28.06.2020 - 13:53 Uhr
Deutschland & Welt

Musik als Lebenselixier: Endlich wieder Livemusik im Jazz-Zirkel

„Wir freuen uns, dass wir wieder zur Besichtigung freigegeben wurden“ - mit diesem Zitat der Swing-Legende Max Greger präsentiert Steffi Denk ihre Mitstreiter auf der Bühne im Bistrot Paris. Es war das erste Konzert nach dem Corona-Shutdown

Nach 15 Wochen Zwangspause endlich wieder gemeinsam auf der Bühne im Bistrot Paris: Steffi Denk & Flexible Friends: Norbert Ziegler (Piano, Trompete), Markus Fritsch (Bass), Michael "Scotty" Gottwald (Schlagzeug) und Martin "Möpl" Jungmayer (Saxofon).
von Louis ReitzProfil

Zwei Konzerte, zwei Sessions und das Jazz-Seminar fielen beim Jazz-Zirkel der Pandemie zum Opfer. Die Musiker sind begierig, endlich wieder vor Publikum zu spielen, auch wenn das diesmal auf 50 Personen limitiert ist. Ungeduldig hatte man diesen Augenblick ersehnt, und man spürt am Freitagabend, dass auch die Livemusik zu den Grundbedürfnissen der Menschen zählt.

Mit einem unter die Haut gehenden Blues lässt man erst einmal Dampf ab, und die "schärfste Stimme Bayerns" hat nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt. "Dieser Abend ist für uns Gold wert!", frohlockt Steffi Denk, und ihre "flexiblen Freunde" machen deutlich, dass sie den direkten Kontakt zum Publikum vermisst haben. "Das Konzert ist unser erster gemeinsamer Auftritt seit 15 Wochen", erklärt Bassist Markus Fritsch.

"Accentuate The Positive" oder "I wish you love", diese Songtitel, die eine positive Einstellung zum Leben vermitteln, kommen aus dem American Songbook, aber das Repertoire ist breit gefächert: ein Lied von Hildegard Knef, aber auch ein Calypso und diverse Nummern aus dem populären Songfundus werden auf unverkennbare Weise aufbereitet.

Norbert Ziegler, der Mann am Klavier, zeigt sich als swingender und sensibler Begleiter und greift gelegentlich auch zur Trompete, etwa bei Gregory Porters unter die Haut gehendem Titel "Liquid Spirit". Zu den Höhepunkten des Abends gehören ein spontan improvisierter Gospelsong der an Aretha Franklin erinnert sowie eine mitreißende Version von Peggy Lees "Fever" und eine swingende Bearbeitung des Beatles-Klassikers "Can't buy me love".

Faszinierend, wie Frisch am Kontrabass und Michael "Scotty" Gottwald am Schlagzeug für jeden Song die passende Stimmung erzeugen - mal dezent im Hintergrund mit viel Luft für Schwingungen und Nuancen, dann wieder mir rasenden Tempi und donnernden Einsätzen. Ein besonderer Genuss ist das Saxofon von Martin "Möpl" Jungmayer: Mit exakten Einsätzen und perfekter Intonation erinnert er an die Ikonen des Soul-Jazz, King Curtis und Stanley Turrentine. Auch eine Instrumentalnummer im Stil des Gerry-Mulligan-Quartetts, mit Baritonsaxofon, Trompete, Bass und Schlagzeug, sorgt für Abwechslung.

Gewöhnungsbedürftig sind Steffi Denks eigenwillige und oft langatmige Zwischenmoderationen mit kabarettistischen Beigeschmack: Parodie und Nonsens, Klamauk und Satire lenken eher von der hochkarätigen Musik ab.

Als Zugabe noch "Hallelujah, I love her so" von Ray Charles und "I can see clearly now" und ein lange ersehnter Abend in Richtung Normalität geht zu Ende. Beim Jazz-Zirkel folgt nun eine lange Sommerpause, da das diesjährige Jazz-Seminar im Juli leider abgesagt werden musste. Im September geht es dann mit Volldampf in den Weidener Jazzherbst.

Lebensfreude und positive Energie: Steffi Denk bringt den Jazz zurück auf die Bühne im Bistrot Paris.
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