03.06.2018 - 22:05 Uhr
NürnbergDeutschland & Welt

Mega-Show der echten Typen

Dave Grohl, Jared Leto, Casper und Marilyn Manson - allein die charismatischen Frontmänner lösen bei "Rock im Park" schon Begeisterungsstürme bei ihren Fans aus. Nur der Sänger einer Band wäre lieber anonym geblieben.

Schauspieler/Sänger Jared Leto gibt sich publikumsnah.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Kreischende Mädchen sind nicht unbedingt das erste, was mit hartem Rock in Verbindung gebracht wird. Das Kultfestival "Rock im Park" gab am Wochenende den weiblichen Fans aber viel Gelegenheit dazu. "Thirty Seconds to Mars" etwa macht ihrem Bandnamen alle Ehre und katapultiert die Fans in Rekordzeit in Hochstimmung. Jared Leto inszeniert sich mit gehörigem Pathos und verliert sich mit den Fans im frischen Prog-Rock-Metal-Sound und etlichen Effekten wie Riesen-Luftballons und Mitsingspielchen. Zuvor heizt mit Rap-Rocker Casper ein weiterer Publikumsliebling den Zehntausenden Fans richtig ein.

Als einer der zahlreichen Vertreter des Genres in diesem Jahr befeuert er auch die Debatte über die stilistische Ausrichtung des Events. Doch die Mischung der rund 90 Bands des Kultfestivals stimmt, die Stimmung ist prächtig. Auch weil im Gegensatz zu Wetterkapriolen beim Parallelfestival "Rock am Ring" in der Eifel die Parkrocker von Gewittern verschont bleiben. Drei Tage Traumwetter.

Energiegeladen: Dave Grohl.

Abräumer des Wochenendes ist trotz aller Referenzen an die Popkultur jedoch eine klassische Rockband weit weg von Poster-Idolen. Wieder einmal nicht weniger als schlicht legendär geben die "Foo Fighters" Vollgas. Fast drei Stunden zeigen die US-Rocker um Dave Grohl mit starkem Sound, warum sie als eine der besten Live-Bands gelten. Mit Publikumsfavoriten wie "Everlong", "The Pretender" oder "My Hero" bringen sie den Dutzendteich zum Beben.

Provokante Kunstfigur

In Spiellaune präsentiert sich auch Marilyn Manson als Dauer-Publikumsmagnet und "Rausschmeißer" in der Nacht zum Sonntag. Konzerte des extrovertierten Schockrockers sind bekanntlich immer von seinem Tagesgemüt abhängig. In Nürnberg passt es - und Manson liefert und provoziert. Zwei geniale Cover-Songs, der Eurythmics-Hit "Sweet Dreams" und Gerard McManns "Cry little Sister" aus dem Kultfilm "Lost Boys" setzen den Schlusspunkt hinter ein kurz-knackiges Konzert.

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Am Freitag übernimmt die Brit-Formation "Gorillaz" die Aufgabe als letzte Band des Tages und sorgt für Spannung. Nämlich, ob das Projekt einer virtuellen Comicfiguren-Band - hinter der Blur-Sänger Damon Albarn, Zeichner Jamie Hewlett und wechselnde Musiker stehen, live funktioniert. Tut es. Albarn versteckt sich so gut es geht hinter den Clips auf den Videowänden, während er den eingängigen Crossover-Sound, etwa beim funkigen "Feel Good Inc." oder der gechillten Ballade "On Melancholy Hill" wirken lässt.

Überhaupt ist das Festival ein tiefenentspanntes Miteinander wohl auch weil es mit 70 000 Fans nicht ausverkauft ist und kaum Gedränge herrscht. Dass die Plätze vor den drei Bühnen trotzdem immer gut gefüllt sind, ist einem cleveren Spielplan zu verdanken. Frühe Auftritte kultiger Acts geben jedem Tag eine ungeheure Starthilfe. Mit den Punk-Helden "Bad Religion", den japanischen Manga-Metal-Quietscheentchen "Babymetal" und der stimmgewaltigen Beth Ditto kann es ja nur ein guter Tag werden.

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