24.01.2019 - 16:07 Uhr
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Berühmter Unbekannter

Kevin Coyne war ein unangepasster Zeitgenosse, ein eigenwilliger Eigenbrötler, der ein großes musikalisches und zeichnerisches Werk hinterlassen hat. Das gilt es zu seinem 75. Geburtstag wiederzuentdecken.

Kevin Coyne zählt zu den künstlerischen Ausnahmetalenten. Er komponierte, malte, zeichnete, schrieb Bücher und Theaterstücke. 2019 wäre er 75 Jahre alt geworden. Zum „Jubiläumsjahr“ gibt es mehrere Ausstellungen und der legendäre Rockpalast-Auftritt aus dem Jahr 1979 wird erstmals veröffentlicht.
von Autor MFGProfil

Dem Mann aus dem englischen Derby, der am Sonntag seinen 75. Geburtstag feiern würde, dürfte die Einschätzung seiner Person vermutlich egal sein. Schließlich hat er sich am 2. Dezember 2004 von diesem Planeten verabschiedet. Der Brite hatte Zeit seines Lebens eine recht präzise Einschätzung von seinem Kreativ-Charakter: "Was ich mache, gefällt bestimmt nicht jedem. Man kann als Künstler auch eine Menge Ärger bekommen - viele reagieren aggressiv auf mein Songtexte oder Bilder. Wenn ich Liebe suchte, wäre ich vielleicht Priester oder Guru geworden. Das Künstlersein ist etwas anderes. Ich würde auch singen und malen, wenn mir niemand mehr zuhört. Ein Künstler kann nicht anders. Er muss tun, was er tut."

Ewiger Underdog

Aufschlussreiche Worte von Kevin Coyne, die er in seinem letzten Interview wenige Tage vor seinem Tod den "Nürnberger Nachrichten" anvertraute. Es sind die Worte des ewigen Underdogs, der sich durch nichts und niemanden von seinen Überzeugungen abbringen ließ. Und vielleicht deshalb nie den durchschlagenden kommerziellen Erfolg hatte. Den er nie haben wollte. Und der vielleicht deshalb bis heute weltweit bei Rock-Fans (zumindest nicht wenigen von ihnen) unvergessen ist.

2019 ist das Jahr dieses "Untergrund-Heroen": 75. Geburtstag einerseits, 15. Todestag auf der anderen Seite. Und damit dieser unvergleichliche Held nicht in Vergessenheit gerät, haben sich seine Verehrer einiges einfallen lassen. Zum Beispiel wird auf CD/DVD der legendäre "Rockpalast"-Liveauftritt aus dem Jahr 1979 veröffentlicht - ein Meilenstein erdigen Bluesrocks, der Coyne schon damals zur Ikone machte. Zwei Ausstellungen mit Bildern des passionierten Malers sind geplant.

Zweite Heimat Nürnberg

Dass Coyne unvergessen ist, merkt man bereits am Umstand, dass der Außenseiter - im positiven Sinne des Wortes - in seiner Heimatstadt Derby 2017 mit einer Erinnerungstafel geehrt wurde. Dabei hatte er jener Stadt längst den Rücken gekehrt. Denn Coyne entwickelte sich in den 1980ern zum Vagabunden: Er war einerseits verheiratet und hatte zwei Söhne, nahm regelmäßig Alben auf und war "on the road". Gleichzeitig konsumierte er Alkohol in immer raueren Mengen. Was 1981 zu einem Nervenzusammenbruch führte.

Im Verlauf seiner Rehabilitation stellte er den ureigenen Lebensentwurf infrage. Auf seiner Reise zu sich Selbst verschlug es den Rastlosen nach Nürnberg. Dort lernte er seine zweite Ehefrau Helmi kennen und lieben. Ab 1985 bezog er sein Domizil in Franken, wo er am 2. Dezember in den Armen seiner Gattin friedlich entschlafen sollte. Nürnberg tat Coyne gut, die Stadt nahm den Briten wie einen verlorenen Sohn mit offenen Armen auf. 1992 erhielt er gar den renommierten "Preis der Stadt Nürnberg für Kunst und Wissenschaft". Coyne selbst malte und musizierte unentwegt. Die Anhängerschaft wuchs langsam, aber stetig. Selbst als er Ende der 1990er die lebensbedrohliche Krankheit Lungenfibrose attestiert bekam, ließ er sich in seinen Aktivitäten nicht bremsen.

"Das größte Problem ist die Luft", meinte er zu den "Nürnberger Nachrichten" im ultimativen Gespräch. "Ich muss ständig große Sauerstoffflaschen dabei haben, was speziell auf Tournee äußerst lästig ist." Es bleibe ihm nichts anderes übrig, als die Krankheit zu akzeptieren fügte er hinzu. "Sonst ist man ständig depressiv oder schlecht gelaunt, das will ich nicht sein", bekräftigte er. Wenige Tage nach diesen Sätzen war Kevin Coyne tot. Und ist zur Legende geworden. Ein Status, der diesem so Anderen, herrlich Andersartigen, unbedingt gefallen hätte. www.kevincoyne.de

Info:

Ausstellungen

Kunstverein Hof: Kevin Coyne „Unterwegs / On The Road“, Vernissage Mittwoch, 10. April (19.30 Uhr). Bis 19. Mai.

Kunstvilla Nürnberg: Ausstellung Kevin Coyne, Vernissage Mittwoch, 23. Oktober (19 Uhr). Bis Ende Febrrar. Dazwischen gibt es Konzerte, Lesungen, Filmabende.

Zu den Ausstellungen ist ein Katalog erschienen. Zu beziehen über kevin.coyne[at]t-online[dot]de

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