30.09.2020 - 18:12 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Bocklradweg statt Seidenstraße: Mit dem Rad durch die Oberpfalz

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Eigentlich bietet der ehemalige Altenstädter Volker Häring Radtouren in China und Asien an. Weil das in Corona-Zeiten nicht möglich ist, führt er nun seine Kunden aus Norddeutschland durch die Oberpfalz – die einiges mit China gemein hat.

Die Radgruppe vor der Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Bocklradweg statt Seidenstraße, Vils statt Mekong, Oberpfalz statt China. Normalerweise bietet der in Weiden und Altenstadt (Kreis Neustadt/WN) augfewachsene und nun in Berlin lebende Volker Häring mit seiner Firma "China by Bike" mehrwöchige Radtouren durch China und Asien an. In der Coronakrise ist das aber natürlich nicht möglich. Was tun? "Wir wollten nicht nur daheim rumsitzen und Däumchen drehen", sagt der 51-jährige Häring. Also radelte er im August mit neun Stammkunden knapp zwei Wochen lang durch die Oberpfalz. Im Oktober folgt die zweite Auflage.

ONETZ: Statt die große, weite Welt ist es jetzt "nur" die Oberpfalz geworden. Sind Sie traurig?

Volker Häring: Nein. In der großen, weiten Welt kenn ich mich fast besser aus als in der Oberpfalz. Das war also eine schöne Entdeckung. Ich bin jetzt seit fast 30 Jahren weg, in Berlin.

ONETZ: Wie oft kommen Sie noch in die alte Heimat?

Ich bin immer mal wieder da. Ab und zu besuche ich meine Eltern. Im Lockdown bin ich von Berlin aus mit dem Rad zu ihnen gefahren. Da kam mir die Idee: Warum nicht eine Radtour durch die Oberpfalz anbieten. Für unsere Stammkunden, die uns unterstützen wollen.

ONETZ: Und wie war es, die Oberpfalz zu durchradeln?

Es war ganz toll. Ich hab mich im Nachhinein gefreut, dass es so gekommen ist. Ich hab die Oberpfalz wieder, neu und anders entdeckt. Ich war ja noch auf einer Mehrtagestour mit dem Fahrrad in der Oberpfalz. Sonst bin ich immer mit dem Auto unterwegs gewesen. Es gibt hier so viel - aber nur wenige wissen das. Die Region ist in Deutschland nicht so richtig bekannt.

ONETZ: Was hat Sie besonders überrascht?

Wie gepflegt die Radwege hier sind. Ich bin viel mit dem Rad unterwegs in Deutschland - da sind viele Wege abenteuerlich, ohne Ausschilderungen. Vor allem die Fernradwege sind da von der Qualität sehr unterschiedlich. Und hier sind die Wege klasse. Die einzige Ausnahme war der Naabtalradweg von Weiden Richtung Pfreimd. Das war viel Stückwerk, da ging es kreuz und quer über Straßen, Feldwege. Und natürlich ist die Oberpfalz landschaftlich klasse. Vor allem durch die Brille eines Fremden.

ONETZ: Wie fanden es Ihre Kunden?

Wunderschön, abwechslungsreich. Die Fernsichten, die hügelige Landschaft, die viel grüner ist als bei ihnen. Die meisten kommen aus Norddeutschland. Die haben gar nichts gewusst von der Oberpfalz. Das war für sie ein weißer Fleck auf der Landkarte. Jetzt wollen sie wiederkommen.

ONETZ: Was hat Ihnen besonders gefallen?

Von Weiden waren viele absolut begeistert. Die schöne Fußgängerzone, die tolle Atmosphäre. Das haben die Leute nicht erwartet, und ich ehrlich gesagt auch nicht. In den 80ern gab es in Weiden ja nicht viel. Die Stadt hat sich auf jeden Fall positiv entwickelt. Dazu die Zoiglkultur. Überall, wo es eins gab, haben wir angehalten und probiert. Bier und Zoigl war ein roter Faden der Reise.

ONETZ: Was macht Ihre Firma, wenn gerade keine Pandemie herrscht?

Wir bieten einzigartige Touren in Asien mit Schwerpunkt China an. Die dauern zwischen zwei und vier Wochen, es gibt sie in einfach und schwer. Dann geht es auch mal in Nepal auf fünftausend Meter hoch. Dazu bieten wir auch lange Touren an, zwischen drei Monate und drei Jahre dauern die. Unsere Weltreise, die 2018 begann, sollten wir heuer beenden. Aber das ist auch Corona zum Opfer gefallen.

