Der Wald-Pauli - Streifzüge durch den nordbayerischen Wald

Es geht ihm um genaues Hinsehen, um die Natur und deren kleine Wunder. Der Wald-Pauli ist ein echtes Original. Er möchte seine Liebe zur Natur anderen Menschen näherbringen - mit Fotografien und Führungen.

von PMLProfil

Wenn man dem Wald-Pauli begegnen möchte, hat man zwei Chancen: Man trifft ihn zufällig bei einem seiner Streifzüge durch die Wälder oder man vereinbart eine Führung mit ihm. Denn eines macht er am liebsten: draußen in der Natur sein.

Der Wald-Pauli, der mit bürgerlichem Namen Gottlieb Häckel heißt, ist ein richtiges Original. Er hat neben unheimlich viel Fachwissen auch etliche Geschichten im Kopf, ein verschmitztes Lächeln und leuchtende Augen. Besonders, wenn er erzählt: von der Natur, den Pflanzen, den Tieren, von den Sternen und Sternbildern und allem, was man so in den Wäldern und auf den Wiesen der Oberpfalz und drumherum finden kann. Denn dort ist sein eigentliches Zuhause. "Ich bin als Kind schon aus dem Kindergarten ausgerissen. Bin erst nachts wieder nach Hause gekommen." Der gelernte Förster hat die meiste Zeit seines Lebens genutzt, um die Natur zu erkunden. "Mit Ausnahme der Zeit, in der ich öfter mal zum Tanzen gegangen bin - wegen den Mädchen. Aber sonst. Und das wird so bleiben, solange ich laufen kann."

Unterwegs auf 1000 Wegen

Wenn er zu lange nicht in die Natur kann, wird er unleidlich. Also muss er raus. Zusammen mit seiner Barbara und seinen Hunden. Und mit jedem, der mit ihm eine Naturführung machen möchte. "Das Beste ist noch immer gewesen, du machst so was mit Kindern und Jugendlichen, wenn die Eltern dabei sind." Besonders mag er es, Wanderungen zum Thema "Stille Wunder auf 1000 Wegen" zu unternehmen. Dabei zeigt er den Teilnehmern die großen und kleinen Besonderheiten, die man auf dem Weg finden kann, wenn man einfach genau genug hinschaut. Aber auch Themenwanderungen kann man mit ihm unternehmen, etwa Kräuter- oder Pilzwanderungen.

Ums "genaue Hinschauen" geht es ihm auch bei dem Hobby, das der Wald-Pauli mit seiner großen Leidenschaft für die Natur verbunden hat: der Fotografie. Besonders die Makrofotografie hat es ihm angetan. Er taucht dabei ein in die Welt der kleinsten Lebewesen, die Welt "von Motiven, die man normal nicht sieht." Dazu gehören sowohl kleinste Spinnen, wie der Spinnenfresser, "der ist vielleicht vier Millimeter groß", aber auch Schleimpilze, die Mycetozoa. "Das ist eine Mischung aus Tier und Pilz. Das ist nur eine Zelle, aber eine Multifunktionszelle. Was man von ihr sieht, sind die Fruchtkörper, die toll auf Fotos aussehen." Gewaltige drei Millimeter seien diese hoch. "Das Köpfchen dann einen halben Millimeter."

Bei der Tierfotografie ist ihm wichtig, dass seine Bilder ungestellt sind. Er lockt keine Tiere an, sondern wartet geduldig auf das, was die Natur ihm zeigt. Bei seinen geführten Fototouren lässt er seine eigene Kamera aber zu Hause. "Wenn ich anfang' zu fotografieren, dann kann ich mich nimmer auf die Leute konzentrieren." Denn die Teilnehmer stünden bei den Naturführungen im Mittelpunkt und nicht seine eigenen Bilder. Dabei sei ihm wichtig, ihnen den Wald näher zu bringen und, dass er den Teilnehmern etwas zeigt, das sie nie mehr vergessen.

