25.08.2019 - 21:59 Uhr

Vom Neid der Besitzlosen auf die Gier der Superreichen

Wer als erstes Neid schreit, hat gewonnen: Kaum versucht die SPD mit der Vermögenssteuer zu punkten, schreit das vermögende Lager auf. Den Rahm vom Reichtum der Milliardäre zu schöpfen sei unanständig und schade dem Standort.

Kommentar von Jürgen Herda
Nur eine Neiddebatte? Eine Demo vor dem Bundeskanzleramt in Berlin für eine stärkere Besteuerung von Reichtum. Auch die SPD fordert jetzt die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Bild: Wolfgang Kumm dpa/lbn
Nur eine Neiddebatte? Eine Demo vor dem Bundeskanzleramt in Berlin für eine stärkere Besteuerung von Reichtum. Auch die SPD fordert jetzt die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Das ist so ehrlich, als wenn der große Bruder der kleinen Schwester erklärt: "Du bist ja nur neidisch, weil ich beide Eis gegessen habe. Ich bin aber schwerer und brauche die Kalorien."

Der Reichtum ist in Deutschland so ungleich verteilt wie nirgends sonst in der Eurozone. Das reichste Hundertstel verfrühstückt ein Drittel des Vermögens. Millionen Besitzlose sitzen auf Schulden - auch fleißige und sparsame Bürger, die selbst mit zwei Jobs kaum über die Runden kommen.

Die deutsche Politik ist leider der Devise der Reagans und Blairs gefolgt: Macht die Reichen reicher, dann profitiert das ganze Land - von wegen! Kohl schaffte die Vermögensteuer ab, Schröder senkte den Spitzensteuersatz, Merkel halbierte die Kapitalertragssteuer. Der Wertzuwachs bei Immobilien von drei Billionen Euro innerhalb von zehn Jahren geht gut zur Hälfte aufs Konto der reichsten zehn Prozent. Der Rest ächzt unter Wuchermieten.

Auch ein beliebtes Argument: Der Staat nimmt zu viel Geld ein. Natürlich wird, wo Menschen Fehler machen, Geld verschwendet: Stichwort BER und Bundeswehr. Gleichzeitig aber fehlt Geld an allen Ecken und Enden: für marode Infrastrukturen, Schulen und Bildung.

Völlig neidlos sollte eine Vermögensteuer so konzipiert sein, dass die Gewinner der Krisen vergangener Jahre einen Teil dazu beisteuern, dieses Land wieder fit zu machen - und zwar ohne die Vielzahl von mittelständischen Familienunternehmen zu schädigen. Dazu braucht es aber eine Große Koalition der Vernunft.

 
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