München
17.07.2023 - 14:24 Uhr

So wollen Polizei und Banken Automaten-Sprengern das Handwerk legen

Nach einer kurzen Pause geht die Serie von Geldautomatensprengungen in Bayern weiter. Innenminister Herrmann fordert von den Banken mehr Engagement bei der Sicherung der Geräte. Diese versprechen Besserung, verweisen aber auch auf Probleme.

Unbekannte haben im Oktober 2022 einen Geldautomaten der Sparkasse in Luhe gesprengt. Archivbild: Gabi Schönberger
Unbekannte haben im Oktober 2022 einen Geldautomaten der Sparkasse in Luhe gesprengt.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat nachdrücklich an die Banken und Sparkassen im Freistaat appelliert, ihre Geldautomaten besser gegen die Sprengung durch kriminelle Banden zu schützen. "Bis jemand etwas Besseres erfunden hat, sind Verfärbe- oder Klebetechniken zur Unbrauchbarmachung von Geldscheinen das Mittel der Wahl", sagte Herrmann beim Bayerischen Bankengespräch in München. Davon sollten die Banken möglichst flächendeckend Gebrauch machen. "Wir erwarten das dringend, wir müssen da zügig vorankommen", machte der Minister Druck. In Politik und Öffentlichkeit sei "die Ungeduld groß, dass endlich Abhilfe geschaffen wird".

In Bayern waren 2022 37 Geldautomaten gesprengt worden, so viele wie nie zuvor. Nach einem Fahndungserfolg gegen eine aus den Niederlanden operierende Bande zu Beginn dieses Jahres gab es eine Pause, inzwischen sind für den Freistaat in diesem Jahr schon wieder neun Sprengungen aktenkundig. "Das Phänomen ist leider nicht am Ende", urteilte der Vizepräsident des Landeskriminalamtes, Guido Limmer. Nach Angaben Herrmanns stößt die Polizei bei der Bekämpfung der Automatensprengungen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. "Wir brauchen dringen die Hilfe der Banken und Automatenhersteller", sagte er. Verfärbe- und Klebetechniken seien zwar kein Allheilmittel, aber - wie ein Blick in die Niederlande zeige - sehr wirksam. Die Taten dürften sich für die Kriminellen nicht lohnen. Limmer ergänzte, nur technische Prävention werde das Phänomen stoppen.

Herrmann erinnerte an den Erfolg des Einbaus technischer Vorrichtungen zur Verhinderung von Banküberfällen. Deren Zahl sei in Bayern im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte von mehreren Hundert auf ganze vier in vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Sprengungen dürfe man auch aus Sicherheitsgründen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Durch die Wucht der Explosionen könnten Anwohner oder Passanten gefährdet werden. Auch aus diesem Grund müsse mehr Prävention betrieben werden.

Die Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes, Sabine Heimbach, kündigte weitere Sicherungsmaßnahmen seitens der Banken an. Bundesweit seien dafür 300 Millionen Euro an Investitionen geplant. In Bayern würden an vielen "Risikostandorten" bis Ende des Jahres Einfärbungssysteme installiert. Gesetzliche Sicherheitsvorgaben lehnte Heimbach ab. Standardisierte Systeme würden es den Kriminellen nur erleichtern, sich auf die Schutzmechanismen einzustellen. Es brauche für jeden Standort eine mit den Sicherheitsbehörden abgestimmte, individuelle Lösung. Ein Abbau von Geldautomaten als Reaktion auf die Sprengungen erteilte Heimbach eine Absage. Die Banken stünden im Sinne der Kunden zu einer flächendeckenden Bargeldversorgung.

Der bei der Schweinfurter Privatbank Flessa für Sicherheitsfragen zuständige Fabian Schimmel erklärte, zur Sicherung der Geldautomaten gebe es keine Patentlösung. Zielführend sei allein die Kombination mehrerer Maßnahmen, die dem jeweiligen Gefährdungspotenzial angepasst seien. Nach seinen Angaben kosten der Einbau eines Verfärbesystems und die Verbesserung der Einbruchssicherheit rund 6000 Euro je Automat. Der raschen Umsetzung stünden derzeit allerdings Lieferzeiten von sechs Monaten sowie der Handwerkermangel entgegen. Zum Einsatz von Vorrichtungen, die Geldscheine nach einer Sprengung des Automaten verklebten, äußerte sich Limmer zurückhaltend. Es gebe derzeit noch keinen zertifizierten Hersteller solcher Systeme, insgesamt seien die Modelle "noch nicht marktreif". Ungeachtet dessen sagte der Chef der Münchner Bundesbank-Filiale, Karl Schnitzler, zu, den Banken künftig neben eingefärbten auch verklebte Geldscheine zu ersetzen.

Info:

Geldautomatensprengungen in der Oberpfalz 2022

  • Wernberg-Köblitz: Am 29. Juni sprengen Unbekannte den Geldautomaten der Raiffeisenbank am Wernberger Marktplatz.
  • Regensburg: Täter sprengen am 8. Juli einen Geldautomaten der Sparkasse im Regensburger Westen.
  • Wiesau: Am 6. Oktober trifft es eine Commerzbank an der Hauptstraße in Wiesau.
  • Luhe: Am 25. Oktober sprengen Unbekannte erneut einen Geldautomaten einer Sparkasse.
  • Kastl: Am 12. Dezember wollten Unbekannte einen Bankautomaten in Kastl sprengen. Die Sprengung missglückte.
 
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