10.08.2020 - 11:25 Uhr
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Die Geschichte hinter dem Tattoo: Die kleinen Dinge genießen

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Susanne aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach musste erfahren, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Das Tattoo in ihrem Nacken erinnert sie immer wieder an eine schwere Krankheit.

"enjoy the litte things" ist auf Susannes Nacken tätowiert.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

"enjoy the little things" - "Genieße die kleinen Dinge", steht auf Susannes Nacken. Das "L" in "little" ist eine "Krebsschleife". Das Tattoo erinnert sie immer daran, wie schnell das Leben vorbei sein kann. "Am 21. Dezember 2017 bekam ich die Diagnose Leukämie. Ich hätte nur noch ein paar Stunden zu Leben gehabt", erzählt Susanne, die im Landkreis Amberg-Sulzbach lebt. Sie war damals 37 Jahre alt, ihr kleiner Sohn gerade einmal vier.

"Anfänglich hatte ich typische Grippe-Symptome wie Gliederschmerzen", blickt Susanne zurück. "Dann habe ich blaue Flecken entdeckt." Gegenüber ihrem Mann äußert sie die Vermutung, dass es Leukämie sein könnte. Sie geht zum Arzt. Der kann aber nichts Auffälliges feststellen. "Meine Blutwerte haben gepasst."

Mit dem Sanka in die Klinik

Im Dezember ging dann aber plötzlich alles ganz schnell. "Am 21. Dezember konnte ich nicht einmal mehr aufstehen. Meine Füße waren taub. Ich hab nur noch schwarz gesehen", erzählt Susanne. Im Amberger Klinikum bekommt sie die Diagnose. "Dort wurde mir gesagt: Sie haben Leukämie, wir können hier nichts mehr für Sie tun." Ein Rettungswagen brachte Susanne ins Uniklinikum Regensburg. "Ich wurde sechs Stunden durchgecheckt. Das Ergebnis: Leukämie, Blutvergiftung und ein Pilz auf der Leber." Susanne erfährt auch, dass sie an einer sehr seltenen Form von Leukämie erkrankt ist - der Promyelozytenleukämie. Diese entsteht, wenn zwei spezielle Gene aufeinander treffen, eines hat Susanne von ihrer Mutter bekommen, eines von ihrem Vater. "Die Krankheit hätte schon eher ausbrechen können - oder nie", fährt die Amberg-Sulzbacherin fort. Sie vermutet, dass der Tod ihres Vaters im Oktober 2017 ein Auslöser gewesen sein könnte.

Die Tage nach der Diagnose erlebt Susanne, die zu diesem Zeitpunkt 42 Grad Fieber hat, nur im Delirium. Sie muss sofort mit der Chemotherapie beginnen. "Diese Krankheit kann binnen Stunden zum Tod führen", weiß sie heute. Es geht alles gut. Am 25. Januar 2018, dem fünften Geburtstag ihres Sohnes, wird Susanne aus dem Krankenhaus entlassen.

Susanne gilt als geheilt

Gut acht Monate später hat sie ihre letzte Chemo-Sitzung und gilt - nach 105 Sitzungen - als geheilt. "Diese Art von Leukämie kann nicht zurückkommen", sagt Susanne. "Und sie ist nicht vererbbar." Für die Mutter ist das mit Blick auf ihren Sohn eine große Erleichterung.

2019 lässt sich Susanne schließlich "enjoy the little things" in den Nacken tätowieren. "Eigentlich wollte ich den Unterarm, aber das gefällt meinem Mann nicht", erzählt sie lachend. "Die Tätowiererin hat dann diese Stelle vorgeschlagen und das hat mir gefallen." Außerdem sei das eine Stelle, die sich gut verstecken lasse, wenn ihr das Tattoo doch nicht mehr gefallen sollte. Bisher hat Susanne ihre Entscheidung aber noch keinen Tag bereut. Und ganz nach dem Spruch genießt sie nun auch die kleinen Dinge im Leben. Susanne hat erfahren, wie schnell das Leben vorbei sein kann: "Man denkt immer, man bleibt von so etwas verschont. Aber in meinem Fall war das nicht so."

Michaelas Arm zeigt eine kaputte Uhr

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