ONETZ: Wie schwer hat Sie Corona getroffen?

Heuer wäre ein gutes Jahr geworden. Wir hatten richtig gute Buchungen, und dann - von einem Moment auf den anderen - war alles auf null. Die Überbrückungshilfen kamen in der Branche nur sehr zögerlich an. Wir haben jetzt einen positiven Bescheid bekommen, das macht 60 Prozent von dem, was wir verdient hätten. Wir werden das Jahr überleben. Aber wenn es im nächsten Frühjahr nicht wieder anfängt, haben wir ein echtes Problem.

Volker Härings Familienradtour durch China

ONETZ: Warum China, und wie wird man überhaupt Sinologe?

Ich habe das Abi am Kepler gemacht. In der Oberstufe hatte ich überhaupt keinen Bock mehr. Ich wollte dann was machen, was keiner machte. Da hab ich mich für Sinologie entschieden. Ich hab mich schon immer mit asiatischer Kultur beschäftigt. 1990 war ich zum ersten Mal in China. Bevor ich zu Studieren begann, wollte ich mir erst einmal das Land anschauen. Ich hab die Entscheidung nie bereut.

ONETZ: Hongkong, Umerziehungslager, Missachtung der Menschenrechte: China gerät immer mehr in die Kritik. Zu Recht?

Die aktuelle Entwicklung ist nicht so unkritisch zu sehen, ganz klar. Was die bürgerlichen Freiheiten angeht, bewegt sich das Land in die falsche Richtung. Da wurden die Maßstäbe angezogen, das ist strikter geworden. Man muss aber auch sehen, dass sich China von einem totalitären, restriktiven System zu einem Land entwickelt hat, in dem es den Leuten gut geht. Die Leute hungern nicht mehr, es gibt Reisefreiheit und eine gewisse Freiheit der Meinung. Da hat sich vieles zum Positiven gewendet. Das Schwarz-weiß-Denken, dass China der neue Feind ist, das ist Schwachsinn. Es ist faszinierend, was China in den letzten 20 Jahren geschafft hat. Aber klar, die Mittel waren nicht immer die feinsten, das kann man kritisieren.

ONETZ: Zurück zu Ihnen: Warum ausgerechnet Radtouren?

Ich war schon immer Radfahrer. Seit ich fünf bin, hock ich auf dem Rad und habe damit nie wieder aufgehört. Ich habe seit 1992 kein Auto mehr, mache alles mit dem Rad. Wenn man so reist, sieht man viel, viel mehr als im Bus oder im Auto. Mit dem Radl kommt man weit - man ist aber langsam genug, um das Land zu genießen und zu erfahren. Man hat die Chance, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen.

ONETZ: Was hat China mit der Oberpfalz gemeinsam?

Von der Mentalität her sind die Menschen gar nicht so unterschiedlich. Die Oberpfälzer sind schon speziell, sehr offen, locker, gerade beim Zoigl. Meine Kunden meinten, die Leute hier sind gemütlich. Es war ein ähnliches Erleben wie in China. Die Sprachen sind ähnlich unverständlich (lacht). Wie in China musste ich in der Oberpfalz übersetzen. Das war schon auch eine Entdeckungsreise.

Der fremde Blick auf die Oberpfalz - die "Zugraost"-Serie

Die Oberpfalz-Tour:
  • Start in Weiden
  • nach Parkstein, dann auf dem
    Bocklradweg nach Eslarn
  • über Pleystein und Flossenbürg
    nach Waldsassen
  • über Tirschenreuth und Falkenberg
    nach Windischeschenbach
  • über Erbendorf und Waldeck zurück
    nach Windischeschenbach
  • über das Sauerbachtal in Richtung
    Naabtal nach Nabburg
  • über Wackersdorf und Kallmünz ins
    Vilstal nach Schmidmühlen
  • über Amberg nach Neumarkt
  • Endstation in Nürnberg
Zur Person:

Volker Häring

  • Kurzbiografie: 1969 in Nürnberg
    geboren, mit 6 Jahren nach Weiden,
    mit 13 nach Altenstadt, mit 19 Abitur am Kepler in Weiden, mit 21 nach Berlin
  • Studium: Sinologie, auch als „Chinawissenschaften“ bekannt
  • „China by Bike“: 2001 mit einem
    Freund gegründet, bietet Radexkursionen durch China und Asien an
  • Bücher: Reiseführer, Reisebücher
    – aber auch einen China-Krimi
  • Musik: Sänger und Gitarrist der einzigen China-Rockband Deutschlands: Der Alptraum der roten Kammer

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