München
11.05.2026 - 07:57 Uhr

„Of One Blood“ - Jubel für neue Oper

Eine englische Königin, ihre schottische Rivalin und ein blutiges Ende. Über Elizabeth I. und Mary Stuart ist viel geschrieben worden - jetzt auch eine neue Oper.

Zwei Frauen, ein Machtkampf, eine Hinrichtung: Die Bayerische Staatsoper hat die viel beschriebene Geschichte um die englische Königin Elizabeth I. und ihre schottische Rivalin Mary Stuart neu auf die Bühne gebracht. Dort wurde die Oper „Of One Blood“ uraufgeführt - mit viel Applaus und Jubel für den australischen Komponisten Brett Dean und Librettistin Heather Betts. 

Das Ehepaar, das stets zusammenarbeitet bei neuen Opern, fügt der bekannten, schon von Friedrich Schiller dramatisierten Historie keine großen Überraschungen zu. 

Spirale aus Macht und Gewalt

Grundlage des Librettos sind historische Briefe und Gedichte. Sie zeigen, was in den beiden Herrscherinnen vorgeht, die sich eigentlich - schließlich sind sie blutsverwandt, eben „of one blood“ - verbunden fühlen. Ihre Verbindung kann aber schlussendlich nichts ausrichten gegen eine (von Männern gedrehte) Macht- und Gewaltspirale.

Unterstützt wird das Ganze von einer zweigeteilten Inszenierung (Regisseur Claus Guth), die eine dicke, schwarze Linie zwischen den Welten der beiden Königinnen zieht. Ihre Geschichte zeigt sie als historische Sezierung, in der die Westminster Abbey, in der sich die Särge der beiden Königinnen befinden, zum Forschungslabor wird. 

„Tatsache, dass beide Königinnen Opfer waren“

„Das Märchen, dies sei die Geschichte einer guten und einer bösen Königin, war offensichtlich unwahr“, sagt Librettistin Betts, deren Tochter Lotte Betts-Dean eine Zofe singt und das Stück so endgültig zum Familienprojekt macht, der Deutschen Presse-Agentur. „Was für mich auf herzzerreißende Weise deutlich wird, ist die Tatsache, dass beide Königinnen Opfer waren – wirkliche Menschen, wirkliche Frauen, gefangen in einer Epoche politischer Erwartungen.“

Für sie sei „der faszinierendste und überzeugendste Aspekt ihres Konflikts tatsächlich psychologischer Natur“ gewesen: „die Tatsache, dass sie sich nie persönlich begegneten und doch jede von der Gegenwart der anderen unablässig und schmerzhaft gequält wurde“.

Hinreißend gequält gibt sich am Uraufführungsabend Vera-Lotte Boecker als Mary Stuart, die mit ihrer Leistung selbst die übermächtige England-Königin, gesungen von Johanni van Oostrum, in den Schatten stellt. Sie bekommt den meisten Applaus des Abends - zusammen mit Dirigent Vladimir Jurowski und nur übertroffen von dem für die Schöpfer dieser neuen Oper.

© dpa-infocom, dpa:260511-930-63250/1

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