Nürnberg
24.06.2019 - 15:39 Uhr

Post-Punk und Pop: Joe Jackson im Serenadenhof Nürnberg

Üppiges Haar hatte Joe Jackson noch nie. Seine Welttournee 1984 ließ ihn auch noch ergrauen, stöhnte er damals über das Unterwegssein. 2019 hat sich wenig geändert. Das Haar ist fast weiß, die Songs stehen dagegen weiter in voller Blüte.

Alte weiße Männer haben nicht mehr das beste Image. Oft zu unrecht: Die Gegenbeispiele leuchten am Sonntag in Franken. Joe Jackson (Bild) verzaubert den Serenadenhof in Nürnberg, Sting singt zur gleichen Zeit auf dem Jahngelände in Forchheim. Bild: phs
Alte weiße Männer haben nicht mehr das beste Image. Oft zu unrecht: Die Gegenbeispiele leuchten am Sonntag in Franken. Joe Jackson (Bild) verzaubert den Serenadenhof in Nürnberg, Sting singt zur gleichen Zeit auf dem Jahngelände in Forchheim.

"Four Decades", wie die aktuelle Rundreise durch Hallen, Höfe und auf Plätzen heißt, klingt irgendwie cooler als 40-jähriges Bühnenjubiläum. Aber genau das feierte Joe Jackson am Sonntagabend im Nürnberger Serenadenhof. Der ist zwar romantisch, für den 65-jährigen Jungspund im blauen Maßanzug aber fast ein bisschen zu sehr. So seufzte er um halb neun über das "fucking daylight". Viele Besucher hätten dagegen am liebsten die Stühle rausgeräumt. Denn von der Bühne schallten beileibe nicht nur radiokompatible Balladen und sommerliche Lovesongs, sondern vor allem der Joe Jackson, der seine Wurzeln im späten Punk und im New-Wave-bewegten London nicht verleugnet.

Bei "I'm the man" war es dann auch so weit, dass die Party im Stehen weiterging. Leider war sie da fast vorbei. Nach anderthalb Stunden verabschiedete sich der Meister mit seiner dreiköpfigen Band. Einige Fans, die ihn ein paar Tage zuvor schon in München oder Hamburg erlebt hatten, berichteten, dass dort noch eine Viertelstunde mehr drin war.

Die Nürnberger Zuhörer erlebten trotzdem einen gut aufgelegten Künstler, dem oft etwas Divenhaftes, Schnöseliges nachgesagt wird. Selbstironisch und spielfreudig hatte er nicht nur den Rückwärtsgang in die vergangenen vier Jahrzehnte eingelegt. Stattdessen verteilte er immer wieder Leckerbissen seines neuen Albums "Fool" als Kirschen auf seiner Jubiläumstorte. Titel wie "Fabulously Absolute", "Strange Land" oder das zweimal unterschiedlich interpretierte "Alchemy" lassen darauf schließen, dass der Neuling zu den besseren der vielen guten Jackson-Alben gehört.

Einige Klassiker fielen bei "Four Decades" dafür fast durchs Raster. So gab es kaum etwas aus großen Würfen wie "Big World" oder "Body and Soul" zu hören. Die Hits mit Wiedererkennungswert wie "Another World" oder Steppin' Out" lieferte vor allem das Album "Night and Day". Solche Perlen kontrastierten in Nürnberg bestens mit zornigen Fetzern wie "Sunday Papers" oder "Invisible Man".

Er sei ja berüchtigt dafür, seine Songs ständig umzuarrangieren und in neuen Versionen zu covern, gab Jackson pflichtgemäß zu Protokoll. Das wissen die Fans und genießen eine Piano-Version von "It's different for Girls". Wer viel kann, kann eben auch viel ausprobieren. Neuestes Beispiel ist der Titelsong von "Fool", der mit lateinamerikanischen und fast orientalischen Rhythmen spielt. Spätestens da ist klar: Joe Jackson gehen die Ideen auch in der nächsten Dekade nicht aus.

 
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