12.03.2019 - 10:40 Uhr
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Unbekannter Fußballheld: Rosenmüller verfilmt Leben von Bert Trautmann

Bert Trautmann galt als einer der besten Torhüter der Welt, doch so recht kennt den Deutschen in der Heimat keiner: Das wird Regisseur Marcus H. Rosenmüller ganz sicher ändern. Am Montag stellte er seine einfühlsame Biographie "Bert Trautmann" über Englands Fußballer des Jahres 1956 in Nürnberg vor.

Als Kriegsgefangener kam der Bremer Bert Trautmann nach England. Dort entdeckte man durch Zufall sein Talent für Fußball. In der Biographie von Regisseur Marcus H. Rosenmüller wird der von Schauspieler David Kross verkörpert.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Warum wird der Film in Nürnberg vor dem offiziellen Kinostart am Donnerstag vorgestellt? Ganz einfach: Weil hier alles für Regisseur Marcus H. Rosenmüller und Produzent Robert Marciniak begann. Bert Trautmann war 2008 der erst dritte Träger des Walther-Bensemann-Preises, der Ehrenauszeichnung der Deutschen Akademie für Fußballkultur für Engagement und gesellschaftliche Verantwortung. Hier trafen die beiden zum ersten Mal auf Englands Fußballer des Jahres 1956. Es folgten lange Gespräche und Interviews mit diesem besonderen Menschen. Jetzt, mehr als zehn Jahre später, und viel Zeit der Vorbereitung sagte Produzent Marciniak: "Es steckt sehr viel echter Bert Trautmann in unserem Bert Trautmann."

Berühmt wurde Trautmann durch das FA-Cup-Finale 1956 im Londoner Wembley-Stadion, als er im Tor von Manchester City in der Partie gegen Birmingham trotz eines Genickbruchs und fünf ausgerenkten Halswirbeln weiter spielte. Damals konnte ein Spieler nicht ausgewechselt werden. Die Verletzung hätte tödlich enden können. "Es ging ihm darum, nicht nur mit diesem Spiel in Verbindung gebracht zu werden", sagte Marciniak. "Er kämpfte für die Versöhnung der beiden Länder nach dem Zweiten Weltkrieg." Es sei ihm immer auch um die Integration ausländischer Spieler gegangen.

Aus Feind wird Freund

Rosenmüllers Film beginnt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Trautmann (David Kross) kommt als Kriegsgefangener der Wehrmacht in ein Lager nach England. Bei einem Fußballspiel unter deutschen Gefangen wird der Trainer des Provinzclubs St. Helens, Jack Friar (Johan Henshaw), auf Trautmanns Torwart-Talent aufmerksam und engagiert ihn für seinen Verein. Zunächst sind die Mannschaftskameraden skeptisch, schließlich ist der deutsche "Kraut" doch der Feind. Rosenmüller erzählt sehr einfühlsam, wie Trautmann in dem Dorf das Vertrauen der Menschen gewinnt. Aus dem Kriegsgegner wird ein Mensch. Und er erobert das Herz von Margaret (Freya Mavor), die Tochter seines Trainers.

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Marcus H. Rosemüllers "Bert Trautmann" ist aber nicht nur ein Film über Fußball. Es geht vor allem auch um Liebe und Versöhnung.

Bei einem Spiel des Provinzclubs wird der junge Deutsche schließlich von einem Vertreter von Manchester City entdeckt. 1949 verlässt er St. Helens - nicht als "Kraut", sondern als Freund. Doch die Verpflichtung löst eine Welle des Protests und der Empörung unter den Fans aus. Die Wunden des Zweiten Weltkriegs sind noch zu frisch. Trautmann wird ausgebuht von den Rängen.

Doch das ändert sich 1956, als Trautmann trotz der schwerwiegenden Verletzung beim FA-Cup-Finale weiter spielt. Er gewinnt die Herzen der fußballverrückten Briten. Spätestens hier ist es Rosenmüller gelungen, aus der Lebensgeschichte von Bert Trautmann keine reine und plumpe Fußballgeschichte zu machen. Sondern "Bert Trautmann" erzählt eben auch von der Liebe und Versöhnung.

Aber keine Sorge, die Fußballanhänger kommen nicht zu kurz: Die Spielzüge und Torschüsse seien genauestens rekonstruiert und nachgestellt worden. "Mein Trainer aus der Kreisliga hat akribisch die Szenen für den Film vorbereitet und eintrainieren lassen", erzählte der passionierte Fußballfan vom Tegernsee. "Da war klar, dass wir uns nicht blamieren dürfen."

Es gleicht schon fast einem Wunder, was dem jungen Mann nur wenige Jahre nach Kriegsende geglückt ist. Es ist erstaunlich, dass seine Geschichte in Deutschland so unbekannt ist, während er auf der Insel wie ein Held umjubelt wurde. Rainer Holzschuh, Jurymitglied des Fußball-Kulturpreises und Herausgeber des Sportmagazins Kicker, nannte Trautmann einen Gentleman. "Er hat uns gezeigt, dass Fußball ein wunderbares Spiel ist, aber nicht der Nabel der Welt." Er lobte Rosenmüller, weil er eine "tolle Geschichte mit Herz und Fußball" geschaffen habe.

Kinostart:

Der offizielle Kinostart von "Bert Trautmann" des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller in Deutschland ist am Donnerstag, 14. März. In diesen Kinos in der Region ist er demnächst im Programm: Cineplex Amberg (10. April), Cineplex Bayreuth, Regina Filmtheater und Cinemaxx in Regensburg. Anfang April ist der Streifen auch in Großbritannien zu sehen. Noch einige Tage vorher, am 21. März, wird der Film in Manchester gezeigt.

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