Nürnberg
31.01.2019 - 16:52 Uhr

Antworten auf große Sinnfragen

Wie lebe ich achtsam im Augenblick? Kann Beten heilen? Zu diesen und anderen Fragen bietet Volker Zuber, Pfarrer im Ruhestand aus Fürth, tiefgehende Denkanstöße. Die Kulturredaktion sprach mit ihm über sein neues Buch "Was uns bewegt".

Pfarrer Volker Zuber aus Fürth schlägt mit seinem Buch "Was uns bewegt" Brücken zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlicher Glaubensüberzeugung. Bild: privat
Pfarrer Volker Zuber aus Fürth schlägt mit seinem Buch "Was uns bewegt" Brücken zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlicher Glaubensüberzeugung.

„Volker Zuber nimmt die Leser auf eine persönliche Glaubensreise mit, um Antworten auf die großen Sinnfragen zu suchen. Dabei tun sich oft überraschende Deutungen auf – bisweilen eigenwillig, immer sensibel und stets bereit und fähig, vielfache Traditionen mit Gegenwartsfragen zu verbinden“, so bringt es Professor Peter Dabrock auf den Punkt. Für das neue Buch "Was uns bewegt" des ehemaligen Pfarrers in Fürth hat der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates eigens ein Nachwort verfasst.

Und es stimmt, was Dabrock über den langjährigen Weltanschauungsbeauftragten der Evangelischen Landeskirche in Bayern schreibt: In den 15 Kapiteln, die einst als Vorträge zu hören waren, schlägt Zuber eine leicht begehbare Brücke zwischen Wissenschaft und persönlichen Glauben. Wie kann ich achtsam im Augenblick leben? Kann Beten heilen? Zu diesen und anderen Fragen gibt es tiefgehende Denkanstöße. Die Kulturredaktion sprach mit dem theologischen Sinnsucher.

ONETZ: Ein Buch über die großen Fragen der Menschen – wie kamen Sie zu den Themen der Kapitel: Kann Beten heilen? Oder was wissen wir über Himmel, Hölle und Tod?

Volker Zuber: Die Gedanken zum Buch sind mir im Alltag und in der Begegnung mit anderen Menschen gekommen, aber auch während meiner Tatigkeit als Weltanschauungsbeauftragter. Besonders wichtig war mir der Kontakt mit eher Kirchendistanzierten. Außerdem handelt es sich ja auch um meine persönlichen Fragen. Die Themen, zum Beispiel "Neid", "Glück" oder "Gelassenheit in unserer äußerst dynamischen Gegenwart" sind zudem höchst aktuell.
Ich versuche, mich mit dem heutigen Wissensstand den Antworten zu nähern. Zum Beispiel der offenen naturwissenschaftlichen Frage, was Zeit überhaupt ist. Zum anderen habe ich – nicht selten bei Notfallseelsorgeeinsätzen – erlebt, dass Menschen beten, die sonst im Alltag einen kaum spürbaren Glauben in sich tragen. Schließlich sei noch gesagt, dass wir über Himmel und Hölle gar nichts wissen. Aber jeder vermutet etwas, ablehnend oder zustimmend, worum es da gehen könnte. Das ist sehr spannend.

ONETZ: Eines Ihrer Ziele lautet, die Leser auf eine Glaubensreise mitzunehmen. Wollen Sie mit Ihrem Buch missionieren? Wo soll die Reise hinführen?

Es liegt mir fern zu missionieren – zumindest im konservativen Sinn des Wortes. Viele Menschen sind heute konfessionslos glücklich, aber genauso viele Menschen suchen nach Antworten. Denn die Grundfragen unserer Existenz bleiben die gleichen. Warum ist überhaupt etwas und steckt ein tieferer Sinn dahinter? Und selbst wenn ich an nichts glaube, kann ich dieses Nichts auch nur glauben. Ich möchte Impulse zum Nach-Denken geben. Natürlich verstecke ich dabei auch meine persönliche Überzeugung nicht.

ONETZ: Wieso ist Ihnen bei den persönlichen Antworten, die sie geben, die Verbindung von Wissenschaft und Glauben so wichtig?

Als Menschen leben wir täglich in einer Wirklichkeit und nicht mal in einer religiösen, dann in einer naturwissenschaftlichen, psychologischen oder philosophischen Welt. Ich breche die Grenzen überholter Schubfächer auf und versuche alles ehrlich und vernünftig miteinander zu verbinden und jedem Bereich seinen eigenen Wert zu geben. Wenn ich jemanden liebe, hat das natürlich etwas mit Hormonen zu tun. Aber das ist eben nicht alles. Auch ein Musikstück, das meine Seele berührt, ist mehr als ein digitales System auf einem Tonträger. Gefühle kann man als solche nicht beweisen und trotzdem gibt es sie.

ONETZ: Eines Ihrer Themenschwerpunkte ist die Nahtoderfahrung. Haben Sie da eigene Erfahrungen gemacht?

Schon als Kind (meine Eltern waren Ärzte) bin ich mit solchen Erfahrungen konfrontiert worden. Später im Studium stieß ich dann auf seriöse Literatur darüber und habe schließlich selber mit weit über hundert Betroffenen teilweise ausführliche Gespräche geführt. Das hat auch etwas mit mir gemacht: An keinem anderen Ort sind mir so tiefe, lebensverändernde Erfahrungen begegnet, wie an diesem. Ich glaube, nirgendwo kann man einer möglichen Transzendenz direkter gegenüberstehen als bei einem solchen Erlebnis. Auch Experten, mit denen ich Kontakt habe, (beispielsweise naturwissenschaftlich: Pim van Lommel oder theologisch: Enno Pokes) vertreten diese Meinung.

ONETZ: Welches der 15 Kapitel ist für Sie das spannendste?

Das ist schwer zu sagen. Das Kapitel über die „Erfindung der Wirklichkeit“ regt sehr zu kritischem Denken an, weil es uns deutlich macht, wie sehr sich unsere Weltwahrnehmung immer wieder verändert, wir dabei aber oft glauben, eine endgültige Wahrheit endlich gefunden zu haben. Andererseits schenken die Gedanken über die Spiritualität oder auch die Seele Hoffnung und Gelassenheit. Das kann Mut machen. Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, bescheinigt dem Buch auch, dass es Mut macht – und mehr könnte man einem Buch gar nicht wünschen.

Buchhinweis: Volker Zuber, Was uns bewegt. Antworten auf die großen Fragen des Lebens, mit einem Geleitwort von Peter Dabrock, Verlag Butzon & Bercker, 248 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-7666-2548-9.

 
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