Sechs Jahrhunderte Brautradition

Schon von Weitem ist an diesem frostigen Tag Anfang Dezember der Rauch aus dem Schornstein zu sehen. Wer sich auskennt in Neuhaus, der weiß: Hier ist der "Braumeister" am Werk.

Thomas Witt stellt im Kommunbrauhaus die Maische her.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Thomas Witt hat den großen Holzofen im Kommunbrauhaus des heutigen Windischeschenbacher Ortsteils schon um 5 Uhr früh angeschürt. Jetzt ist Mittag. Auf einer Plattform über dem Ofen dampft es aus dem Kupferkessel. Die Maische, ein Gemisch aus Gerstenmalz, Wasser und Hopfen, brodelt vor sich hin. Der Brauer muss alles gut im Auge behalten, damit die Temperatur nicht zu hoch steigt und die wichtigen Enzyme zerstört werden.

Thomas Witt setzt hier eine seit sechs Jahrhunderten ungebrochene Tradition fort. Früher waren Kommunbrauereien in der ganzen Oberpfalz weit verbreitet, heute gibt es sie nur noch in fünf Orten der nördlichen Oberpfalz. Neben Neuhaus sind das Windischeschenbach, Falkenberg, Mitterteich und Eslarn.

In Neuhaus geht das Kommunbraurecht bereits auf die Erhebung zum Markt im Jahr 1415 zurück. 15 Familien nutzen es momentan, zehn lassen es ruhen, erzählt Thomas Witt. Er ist einer von drei "Kollegen", die abwechselnd für die Zoiglwirte brauen. Nach dem Abkühlen wird die frische "Würze" aus dem Kommunbrauhaus zu den einzelnen Wirtschaften gebracht und in deren Kellern noch weitere zehn bis 14 Tage im Bottich vergoren. So entsteht jeweils ein individuelles Bier, das in den "Zoiglstuben" ausgeschenkt wird. "Es schmeckt bei jedem anders", sagt Witt, "sonst wär es ja auch langweilig".

Bis vor 15 Jahren war der Zoigl allenfalls ein "Geheimtipp". Das hat sich drastisch geändert, inzwischen ist ein regelrechter Hype um das Bier und seinen Ausschank entstanden. Die rührigen Kommunbrauer aus der nördlichen Oberpfalz haben es sogar geschafft, dass ihre Tradition seit 2018 als "immaterielles Kulturerbe" anerkannt ist. "Das fühlt sich gut an", bestätigt Thomas Witt. "Wir sind stolz darauf."

In der Kommune seien "alle Brauhäuser intakt und gut aufgestellt, auf der Basis kann man jederzeit weitermachen", sagt der Landwirt, der das Brauen von seinen Vorgängern erlernt hat. Warum sich die Tradition in Neuhaus so lange gehalten hat, während sie anderswo längst ausgestorben ist, dafür hat Thomas Witt eine einfache Erklärung: "Wir sind noch eine intakte Gemeinschaft. Dann funktioniert das."

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