17.05.2021 - 18:35 Uhr
NeutraublingDeutschland & Welt

Krones vorsichtig optimistisch

Der Verkauf abgepackter Getränke ist in der Pandemie weltweit zurückgegangen. Das hat die Krones AG in Neutraubling (Kreis Regensburg), die Abfüllanlagen herstellt, gebeutelt. Bei der Hauptversammlung am Montag gab es aber positive Signale.

Die Neutraublinger Krones AG stellt Abfüllanlagen her.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Zum zweiten Mal fand die Hauptversammlung wegen der Corona-Pandemie virtuell statt. Aufsichtsratsvorsitzender Volker Kronseder blickte auf ein Jahr zurück, das die Krones AG vor „außergewöhnliche Herausforderungen“ gestellt habe. Umsatz und Ergebnis seien stark zurückgegangen. Die damit einhergehende Entscheidung, Personal abzubauen, sei der Konzernleitung sehr schwergefallen. Aus dem Aufsichtsrat verabschiedete sich das langjährige Mitglied Norman Kronseder. Für ihn wurde dessen Tochter Nora Diepold in das Gremium gewählt.

Die Einbrüche im vergangenen Geschäftsjahr waren massiv. Der Auftragseingang verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent. Der Umsatz ging um 16 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zurück. Beim Konzernergebnis musste Krones erstmals seit der Finanzkrise 2008/09 einen Verlust ausweisen, in Höhe von knapp 80 Millionen Euro. Als Hauptgrund führt Krones an, dass das unsichere gesamtwirtschaftliche Umfeld in der Pandemie die Investitionsbereitschaft der Kunden gebremst habe, so dass weniger Anlagen verkauft wurden.

Starke Auswirkungen auf Getränkekonsum

Der globale Verbrauch abgepackter Getränke sei 2020 um 5,4 Prozent zurückgegangen, sagte Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk. Das habe es so noch nie gegeben. Die Lockdowns und Einschränkungen hätten starke Auswirkungen auf den Getränkekonsum im Gastronomiebereich gehabt. Klenk geht aber davon aus, dass es sich „nur um eine Corona-Delle“ handelt. Mittelfristig blickte er optimistisch in die Zukunft. Krones werde weiterhin von Megatrends wie der steigenden Weltbevölkerung, der wachsenden Mittelschicht und der Urbanisierung profitieren. „Sie werden dazu führen, dass die Nachfrage nach Verpackungsmaschinen für Getränke und Nahrungsmittel mittel- und langfristig steigt.“

Dennoch sei der 2019 eingeleitete Kosteneinsparprozess nötig, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. 2020 habe Krones 600 Stellen von Zeitarbeitern abgebaut. Rund 400 eigene Beschäftigte hätten freiwillige Angebote zur Beendigung der Arbeitsverhältnisse genutzt. Im Dezember sei ein weiterer Abbau von 350 inländischen Stellen beschlossen worden, der „so sozialverträglich wie möglich“ ablaufen soll. Mittlerweile gehe man davon aus, diese Größenordnung nicht vollständig auszuschöpfen, sagte Klenk. Derzeit beschäftigt Krones 16 700 Mitarbeiter weltweit.

Spärliche Dividende

Spärlich fällt in diesem Jahr die Ausschüttung für die Aktionäre aus: Sie erhalten eine Dividende von sechs Cent je Aktie. Im vergangenen Jahr waren es 75 Cent je Aktie. Klenk kündigte aber wieder bessere Zeiten an. Im laufenden Jahr werde – Stand jetzt – die Grundlage geschaffen, um 2022 wieder eine „angemessene“ Dividende zu zahlen, sagte er.

Das erste Quartal 2021 verlief erfolgsversprechend. Der Auftragseingang erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf ein Volumen von rund einer Milliarde Euro. „Damit lag der Wert der Bestellungen in etwa wieder auf Vorkrisen-Niveau“, sagte Finanzvorstand Norbert Broger. Es sei allerdings schwer zu sagen, ob dieser enorme Anstieg ein einmaliger Nachholeffekt oder nachhaltig ist.

Mit Blick auf die Klima- und Nachhaltigkeitsdebatte spüre Krones einen größeren Druck, Lösungen für umweltfreundliche Verpackungen anzubieten, sagte Vorstandschef Klenk. Kernbestandteil sei hier das Wiederverwerten von Kunststoffen bei PET-Flaschen. Bis 2025 müsse in der EU der Anteil von recyceltem PET bei mindestens 25 Prozent liegen, viele große Krones-Kunden hätten sich noch ambitioniertere Ziele gesetzt. Hier liege für Krones eine große Chance, betonte Klenk. Man verfüge über umfassendes Know-how über Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse von Behältern aus recycelten Kunststoffen und werde seine Kunden dabei unterstützen, die Produktionslinien für die notwendige Kreislaufwirtschaft umzurüsten.

Indirekt von Chipkrise betroffen

Indirekt betroffen sei Krones von der aktuellen Chipkrise, antwortete Klenk auf die Frage eines Aktionärs. Krones selbst kaufe keine Halbleiter ein, doch die Produktionsprozesse von Zulieferern seien teils gestört. Ein anderer Aktionär wollte wissen, in welcher Höhe in der Pandemie Reisekosten eingespart werden konnten. Die Reisekosten von Mitarbeitern seien um 40 Prozent auf 44 Millionen Euro zurückgegangen, hieß es von Krones. Man rechne nicht damit, dass die Reisetätigkeit nach der Pandemie wieder auf das Niveau zuvor ansteigen werde, da verstärkt digitale Mittel eingesetzt würden.

Eine – vergleichsweise kleine – Einsparung ergab sich durch die virtuelle Abhaltung der Hauptversammlung, erklärte Klenk auf Nachfrage. Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro seien weggefallen. Dennoch hoffe man, dass sich die Aktionäre 2022 wieder in der Realität versammeln können.

"Aufwärtstrend" bei Krones

Neutraubling
Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk.
Finanzvorstand Norbert Broger.
HINTERGRUND:
  • Die Krones AG verbuchte 2020 - auch wegen Sonderbelastungen - einen Verlust von knapp 80 Millionen Euro.
  • Der Konzern baut Personal ab. 400 Mitarbeiter nahmen im vergangenen Jahr freiwillige Angebote zur Beendigung der Arbeitsverhältnisse an. Bis zu 350 Beschäftigte sollen in diesem Jahr gehen.
  • Das erste Quartal 2021 verlief vielversprechend: Der Auftragseingang erhöhte sich um 27 Prozent.
  • Krones geht mittelfristig von einem Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent pro Jahr aus.
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