07.02.2019 - 13:19 Uhr
NürnbergDeutschland & Welt

Liebe braucht nur wenige Worte

Die Uraufführung von „Rusalka, Meerjungfrau“ am Staatstheater Nürnberg setzt ein Zeichen für spartenübergreifende Zusammenarbeit. Sänger, Tänzer, Schauspieler und Mitglieder der Staatsphilharmonie erzählen die Geschichte gemeinsam.

Zum Glück gibt es den Kraken Chobot, der Rusalka mit seiner guten Laune und seinen zahlreichen Armen tatkräftig dabei unterstützt, ihren Traum vom Liebesglück zu verwirklichen. Im Bild: Aoi Nishikawa (Rusalka) Ingo Schweiger (Chobot). Foto: Pedro Malinowski
von Günter KuschProfil

Philipp ist sicher: "Das ist nur eine Puppe". Aufgeregt zeigt der Elfjährige zur Meerjungfrau, die bewegungslos auf einem Felsen-Sessel ruht. Seine Schwester Salina widerspricht vehement: "Mach die Augen auf, dann siehst Du, dass sie atmet." Fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung ist das für die Achtjährige und ihren Bruder das wichtigste Thema. Als sich Rusalka, die Meerjungfrau, dann tatsächlich erhebt und galant über die Bühne in den Kammerspielen tänzelt, wird der kleine Streit zur größten Nebensache der Welt. Mit großen Augen verfolgen Klein und Groß das spannende Abenteuer, das in Nürnberg uraufgeführt wird und eine Menge Applaus erhält.

Liebe braucht nicht viele Worte. Rusalka, die hübsche Meerjungfrau, verzaubert ihren Märchenprinzen mit Körpersprache. Und Tänzerin Aoi Nishikawa ist da überaus "sprachgewandt". Geschmeidig und beschwingt huscht sie übers Parkett, so dass der auserwählte Prinz rasch auf sie aufmerksam wird. Bariton Michael Fischer bringt seine Zuneigung dann mit einfühlsamem Gesang zum Ausdruck. Doch zuerst einmal muss Hexe Jezebaba (wunderbar wütend und selbstverliebt: Mezzosopranistin Katrin Heles) ihre Zauberkräfte einsetzen. Mit Blitz und Donner verwandelt sie das Schuppenwesen in eine Frau. Wunderbar, wie Nishikawa ihre ersten unsicheren Schritte auf "eigenen Füßen" tänzerisch umsetzt.

Lehrreiches in Sachen Etikette

Witzig ist das aufwändige Krakenkostüm, mit dem Choreograph Ingo Schweiger bei der einstündigen Kinderoper für leuchtende Augen sorgt. Es ist gar nicht so leicht, so viele Hände in den Griff zu bekommen! Auch Schauspieler Thomas Nunner in der Rolle des hilfreichen Wassermanns weiß, wie man Theaternachwuchs begeistert. Er zeigt nicht nur Rosalka, wie man bei Hof korrekt auftritt, sondern "unterrichtet" sogar das Publikum in Sachen "Etikette". Musikalisch begleitet wird das Ganze von einem fünfköpfigen Kammerensemble, das beim detailreichen "Dvorak-Melodien"-Spiel auf der Bühne beobachtet werden kann.

Ein großes Lob also für Dramaturgin Wiebke Hetmanek, die diese Kinderoper kindgerecht und mit viel Humor in Szene gesetzt hat. Ein aktuelles Thema gibt es auch: Als Rusalka ihren Wunsch äußert, ihr gewohntes "(Fahr)Wasser" zu verlassen, erhält sie die Warnung: "Das ist nicht so einfach. Du bist anders. Da haben die Menschen an Land Angst, dass Du ihnen etwas wegnimmst." Auch hier ist die Liebe das einzige Mittel, um Fremdenangst zu überwinden, aufeinander zuzugehen und bestehende Verhältnisse zu verändern. Ein klasse Kinderstück mit Tiefgang, im wahrsten Sinne des Wortes.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.