19.03.2020 - 15:45 Uhr
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Claus und Cosima im Wunderland

"Thing 1" und "Thing 2" heißt die farbenfrohe Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg. Claus Richter und Cosima von Bonin lassen dabei ihrer Phantasie freien Lauf.

Raketen gehören zu den wiederkehrenden Motiven im Werk von Cosima von Bonin. Anspielungsreich ist die Darstellung des überdimensionierten Kükens auf dem Sprengkörper, die jene Filmszene aus Stanley Kubricks "Dr. Strangelove" zitiert.
von Günter KuschProfil

Eigentlich stammen die Zwei aus dem Kinderbuch "Der Kater mit dem Hut" von Dr. Seuss. Unter der Regie von Bo Welch kam es 2003 als Abenteuerkomödie "The Cat in the Hat" heraus. Zwei Kinder sitzen allein in ihrem Haus und langweilen sich. Gemeinsam mit dem Kater und seinen Helfern "Ding 1" und "Ding 2" erleben sie dann in einer farbenfrohen Fantasiewelt zahlreiche Abenteuer. Unter dem Titel "Thing 1 + Thing 2" haben nun die beiden Künstler Claus Richter und Cosima von Bonin ihr ganz spezielles "Kinderzimmer" in der Kunsthalle Nürnberg eingerichtet.

Zwei erwachsene Kinder, eine nie versiegende Quelle der Inspiration, etwas Verrücktheit und Lust auf Experimente, so könnte man das Konzept der beiden bildenden Künstler zusammenfassen. Wobei der Zugang in ihr Reich der Ideenwelten etwas düster daher kommt. Mit seiner begehbaren "Rattenstraße" erweckt Richter Erinnerungen an ein England zu Beginn der Industrialisierung. Armut als Zumutung, eine Vorahnung an die Folgen des Brexit? Alle fünf Minuten erklingt der Song "Put on a Happy Face" wie ein modernes Motivations-Mantra durch die elende Gasse.

Seine Begeisterung für Roboter und Animatronics zeigt sich bei seiner singenden Orchidee "Omi Ursula", einem schlaflosen Wesen, das stets auf den Laptop starrt und dem Roboter "Entertainer" (2015). Verzweifelt bewegt das mechanische Wesen den Kopf hin und her und fragt, ob ihm jemand helfen kann. Alle diese Werke sind Sinnbilder der Überforderung und stehen für "fabrizierte Zeitgenossen", die sich - ohne Empathie - in nichts von Androiden unterscheiden.

Auch Cosima von Bonins Arbeitsweise ist gattungsübergreifend. In ihren Exponaten finden sich viele Verweise auf die jüngere Kunstgeschichte, Populärkultur, Mode, Musik und handwerkliche Tradition. Für ihre als "Lappen" bezeichneten Stoffbilder, ihre Pilze und Tiere beschäftigt sie professionelle Näherinnen. Wobei gerade die überdimensionierten Pilze zu ihrem Arbeitsprinzip passen. In der Natur handelt es sich um Organismen, von denen nur ein sehr kleiner Teil über der Erde sichtbar ist. Unterirdisch herrscht Vernetzung und Kommunikation. "Ich bin viele" lautet das Motto der Künstlerin.

Bis 17. Mai kann man in diese Welt der Phantasie eintauchen - und es lohnt sich, Zeit mitzubringen. Denn sonst entgehen einem die vielen Querverweise, ironischen Andeutungen und detailverliebten Momentaufnahmen, die den Alltag zur Groteske machen. Als Beispiel soll Richters Raumarbeit "Haltestelle" dienen: Digitalanzeigen kündigen den nächsten Zug in 15 Minuten an. Wer auf die Ankunft wartet oder darauf, dass eine "14" oder "13" erscheint , wartet vergeblich - wahrscheinlich ein Leben lang.

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