24.10.2019 - 13:00 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Ostdeutsche Befindlichkeiten und digitaler Wahn

Kabarettist HG Butzko begeisterte im Nabburger Schmidt-Haus

HG Butzko sprach im Nabburger Schmidt-Haus Klartext
von Holger Stiegler (STG)Profil
HG Butzko sprach im Nabburger Schmidt-Haus Klartext

Wenn er auf der Bühne steht, dann sollte man sich nicht unbedingt entspannt zurücklehnen. Da sollte man lieber aufmerksam lauschen und mitdenken: Denn HG Butzko hat Botschaften und Wahrheiten im Gepäck, die nicht immer nur lustig sind. Das macht der Kabarettist auch bei seinem Auftritt am Mittwochabend im Nabburger Schmidt-Haus deutlich, wo er sich durchaus schonungslos der Auswüchse der Digitalisierung annimmt.

„echt jetzt“ heißt das aktuelle Programm – und natürlich wird es nicht nur ernst an diesem Abend. Denn die Flanken, die sich öffnen, sind durchaus vielfältig. Vor 20 Jahren, als er mit dem Kabarett begonnen habe, sei Amerika noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen. Jetzt, im Trump-Zeitalter, sei es nur noch das „Land der begrenzten Unmöglichkeiten“. Donald Trump habe ja seiner Ansicht nach eine große Gemeinsamkeit mit Altkanzler Gerhard Schröder: „Beide haben einen Ehrenplatz in der Zäpfchenpackung von Putin“. Übermäßig viel wolle er über Trump eh nicht reden, da sei ihm die Zeit einfach zu schade dafür. „Und das Problem an sich ist ja nicht Trump, sondern sind dessen Wähler“, stellte Buzko fest.

Scharfsinnig wirft der Gelsenkirchener auch den Blick auf 30 Jahre Mauerfall und die Entwicklungen in Ost und West. Es sei schon erstaunlich, dass die führenden Rechtspopulisten und Neo-Nazis im Osten aus dem Westen kämen. Insgesamt stelle er in Gesprächen mit Ossis fest, dass es im Osten vier so genannte Dominanzgruppen gebe: „Weiße“, „Männer“, „Heterosexuelle“ – und „Wessis“. Befremdet zeigt sich Butzko über die Wahlerfolge der AfD im Osten. Man könne ja wirklich deutliche Kritik an dem üben, was die Bundesregierung mache und vor allem nicht mache. „Aber Rechtspopulisten zu wählen ist ungefähr so wie in der Kneipe an der Klobürste zu lecken, weil einem das Bier nicht schmeckt!“, macht Buzko deutlich. Das sei aber wohl in einem Land so, in dem es immer mehr Rassismus gebe, aber sich niemand dazu bekenne.

Und dann ist da noch die Digitalisierung, die Zeit, in der das Handy längst zur Droge geworden. Früher, in Zeiten des 56k-Modem, sei das DSL-Kabel als Lösung aller Probleme angesehen worden. „Was sollte da auch noch kommen?“, so Butzko. Ziemlich viel in einem Zeitalter, in denen die Digitalisierungskonzerne wie Apple, Google, Facebook und Microsoft die Herrschaft übernommen haben. Digital animierte Frauenstimmen habe in vielen Haushalten längst das Regiment inne, eines Tages wird ein Kind seine Eltern fragen: „Was ist eigentlich zwischenmenschlich?“ und als Antwort bekommen: „Da musst du Alexa fragen!“ Wenn Butzko vor der digitalen Apokalypse warnt, nimmt er sich Zitate vieler Manager und Entwickler der großen Konzerne zur Hilfe, die – de facto – vor den Monstern warnen, die sie selbst geschaffen haben. Da bleibt einem nicht selten das Lachen im Halse stecken. Gerade Kinder und Jugendlichen seien die Ziele und damit Opfer der übersteigerten Digitalisierung. „Und wo ist hier eigentlich unsere Familienministerin, wenn man sie mal braucht?“, wirft der Kabarettist in den Raum. Langer Applaus für intelligentes Kabarett.

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