Die Geschichte hinter dem Tattoo: Der Rabe hat keine Angst vorm Tod

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Ein Rabe, eine Taschenuhr und eine La Catrina: Annes Tattoos symbolisieren den Tod und stehen gleichzeitig für das Leben. Sie musste als Kind wiederbelebt werden

Der Rabe steht für den Tod. Es heißt aber auch, dass er keine Angst vor diesem hat.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

„Ich habe kein Problem mit dem Tod“, sagt Anne (Name geändert). Das spiegelt sich auf ihrem Körper wieder. Seitlich unterhalb der Rippen hat die 29-Jährige aus dem Landkreis Neustadt/WN einen schwarzen Raben tätowiert, auf ihrem Bein eine „La Catrina“, das Symbol zum Tag der Toten in Mexiko, dazwischen eine Taschenuhr. „Der Rabe symbolisiert den Tod“, sagt Anne. „Es heißt aber auch, dass er keine Angst vor ihm hat.“ Auch Anne war einen Moment tot – im Alter von sechs Jahren.

„Ich bin im Kindergarten im Bällebad ausgerutscht und mit dem Hals auf eine Kommode gefallen“, erinnert sie sich an den 11. Dezember 1996. Die damals Sechsjährige kommt ins Krankenhaus. Dort versetzen sie die Ärzte ins künstliche Koma, legen ihr einen Tubus zur Beatmung.

Ein paar Tage später wird ihr dieser entfernt. Kurz darauf bekommt sie keine Luft mehr. Die Ärzte müssen einen Luftröhrenschnitt machen. Um kurz nach 19.30 Uhr muss das Mädchen wiederbelebt werden. Das ist auch die Zeit, die die Taschenuhr auf ihren Oberschenken zeigt. Von der Zeit nach der Wiederbelebung weiß Anne nicht viel. Sie wird nach München in eine Kinderklinik gebracht, wo sie operiert wird. „Die Ärzte haben festgestellt, dass ich zwei Löcher in der Luftröhre habe.“ Bis zum 5. Januar muss Anne in München bleiben. Sie war fast vier Wochen im Krankenhaus.

Trotzdem hat sie nicht nur schlechte Erinnerungen an diese Zeit. „Meine Eltern mussten mir immer aus dem Räuber Hotzenplotz vorlesen“, blickt sie zurück. „Und eine Krankenschwester hat mit mir mit Wunderkerzen Silvester gefeiert.“

Eine lange Narbe am Hals erinnert Anne an ihren Unfall. Vor gut fünf Jahren hat sie dann beschlossen, sich Rabe, Taschenuhr und „La Catrina“ stechen zu lassen. Alles in schwarz gehalten. Nur den Raben zieren einzelne rose Kirschblüten. Diese sind in der japanischen Kultur ebenfalls ein Symbol für den Tod. Es war Annes erstes Tattoo. „Ich wollte immer eines, aber mir war klar, dass es eine Bedeutung für mich haben soll“, sagt sie. „Und das war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Dieser Tag ist für mich wie ein zweiter Geburtstag.“

Die Geschichte hinter Susannes Tattoo: Das Leben ist kurz

Amberg
Die Taschenuhr zeigt die Uhrzeit an, zur der Anne als Kind wiederbelebt wurde.
Aufruf:

Erzählen Sie uns Ihre Geschichte

Sie haben ein Tattoo, das eine besondere Bedeutung für Sie hat? Sie sind bereit, uns und unseren Lesern diese Geschichte - gerne anonym - zu erzählen? Schreiben Sie uns an redaktion[at]onetz[dot]de. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.