Nürnberg
11.07.2026 - 11:14 Uhr

Rauchschwaden über Nürnberg – Westernstadt brannte lichterloh

Ein Großbrand nahe dem Messegelände hält Nürnberg in Atem. Wie Feuerwehr und Polizei gegen das Feuer vorgehen und was für die Sicherheit der Anwohner getan wird.

Orangerot lodern meterhohe Flammen aus einem Wald in Nürnberg, dunkle Rauchschwaden ziehen über den Süden von Bayerns zweitgrößter Stadt. „Eine sehr beeindruckende Feuerwand“, beschreibt der Einsatzleiter der Feuerwehr, Peter Saul, was sich kurz vor Mitternacht unweit des Max-Morlock-Stadions, der Heimstätte des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg, abspielt. Hunderte Einsatzkräfte kämpfen nahe dem Messegelände stundenlang gegen die Flammen, die eine hölzerne Westernstadt erfasst haben. Bäume brennen. Zwei Einsatzkräfte der Feuerwehr werden leicht verletzt. Die Ursache für das Feuer ist zunächst unklar. 

Waldbrandgefahr hoch

Seit Tagen ist es bayernweit wieder sehr trocken, die Waldbrandgefahr vielerorts laut Deutschem Wetterdienst hoch. Ob je geklärt werden kann, was den Brand auslöste, bleibt mit Blick auf den Schuttberg am Morgen danach fraglich. Die Polizei sucht Zeugen, die vielleicht etwas gesehen haben. Den Schaden kann zunächst niemand beziffern.

Campingplatz geräumt

Nahe dem Brandort gibt es einen Campingplatz, der am späten Freitagabend aus Sicherheitsgründen geräumt wird. Das Bayerische Rote Kreuz betreut um die 20 Menschen, die kurz vor dem Morgengrauen zurück zu ihren Wohn- und Campingmobilen können. 

Für die Besucher eines Open-Air-Konzerts im Stadionpark endet der laue Sommerabend anders als geplant. Während der Zugabe entscheidet sich der Veranstalter laut Polizei, das Areal zu räumen. Es raucht einfach zu stark, man will auf Nummer sicher gehen. 

Messegelände in Sichtweite

Der Brandort - rund 3.000 Quadratmeter - liegt nur wenige hundert Meter vom Fußballstadion entfernt. Auch das Musikfestival Rock im Park findet alljährlich in der Nähe statt. Das Nürnberger Messegelände, ein großes Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände, ist nur durch eine breite Straße vom Feuer getrennt. „Die Messe ist nicht in Gefahr“, versichert Polizeisprecher Michael Petzold gegen Mitternacht. Für Nürnberg hat das Messegelände eine große Bedeutung als Wirtschafts- und Standortfaktor - flächendeckende Zerstörungen wären fatal.

Stundenlange Nacharbeiten

Am Morgen sind die Einsatzkräfte mit Nachlöschen und Aufräumarbeiten beschäftigt. Das Technische Hilfswerk schiebt mit einem Radlader einen Schutthaufen zusammen. Viele Bäume sind rußgeschwärzt, es riecht verbrannt. Offene Flammen sind nicht mehr zu sehen. Gleichwohl ist die Gefahr noch nicht gebannt. 

„Brandnachschauen gibt es den ganzen Tag“, erklärt der Einsatzleiter der Feuerwehr, „damit nicht Glutnester übersehen werden“. Um die 20 Feuerwehrkräfte seien noch vor Ort, auch bis in den Samstagabend, an dem das nächste Konzert stattfinden soll. Die Feiernden sollen sich sicher fühlen, sagt Peter Saul. 

Hölzerne Westernstadt in Flammen

Gegen 21.45 Uhr gehen am Freitagabend bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Mittelfranken mehrere Anrufe ein, wonach im Bereich der brachliegenden Westernstadt zwischen der Großen Straße und der Beuthener Straße ein Feuer ausgebrochen sein soll. 

Etwa 380 Kräfte der Feuerwehr, gut 60 des Rettungsdienstes sowie rund 15 der Polizei rücken an. Mehrere Trupps unter schwerem Atemschutz kämpfen gegen die Flammen, Wasser wird aus dem Dutzendteich an den Brandort gepumpt. Gut drei Stunden nach dem Großeinsatz auch mit Kräften aus den angrenzenden Landkreisen verkündet Polizeisprecher Petzold: „Da brennt nichts mehr.“ Nur Qualm steige noch auf.

Dunkle Rauchschwaden

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnt stundenlang vor starkem Rauch und Brandgeruch im Nürnberger Süden. „Schließen Sie Fenster und Türen und schalten Sie Lüftungen und Klimaanlagen ab. Informieren Sie Ihre Nachbarn“, heißt es.

Das betroffene Gebiet ist etwa so groß wie vier kleine Fußballfelder. Nun ist die Kriminalpolizei am Zug herauszufinden, was das Feuer verursacht haben könnte. 

Die Waldbrandgefahr ist in Franken wegen der Trockenheit groß, es gibt Beobachtungsflüge der Behörden. Dennoch ist auch Brandstiftung - fahrlässig oder mutwillig - nicht ausgeschlossen, wie der Polizeisprecher sagt.

Waldbrand 2025 bei Erlangen

Im vergangenen Jahr hatte bei Erlangen, gut 20 Kilometer nördlich von Nürnberg, ebenfalls ein Waldgebiet gebrannt. Es dauerte fast einen Monat, bis der Brand vollständig gelöscht war. Das Feuer war Ende April 2025 in dem Forst rund um einen ehemaligen Truppenübungsplatz ausgebrochen. Rund 40.000 Quadratmeter, verteilt auf mehrere Flächen, waren nach Angaben des Landratsamtes betroffen. Dieses rief zwischenzeitlich den Katastrophenfall aus. Neun Feuerwehrleute wurden leicht verletzt.

© dpa-infocom, dpa:260711-930-368685/3

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.