 60 Prozent über dem Wert von 2013. Vor allem im vergangenen Jahr habe das Plus mit rund zehn Prozent spürbar über der Inflationsrate gelegen. Als zusätzliche Belastung für die Versicherer nannte Rheinländer Lieferprobleme bei Ersatzteilen. Dies führe zu längeren Standzeiten reparaturbedürftigen Fahrzeuge und damit zur längeren Nutzung von Ersatzmietwägen. Im vergangenen Jahr sei dieser Posten bei HUK um 21 Prozent auf über 45 Millionen Euro angewachsen.
Eigenbeteiligung senkt Versicherungskosten
Immer stärker fallen die Folgen des Klimawandels mit der Häufung von Wetterextremen ins Gewicht. "Inzwischen haben wir bei jedem Wetterumschwung Regionen, die unter Wasser stehen oder von Hagel oder Windwurf betroffen sind", sagte Rheinländer. Dies treibe auch die durchschnittliche Schadenssumme in die Höhe, zuletzt um jährlich sieben bis zehn Prozent. Unter dem Strich habe die HUK im vergangenen Jahr rund elf Prozent mehr für die Begleichung von Schäden ihrer Kfz-Kunden ausgeben müssen als an Prämien eingenommen worden sei. Für das laufende Jahr rechnete Rheinländer mit einer leichten Verbesserung. Trotz einer weiter negativen Schaden-Kosten-Quote wolle die HUK-Coburg "Preisführer im Markt" bleiben.
Bei möglichen Kostensenkungen seien den Versicherern weitgehend die Hände gebunden, ihr Einfluss auf Ersatzteil- und Werkstattpreise sei gering. Rheinländer riet den Kunden zum Preisvergleich zwischen den Versicherern. Ein Wechsel könne gerade heuer lohnend sein. Zudem könne man durch eine im Versicherungsvertrag verankerte Werkstattbindung und so genannte "Telematik-Tarife" bis zu 50 Prozent der Prämien sparen. Auch durch eine höhere Eigenbeteiligung an Schäden werde die Kfz-Versicherung günstiger.













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