Von Ulrike Löw
Oleg W. hat einen heimtückischen Mord in Pommelsbrunn begangen – und ein Geständnis abgelegt. Das Gericht glaubt ihm, dass er das Verbrechen zutiefst bereut. Er hatte die wochenlang Vermisste erdrosselt und im Wald verscharrt.
Mit zwölf Verhandlungstagen hatte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth geplant, die Terminierung sah die Urteilsverkündung für den 29. Juli 2025 vor. Nun treten die Richter bereits am siebten Prozesstag aus dem Beratungszimmer – und dies auch deshalb, weil Oleg W. (51) zum Prozessauftakt sein Schweigen gebrochen und das schreckliche Verbrechen an seiner Ehefrau (49) gestanden hat.
Während der Ermittlungen kam ihm kein Wort über die Lippen, doch zum Prozessauftakt gab er nach intensiver Befragung durch Richter Markus Bader zu, dass er seine Ehefrau getötet und im Wald verscharrt hatte. Und damit hatte er auch den Angehörigen der Tanja W. endlich Klarheit verschafft.
Stolz auf Kinder
Es war ein Geständnis, bei dem sich Oleg W. selbst, so heißt es in der Urteilsbegründung, „jedes Wort abgerungen und sich aufrichtig seiner Schuld gestellt hat.“ Richter Bader: „Ich bin überzeugt, dass er die Tat wirklich bereut.“ Auch deshalb verhängt die Strafkammer eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes, doch zieht nicht das schärfste Schwert des Strafrechts, die strafverschärfende Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dies hätte dazu geführt, dass Oleg W. nicht nach 15 Jahren verbüßter Freiheitsstrafe zur Bewährung hätte aus dem Gefängnis entlassen werden dürfen.
Oleg W. hatte sich am Ende der Beweisaufnahme, nach den Schlussvorträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, in seinem letzten Wort erneut geäußert. Er erklärte mit gebrochener Stimme, dass er bereue, was er getan habe. Er betonte, wie stolz er auf seine Kinder sei. Und er ließ erklären, dass er auf sein Auto verzichtet, die Kinder könnten es verkaufen.
Die Familie, die beiden erwachsenen Kinder, die Mutter und der Bruder der Tanja W. saßen all die Verhandlungstage im Saal, sie folgten der Beweisaufnahme und nun auch der Urteilsbegründung weitgehend still, immer wieder rangen sie um ihre Fassung.
Schwere Depressionen
Wie es zu all dem kommen konnte? Oleg W. leidet seit Jahren unter schweren Depressionen, dies hatte ein Psychiater im Auftrag des Gerichts ausführlich erläutert. W. konnte nicht mehr arbeiten, er wurde mehrfach in der psychiatrischen Klinik Engelthal in der Hersbrucker Schweiz behandelt. Aufgrund der Krankheit kam es zu Spannungen, Tanja W. hatte sich immer mehr von ihm distanziert und begonnen, ihr eigenes Leben zu führen.
Im Jahr 2023 fing Oleg W. an, sie zu überwachen. Er hatte im Wohnhaus der Familie in Hohenstadt in der Gemeinde Pommelsbrunn Kameras installiert und im BMW seiner Frau einen GPS-Sender versteckt, all dies koppelte er mit seinem Handy. Er wollte – auf diese gespenstische Weise – weiterhin heimlich an ihrem Leben teilhaben, doch am Ende „hat er er alles verloren“.
Im Juli 2024 zog die Ehefrau einen Schlussstrich. Sie verwies den Mann aus dem gemeinsamen Haus. 30 Jahren währte die Ehe zu diesem Zeitpunkt, nun packte er „sein Hab und Gut“ und zog in sein Auto. „Über seine Überwachung erfuhr er auch von den Kontakten seiner Frau zu anderen Männern“, stellt das Urteil fest.
Am Nachmittag des 26. September 2024 bekam Oleg W. auf diese Weise mit, dass sich Tanja W. mit einem anderen Mann für einen Kinobesuch in Nürnberg verabredet hatte. Er habe kurz danach versucht, „das Ruder noch einmal herumzureißen“, um 16.33 Uhr erinnerte er seine Frau per Whatsapp daran, dass sie „doch die Ehe retten wollten“.
Als sie sich dennoch zum Rendezvous traf und mit einem Mann, den sie auf einer Dating-Plattform kennengelernt hatte, in Nürnberg ins Kino gegangen war, sei W. endgültig klar geworden, dass „alles, was ihm wichtig und wesentlich war, für ihn weg war“.
Sie wehrte sich
In den frühen Morgenstunden überrumpelte Oleg W. seine Frau. Die Untersuchungen der Rechtsmedizin haben gezeigt, dass sie nicht geschlafen hatte, als er sie erdrosselte – sie hatte sich gewehrt und ihn gekratzt. Doch damit gerechnet, dass ihr Mann über die Garage in das Wohnhaus eindringen würde, hatte sie nicht. Oleg W. hat einen heimtückischen Mord begangen, so die Richter, doch aus niederen Beweggründen habe er nicht gehandelt.
Er war verzweifelt, er war eifersüchtig, doch aufgrund seiner Depressionen war er in einem Gedankenkarussell gefangen. Er habe keinen Ausweg mehr gesehen, seiner Frau das Leben und auch sich selbst alles genommen. Im Schlafzimmer habe er zu einem ihrer Nachthemden gegriffen, er legte es um ihren Hals und zog die beiden Enden „mit voller Kraft zusammen“. Er brach ihr dabei das linke, große Zungenbeinhorn. „Im Zimmer nebenan schlief übrigens der Sohn.“
In den Stunden danach lud Oleg W. ihren Leichnam in seinen schwarzen VW Tiguan und verscharrte seine Frau in einem Waldstück. Nach wochenlanger Suche, unter anderem auch in der Oberpfalz, wurde sie bei Alfeld im Nürnberger Land von der Polizei gefunden.



















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