Festklänge von und für Franz

Das Konzert in der Pfarrkirche gilt einem (zusammengerechnet) 1000-jährigen Jubiläum: 800 Jahre Neustadt an der Waldnaab plus 200. Todesjahr des hier gebürtigen Komponisten Franz Gleißner (1761-1818). Ein außergewöhnlicher Klassik-Abend.

Von links: Jutta Hörl, Katrin Arnold, Karl Heinz Malzer. Hofer Symphoniker, Mixtura Cantorum und Jugendchor des FSB
von Peter K. DonhauserProfil

Seine Leistungen liegen teilweise noch im Schatten, dem Dirigenten und Musikforscher Karl Heinz Malzer gebührt das hohe Verdienst, dessen Musik und Leben ins rechte Licht zu rücken. Über Gleißners Vita und Musik wurde und wird bald ausführlich berichtet: Er war Militärkapellmeister, Hofmusiker, Unternehmer, Lithograph, Verfasser des ersten Mozart-Werk-Verzeichnisses (vor Köchel) und Komponist.

Zu Beginn musizieren am Sonntag die hervorragend disponierten Hofer Symphoniker unter Malzers souveränem Dirigat zwei Gleißner-Sinfonien: Um 1804 entstand Opus XV in B-Dur mit je zwei Oboen und Hörnern, schon 1798 Opus I/2 in Es-Dur, hier treten Flöte und zwei Fagotte hinzu. Die beiden Werke stehen der Musik nahe, die Gleißner als Bassist in der kurfürstlichen Münchner Hofkapelle kennen gelernt hatte. Dort spielte man weniger die Wiener Klassiker (Haydn, Mozart), mehr Stamitz, Cannabich, Toeschi oder Danzi. Die Sonaten-Hauptsätze folgen anderen Formideen als die vergleichbaren von Beethoven; Heinrich Koch (1749-1816) hat dies beschrieben. Dem Beginn mit großer Geste folgt ein Abschnitt mit einem stilleren, singbaren Thema.

Ungekünstelte Natürlichkeit

Malzer und die „Hofer“ arbeiten diese und weitere Kontraste mit außerordentlich feinfühligem Stilgefühl und Geschmack heraus, von Anfang an faszinieren das transparente Klangbild, die hochkultivierten Bläser, die mit schlanker Eleganz agierende Bassgruppe, die geschmeidigen Tempoübergänge, hinreißend das abschließende Allegro assai. Wesentlichen Anteil daran hat die sensible und aufmerksame Führung durch den Konzertmeister Lorenzo Lucca.

Eine kurze Umbaupause, dann das kurz-und-bündige Duett mit Chor „Virgo Prudentissima“, eine „Lytanie“, bei der Gleißner ein Duett aus Mozart Idomeneo umgetextet hat. Nach diesem Sprung ins kalte Wasser haben sich Chor und Soli frei gesungen und sind bereit für das mit Spannung erwartete Requiem Gleißners, das mindestens 200 Jahre nicht erklungen ist. Einzigartig steht dessen tiefe Bläserbesetzung da: Vier Hörner und drei Posaunen (kein Holz) nebst Pauke und Streicher mit Dämpfer liefern gleich zu Beginn eine stockdüster-apokalyptische Atmosphäre.

Hoffnung auf Erlösung

Überraschend viele Partien sind jedoch von Dur-Tonarten geprägt, die Seufzer-Motive (wie im „Dies Irae“) strahlen dadurch eher Erlösungs-Zuversicht denn Angst vor dem Jüngsten Gericht aus, Gleißner vermittelt mehr eine von Hoffnung getragene Froh- denn eine einschüchternde „Droh-Botschaft“.

Karl Heinz Malzer und Michaela Treese haben die „Mixtura Cantorum“ und den Jugendchor des Fränkischen Sängerbunds bestens vorbereitet, diese meistern die Herausforderungen konzentriert; eine Aufstellung nebeneinander, nicht die Männerstimmen hintan – hätte diesen mehr Präsenz verliehen. Anders als Haydn oder Mozart erspart Gleißner dem Chor vertrackte polyphon-fugierte Passagen, Chor- und Solisten-Partien sind ineinander verwoben. Mit klar verständlicher, auch in der Höhe unangestrengter Stimme beeindruckt vor allem Bass Timm Wisura, raumfüllend tönen die Sopranistinnen Katrin Arnold und Jutta Hörl, letztere nicht ganz ohne Intonationstrübungen.

Zu Recht gibt es in der geradezu überfüllten Kirche anhaltende "Standing Ovations“: Malzer, Chöre, Solisten und die Hofer Symphoniker haben dem „Großen Franz“ Neustadts eine überaus würdige Ehrung erwiesen.

Von links: Jutta Hörl, Katrin Arnold, Karl Heinz Malzer. Hofer Symphoniker, Mixtura Cantorum und Jugendchor desFSB
Von links: Timm Wisura, Katrin Arnold, Karl Heinz Malzer. Hofer Symphoniker, Mixtura Cantorum und Jugendchor desFSB
Von links: Konzertmeister Lorenzo Lucca, Timm Wisura (ohne Instrument), Jutta Hörl, Katrin Arnold, Karl Heinz Malzer. Hofer Symphoniker, Mixtura Cantorum und Jugendchor desFSB
Ganz links Konzertmeister Lorenzo Lucca. Hinter dem Notenpult Timm Wisura, Jutta Hörl und Katrin Arnold, rechts daneben Karl Heinz Malzer und die Bassgruppe
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