München
Update 11.09.2026 - 16:47 Uhr

Mehr als 1,77 Millionen Schüler – Lehrermangel bleibt Thema

In der kommenden Woche enden auch in Bayern die Sommerferien. Erwartet wird nicht nur eine Rekordzahl an Schülern. Auch im Schulalltag soll sich einiges ändern.

Bayerns Schulen sind aus der Sicht von Kultusministerin Anna Stolz gut auf das neue Schuljahr vorbereitet. (Archivbild) Bild: Christoph Soeder/dpa
Bayerns Schulen sind aus der Sicht von Kultusministerin Anna Stolz gut auf das neue Schuljahr vorbereitet. (Archivbild)

Trotz des aktuellen Moratoriums für Lehrerstellen an Bayerns Schulen sieht Kultusministerin Anna Stolz die Unterrichtsversorgung im nächsten Schuljahr „stabil“ gesichert. Sie wolle die Rahmenbedingungen aber auch nicht schönreden, sagte die Freie-Wähler-Ministerin in München, die Situation sei „sehr angespannt“. 

Dank einer frühzeitigen Planung sei die Unterrichtsversorgung aber sichergestellt – und „das war keine Selbstverständlichkeit“, wie Stolz betonte. Das Stellenmoratorium koste „viel Kraft“, für das nächste Schuljahr seien aber bereits 1.500 zusätzliche Lehrerstellen im Haushalt des Freistaates verankert.

Rund 4.100 neue Lehrer - aber keine neuen Stellen

Zum Schuljahr 2026/2027 starten bayernweit rund 5.000 junge Menschen als Referendare in den Vorbereitungsdienst an den Schulen - so viele wie seit Jahren nicht mehr. Zudem stellte der Freistaat zum Schuljahr 2026/2027 rund 4.100 neue Lehrkräfte ein - sie rücken auf Stellen, die frei geworden sind. Stolz betonte, dass „nahezu“ alle Bewerber eingestellt worden seien, gleichwohl gebe es an einigen Schulen weiter Bewerberengpässe. Neue Stellen gestattet das von CSU und Freien Wählern beschlossene Moratorium keine, Hintergrund sind Sparvorgaben im Haushalt.

Die Zahl der Schüler steigt zum neuen Schuljahr in Bayern erneut. Laut Stolz werden 1,77 Millionen Schüler erwartet, das seien rund 20.000 mehr als im vergangenen Schuljahr. Stolz sprach vom höchsten Stand seit 15 Jahren. Rund 132.000 Mädchen und Jungen dürften besonders aufgeregt sein: Sie werden als Erstklässler ihre Schulkarriere beginnen. Auch dies ist ein Plus von knapp 2.500 im Vergleich zum vergangenen Schuljahr.

Neue Prüfungskultur, neue Formate, mehr Flexibilität

Zum Start des neuen Schuljahres greifen einige Änderungen. Stolz sprach davon, dass jetzt eine „zeitgemäße Prüfungskultur“ starte, welche neben den „bewährten“ schriftlichen wie mündlichen Aufgaben auch mehr „innovative Formate“ ermögliche. Hierzu zählten Präsentationen, Projekte, Debatten und praxisnahe Aufgaben. Auf die gerade von Schülern und Eltern seit Jahren kritisierten und auch bei Bildungsexperten nicht unumstrittenen „Exen“, jederzeit mögliche unangekündigte Abfragen, ging sie dabei nicht ein. Gleichwohl werde an einigen Stellen die Zahl verpflichtender Leistungsnachweise reduziert.

„Leistung hat viele Seiten - und genau die wollen wir sichtbar machen. Deshalb schaffen wir mehr Möglichkeiten für unsere Schülerinnen und Schüler, zu zeigen, was sie können“, sagte Stolz. 

An den Mittelschulen kann die Stundentafel künftig flexibler ausgestaltet werden - sowohl für ganze Klassen als auch für einzelne Schüler sollen etwa in den Klassen fünf bis sieben bis zu zwei Wochenstunden für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch nach Bedarf umorganisiert werden. Ferner soll es mehr Sportunterricht an allen Schulformen geben.

Die private Nutzung von Handys ist ab dem neuen Schuljahr für alle Schüler bis einschließlich der siebten Stufe verboten. Auch Eltern sollen künftig bei Infoveranstaltungen besser für die Risiken sensibilisiert werden.

Kritik von den Grünen und Realschullehrerverband

„Die Ministerin macht einen großen Bogen um den Elefanten im Raum: nämlich den gravierenden Lehrkräftemangel an Bayerns Schulen“, sagte Gabriele Triebel von den Grünen im Landtag. Am Ende würden die Kinder, die Schulen und die Chancengerechtigkeit unter den sich verschlechternden Bedingungen leiden. Durch die steigenden Schülerzahlen verschärfe sich der Lehrermangel weiter.

„Das Stellenmoratorium trifft die Realschulen unmittelbar - und das in einer Situation, in der die Schülerzahlen weiter steigen. Wenn gleichzeitig Lehrerstunden wegfallen, müssen die Schulen zwangsläufig an anderer Stelle kompensieren: bei der individuellen Förderung, bei der Klassengröße oder beim Wahlunterricht“, sagte der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes Ulrich Babl. Für die Realschulen brauche es eine verlässliche Unterrichtsversorgung und eine zusätzliche Unterstützung im Bereich der Berufsorientierung, insbesondere für die Koordinatoren Berufliche Orientierung, sowie mehr Vertrauen in die eigenverantwortliche und verantwortungsvolle Umsetzung digital gestützten Unterrichts.

© dpa-infocom, dpa:260911-930-669243/4

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