Gläubige und Spaziergänger schauen immer wieder in der Bildkapelle am Schulhügel in Neustadt vorbei. So auch der Kulturreferent der Stadt, Max Peter. Über die Besitzverhältnisse des kleinen Kirchleins macht sich kaum einer Gedanken, obwohl die ganz kurios sind. Auf den Tisch kam die Frage auch auf ungewöhnlichem Weg:
Angeblich stehen in der Kapelle hin und wieder brennende Kerzen auf den Holzbänken. Das herunterlaufende Wachs verschmutze die Sitzgelegenheiten. Um dem nachzugehen, besucht Peter in den vergangenen Monaten häufiger als zuvor das kleine Gotteshaus. Er will sehen, ob dort alles in Ordnung ist. Dabei entdeckt er, an einigen Stellen abblätternden Putz, sagt das dem Bürgermeister, der gibt sein Okay: Kein großes Ding. Der Bauhof kümmerte sich um den Schaden.
Stadt als Besitzer
Die Mitarbeiter bemerkten, dass es damit nicht lange getan sein werde, sondern dass längerfristig größere Sanierungsarbeiten auf den Eigentümer zukommen. Doch wer ist das? Bürgermeister Sebastian Dippold: "Die bisher geltende Meinung war, dass sich die Bildkapelle im Eigentum der Stadt befindet." Doch dann kam die Frage auf, ob dem tatsächlich so ist. Unterlagen zunächst Fehlanzeige.
Wunsch aus dem Kloster
Auch Martin Staffe von der Kirchenverwaltung St. Georg recherchiert seit einiger Zeit zu den Besitzverhältnissen des Kirchleins, das offiziell den Namen Bildkapelle „Maria vom Troste“ trägt. Der Bau erfolgte auf Wunsch des Klosters St. Felix. Den Bauantrag für das Granitgebäude hatte die Kirchenverwaltung bei der Stadt gestellt, die genehmigt ihn. Nach Staffes Worten betreue das Kloster St. Felix die Kapelle, habe unter anderem eine neue Dachrinne anbringen lassen. Um das Auf- und Zusperren kümmert sich eine Familie in der Nachbarschaft.
Telefonate, die Staffe mit der Provinzleitung der Franziskanerminoriten in Würzburg führte, brachten ebenso kein Licht ins Dunkel der Besitzverhältnisse wie eine Suche im Grundbuch. Philipp Meister aus dem Team der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg habe ihm am Rande eines Vortrags berichtet, dass die Kapelle wohl der katholischen Kirchenstiftung gehöre.
Weg führt ins Archiv
Das bestätigt der aus Neustadt stammende Meister. In Unterlagen des Bistums aus dem Jahr 1997 werde für die Bildkapelle die Pfarrkirchenstiftung St. Georg als Eigentümer und Baulastträger genannt. „Allerdings gilt es zu Bedenken, dass diese Informationen vornehmlich auf Selbstauskünften basieren“, ergänzt er. Staffe plant als nächsten Schritt in den Tiefen des Pfarrarchivs nach Unterlagen zu forschen.
Ein wenig Licht ins Dunkel brachte der städtische Geschäftsführer Peter Forster. Er fand ein Protokoll der Stadtratssitzung am 29. September 1953. „Der katholischen Kirchenverwaltung Neustadt/WN wird zur Erbauung einer Kapelle an Stelle des jetzigen Bildstockes der benötigte Grund im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt. Der jährliche Erbpachtzins beträgt eine Mark“, zitierte Bürgermeister Dippold den Auszug in der Sitzung des Kulturausschusses. Die Stadt sieht das als Beleg, dass sie tatsächlich Grundeigentümer, aber nicht Besitzer der Kapelle sei.
Bildkapelle "Maria vom Troste"
- 1750: Marienbild des Neustädter Malers Mathias Götz am Weg zwischen Neustadt und Wilchenreuth an einem Baum
- 1830: Zwei Neustädter Schwestern hängen das Bild an einen Baum im Bereich der heutigen Bildkapelle
- Um 1845: Bildrestaurierung durch den Maler Christian Fauner
- 1875: Neues Bild mit Bildkasten und Überdachung. Das alte Bild nimmt der Schreiner Uebl mit nach Hause.
- 1878: Bau einer Holzkapelle
- 1895: Vergrößerung der Holzkapelle
- 1896: Pflanzung der Buchen, die noch heute im Bereich der Bildkapelle stehen
- 1912: Steinfundament unter der Kapelle
- 1921/22: Spendenfinanzierte Reparaturen
- 1930: Auftrag des Kloster St. Felix an Neustädter Malermeister Hans Pruischütz zur Restaurierung der Bildkapelle. Rückgabe des alten Marienbildes durch Josef Uebl
- 1954: Anregung eines Kapellneubaus durch Guardian P. Amandus Meise vom Kloster St. Felix; Architekt Hans Bauer, Baumeister Josef Weidner. Freiburger Kunstmaler Manfred Schmid übermalt altes Madonnenbild
- 1955: Deckengemälde von Manfred Schmid
- 1968: Kirchenpfleger Heinrich Ascherl: Manfred Schmid muss Übermalung entfernen, unter dem Werk von Götz findet sich noch älteres Bild. Auf Altar jetzt Kopie der Schmid-Madonna
- 1975: Kopie des Götzbildes durch den Neustädter Maler Hans Nachtmann im Granitmarterl neben der Bildkapelle

















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