Doch diese Führungen sollen keine Lehrveranstaltungen sein. "Ich will mich mit den Leuten da draußen unterhalten." Wenn er erzählt, dann sind die Fakten immer in Geschichten verpackt. "Es gibt zu vielen Felsen und Pflanzen Geschichten." Zwischendurch macht er dann auch Scherze oder erzählt ein kleines Märchen. Und wenn ihm mal keines einfällt, dann erfindet er ein neues. "Das hat schon Ovid gemacht, dann darf ich das auch."

Richtige Zeit, richtiger Ort

Besonders liegt ihm dabei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am Herzen sowie die Beschäftigung mit lernbehinderten Menschen. Veranstaltet hat er deshalb zum Beispiel schon einmal ein Überlebenstraining für Kindergartenkinder, bei dem die Buben und Mädchen giftige Pflanzen kennengelernt und erfahren haben, wo und wie sie Wasser finden. Auch hat er mit Kindern und ihren Eltern bei einem Ferienprogramm Hütten gebaut. Irgendwann hätten die Eltern plötzlich auch mitgespielt. "Dann, glaube ich, hat es seinen Sinn schon erfüllt."

Für die Zukunft sind noch mehr "Fotowalks" geplant - zusammen die Natur erkunden und dabei gezielt fotografieren. Und am liebsten möchte er noch viele Touren machen bei denen es einfach um die oben schon erwähnten stillen Wunder geht. "Ich hab' mir auch mal überlegt, ob man das so richtig professionell aufzieht, aber ich mag es lieber, wenn das spontan ist." Und die Natur sei schließlich "nicht so planbar." Die Pflanzen wachsen und blühen eben doch, wie es das Wetter zulässt - und nicht, wie es der Kalender vorgibt. Wer aber mit dem Wald-Pauli unterwegs ist, kann sich sicher sein, dass er etwas Besonderes erlebt und erfährt - und dabei zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Naturexkursion:

- Exkursion mit Gottlieb Häckel („Wald-Pauli“) und Wilfried Kamm, Schwerpunkt: Natur- und Makrofotografie

- Termin: Sonntag, 30. Juni (7.30 bis 14 Uhr)

- Ort: Großraum Weiden, genaue Adresse kurz vor dem Kurs

- Kosten: Abonnenten: 89 Euro; Nichtabonnenten: 99 Euro

- Anmeldung: Bis 22. Juni unter Telefon 0961/85-501

- Mitzubringen: Systemkamera, Objektive, Stativ, wetterfeste Kleidung/Schuhe, Verpflegung

Info:

Wie erreicht man den Wald-Pauli?

Am einfachsten findet man den Wald-Pauli über das Internet. Und dort am besten über seine Facebook-Seite - einfach nach "Wald-Pauli" suchen. Dort findet man auch seine Telefonnummer (01578 5760341) oder kann ihn direkt kontaktieren.

Zur Person:

Geboren wurde der Wald-Pauli 1948 in Teublitz, wo er auch die Volks- und Mittelschule besucht. Ab 1964 absolviert er eine Ausbildung zum Förster und arbeitet anschließend im bayerischen Forstdienst. Hauptsächlich war er hierbei im Bereich des Forstamts Sulzbach-Rosenberg tätig. Ab 1978 arbeitet er von Lauf aus im Garten- und Landschaftsbau. Dabei plante und gestaltete Gärten in ganz Deutschland und auch in den USA.

Seit 2001 bietet er Naturführungen an. Zuerst im Gebiet um die Gemeinde Birgland und inzwischen in ganz Nordostbayern und darüber hinaus. Seit er sich 2003 aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet hat, findet man ihn so oft es geht in den Wäldern der mittleren Oberpfalz und im Oberpfälzer Wald. Aber auch in der Fränkischen Schweiz, dem Veldensteiner Forst, dem Fichtelgebirge und auf der Frankenalb. Wenn er nicht durch die Wälder streift, kümmert er sich um seinen Bauerngarten, den er bei seinem alten Bauernhof in Hormersdorf nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet.

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