Überraschung in der Amberger SPD: Mit sofortiger Wirkung tritt Dieter Weiß, einer der beiden Stadtverbandsvorsitzenden, von seinem Amt zurück. In einem Schreiben an die Mitglieder, das Oberpfalz-Medien vorliegt, nennt er vielfältige Gründe für seinen Entschluss, seinen Posten an der Spitze der Amberger Sozialdemokraten aufzugeben. Unter anderem wirft er der Stadtratsfraktion – der er nicht angehört – vor, ihn bei vielen Entscheidungen außen vor gelassen zu haben.
"Nichts ist von selbst. Und nur wenig ist von Dauer", überschreibt Dieter Weiß sein Demissionsschreiben. Weiß steht seit 2020 gemeinsam mit Simone Böhm-Donhauser in einer Doppelspitze dem SPD-Stadtverband vor. Im Gegensatz zu seiner Co-Vorsitzenden versäumte er sowohl 2020 als auch 2026 den Einzug in den Stadtrat. Bei den letzten Kommunalwahlen am 8. März wurde er von den Wählern von Listenplatz 12 auf 23 zurückgestuft. Diese Wahlschlappe nennt Weiß aber nicht in seiner Begründung für die Aufgabe seines Amts.
Mangelndes Engagement
Vielmehr bemängelt Dieter Weiß in seinem Schreiben mangelndes Engagement bei Veranstaltungen und an Infoständen als einen Grund. Teilweise sei innerhalb der Amberger SPD sogar zum Boykott von Wahlen aufgerufen worden, weil man auf der Oberpfalzliste der Partei von Europa- und Bundestagswahlen nur hintere Plätze erhalten habe. "Am Wahlabend bei der 'Wahlparty' jammerte man dann über schlechte Wahlergebnisse. Gute Wahlergebnisse fallen nicht vom Himmel, dafür muss man auch kämpfen!"
Ein anderer Grund für seinen Rücktritt ist laut Dieter Weiß, dass er sich von der Stadtratsfraktion in vielen Fällen übergangen fühlt. So habe er nach der Kommunalwahl der Amberger Zeitung entnehmen müssen, dass die SPD nach den Aussagen der gescheiterten OB-Kandidatin Birgit Fruth keine Wahlempfehlung für die Stichwahl zum Oberbürgermeister abgebe.
Der SPD bleibt er treu
Wie Dieter Weiß ausdrücklich betont, gibt er zwar sein Vorstandsamt ab, seiner Partei, der SPD bleibe er aber selbstverständlich treu, "wie auch in den vergangenen 40 Jahren meiner Mitgliedschaft". Für ihn bedeute SPD noch immer "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" und stehe für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. "Für andere bedeutet das Kürzel SPD anscheinend lediglich ,Sind Posten Da'." Weiß kündigte an, auch in Zukunft die Geschichte der Sozialdemokratie in Amberg erforschen zu wollen und verabschiedet sich "Mit solidarischen Grüßen" von den Genossen.
Nachfrage bei Co-Vorsitzender Simone Böhm-Donhauser. Was ist los in der Amberger SPD, die zuletzt bei den Stadtratswahlen ihr historisch schlechtes Amberger Ergebnis von 2020 (13,8 Prozent) mit 11,6 Prozent noch einmal unterboten hat? Aus persönlichem Respekt vor Dieter Weiß geht Böhm-Donhauser weitgehend nicht auf die Vorwürfe ihres langjährigen Co-Vorsitzenden ein, wie sie betont. "Man kann aber niemandem von uns vorwerfen, dass wir nicht fleißig gewesen sind", wehrt sie sich gegen die entsprechenden Vorwürfe.
Neuwahlen ohnehin angestanden
So richtig versteht Simone Böhm-Donhauser die Aktion von Dieter Weiß auch nicht. Der SPD-Stadtverband wäre ja ohnehin Ende Mai zu seiner Stadtverbandskonferenz zusammengekommen. Für diese sei es Ziel gewesen, dass sie selbst und Dieter Weiß ihr Amt zugunsten einer jungen Vorsitzenden, eines jungen Vorsitzenden aufgeben wollten. "Wenn er das jetzt vier Wochen vorher macht, dann ist das seine Sache." Wie Simone Böhm-Donhauser betont, gibt es durchaus Interessenten für den Stadtverbandsvorsitz. Zur Not – und nur für eine Übergangszeit von zwei Jahren – würde sie gemeinsam mit einem zweiten Kandidaten noch einmal zur Wahl antreten, um diesen anschließend ins Amt des Stadtverbandsvorsitzenden einarbeiten zu können.
Was Simone Böhm-Donhauser allerdings wurmt, ist der Vorwurf von Dieter Weiß, es würde in der Amberger SPD jemand nach Posten jagen. "Was willst Du schon in der SPD werden?", fragt sie ein wenig sarkastisch zurück und betont, dass das Amt einer Stadtverbandsvorsitzenden in der SPD ohnehin ziemlich spaßbefreit sei. Ziel sei es aber jetzt, die Partei zu verjüngen. Und da sei man schon auf einem sehr guten Weg.






















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