Das aktuelle System der Förderung von Kitas benachteiligt offenbar überproportional die Einrichtungen in Nordbayern. Das beklagte bei einer Expertenanhörung zur anstehenden Reform des bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes im Sozialausschuss des Landtags Christiane Münderlein aus dem Vorstand des evangelischen Kita-Verbandes Bayern.
Auf ein entsprechendes Nord-Süd-Gefälle im Freistaat, das Auswirkungen auf die Qualität der Einrichtungen habe, verwiesen auch weitere Sachverständige. Hintergrund für die Unterschiede ist demnach vor allem die vergleichsweise schlechte Finanzlage nordbayerischer Kommunen. "Die Qualität der Kita-Betreuung darf nicht vor der Finanzkraft der Gemeinden abhängen", sagte Münderlein. Zudem führt das Fördersystem wohl auch dazu, dass Einrichtungen in einem schwierigeren sozialen Umfeld weniger Förderung erhalten. Genau diese Kitas müssten aber eigentlich besser unterstützt werden, meinte Münderlein.
Insgesamt wurde bei der Anhörung deutlich, dass die bayerischen Kitas immer stärker unter Geld- und Personalmangel leiden. Man befinde sich in einer Zwickmühle aus hoher Nachfrage, Fachkräftemangel und Erhalt des Qualitätsanspruchs, schilderte Alexa Glawogger-Feucht, Geschäftsführerin im Landesverband katholischer Kitas, die Lage. Vielerorts müssten deshalb auch die von den Eltern zu tragenden Kita-Gebühren deutlich angehoben werden. Um den wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können, ohne Kommunen und Eltern finanziell zu überlasten, müsse die freistaatliche Basisförderung von 60 auf mindestens 90 Prozent steigen. "Damit wären wir einen Riesenschritt weiter", sagte Glawogger-Feucht. Konkret würde dies einen Zuwachs in der Kita-Förderung um rund eine Milliarde Euro pro Jahr bedeuten.
Nach Angaben des stellvertretenden Geschäftsführers des Bayerischen Städtetags, Manfred Riederle, zerreißt die Kinderbetreuung wegen stetig steigender Kosten und Anforderungen inzwischen viele kommunale Haushalte. Die Kommunen kämen dem nicht aus, da sie gesetzliche Vorgaben zu erfüllen hätten. "Es besteht dringender Handlungsbedarf, sonst droht das System zusammenzubrechen", sagte Riederle. Um mehr Fachpersonal für die Kitas zu gewinnen, aber auch um vorhandenes in den Einrichtungen halten, mahnte Lisa Pfeiffer vom Kita-Fachkräfteverband Bayern eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kitas an. Man brauche mehr Zeit und Ressourcen, um den steigenden Anforderungen und vielfältigen Bedürfnisse der Kinder unterschiedlicher sozialer oder kultureller Herkunft gerecht zu werden. "Unter den gegebenen Bedingungen sind alle Betreuungs- und Bildungsziele in den Kitas nicht zu erreichen", betonte Pfeiffer.
Auf die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung verwies aus wissenschaftlicher Sicht Fabienne Becker-Stoll, Direktorin am Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz. Sie verwies darauf, dass die Bildungsschere unter Kindern bereits lange vor der Einschulung auseinandergehe. Die "Leistungskluft" öffne sich schon ab dem dritten Lebensmonat, Ursache sei vor allem die soziale Herkunft der Kinder. Kitas könnten diese Unterschiede ausgleichen, vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien profitierten davon besonders. "Investitionen in die frühkindliche Bildung zahlen sich langfristig für die Gesellschaft aus und sind auch rentabler als eine spätere Korrektur von Fehlentwicklungen", erklärte Becker-Stoll. Deshalb brauche es dringend eine bessere Finanzausstattung vor allem in den Kitas, in denen viele Kinder aus mehrfach benachteiligten Lebenslagen betreut würden.













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