19.03.2019 - 15:50 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Die Logik modernen Marketings

Einsichten in Manipulation der Werbung aus Amorbacher Sicht präsentiert Philipp Weber im Schmidt-Haus

Ohne moralische Keule bringt Philipp Weber seine Kritik an den Auswüchsen unserer Konsumgesellschaft temperamentvoll, absolut lustig, bisweilen herrlich banal an die Frau und den Mann.
von Autor KBWProfil

Philipp Weber ist grandios durchgestartet. Die Presse bezeichnet ihn als „die Conchita Wurst des deutschen Kabaretts“. 5000 Euro Abendgage, das war einmal. Er ist Markenbotschafter des Grillherstellers Weber-Stephen Products LLC und Pate dessen Spitzenprodukts „Genesis“. Wöchentlich gibt es ein neues Programm. Seine Touren führen ihn inzwischen regelmäßig auf „Malle“, wo er auf Jägermeister-Halloweenparties mit Fallschirm aus dem Red-Bull-Hubschrauber landet und Triumphe feiert. Seine Puppenkollektion für die Nachwuchsfans findet reißenden Absatz.

Gott sei Dank ist das Ganze nur eine Fiktion aus dem Programm „Weber N°5: Ich liebe ihn!“, mit dem der bekennende Amorbacher aus dem Odenwald immer noch auf Kleinkunstbühnen in der Größe des Schmidt-Hauses gastiert. „Ich liebe ihn!“, eine für ihn persönliche Konsequenz aus den Erkenntnissen von Marketing und Werbung, denen er sich an diesem Abend widmet.

Weber hat sich sehr fundiert mit der Thematik auseinandergesetzt, erklärt Grundlegendes aus der Sozialpsychologie an Maslows Bedürfnispyramide und der klassischen Konditionierung des Verhaltensforschers Pawlow. Weber zitiert Goethe, Schiller, Eichendorff, Hölderlin, Uhland und – Goebbels.

Das lässt auf einen verkopften, drögen, oberlehrerhaften Abend schließen. Nicht mit Philipp Weber. Er schafft, was nicht viele können. Ohne moralische Keule bringt er seine Kritik an den Auswüchsen unserer Konsumgesellschaft temperamentvoll, absolut lustig, bisweilen herrlich banal an die Frau und den Mann. Von Beginn an herrscht eine unglaublich fröhliche Stimmung im Gewölbe, die über die gesamte zweistündige Vorstellung anhält. Quirlig fegt er über die Bühne, hält regen Kontakt zum Auditorium, bezieht es geschickt ins Geschehen mit ein.

Der Amorbacher gibt nicht die kritische Institution, die über den Dingen steht und deren Makel anprangert. Weber bleibt auf Augenhöhe mit seinem Publikum. Er ist selbst manipuliertes Marketingopfer, offenbart seine Schwächen, wie seine Obsession für Küchengeräte, am Beispiel Milchschäumer erfrischend überspitzt. Er ist bereits stolzer Besitzer eines „Handschäumers, Induktionsschäumers, Schaumstabs, einer Milchschaumpumpe, eines Milchschaumbläsers“ und kann es kaum mehr erwarten, bis endlich ein „Laktoseteilchenbeschleuniger“ auf den Markt kommt.

Im Jahre 2020 kommt Philipp Weber mit einem neuen Programm auf die Kleinkunstbühnen Deutschlands. Vorschlag für den Untertitel: „Weber N°6 – WIR lieben ihn!“

Philipp Weber hält regen Kontakt zu seinem Publikum, bezieht es geschickt ins Geschehen mit ein.
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