JD McPherson - Nite Owls (Bertus)
Zuletzt war der Mann mit Robert Plant und Allison Kraus unterwegs und bis auf sein Weihnachts-Album vom letzten Jahr wildert der Musiker ja gerne in den Genres Rock 'n' Roll, Surf-Rock, Glam- und Garagen-Rock, New Wave, Post-Punk und R&B. Der pure, an den 50ern und 60ern Jahre geschulte Rock `n` Roll ist geblieben, widmet er das neue Album doch keinem geringeren als Duane Eddy. Quecksilbrige Distortion-Gitarren-Licks werden in Hallräume geschickt, es rockt und rollt, was das Zeug hält und manchmal, bei Balladen wie „Shining Like Gold“ sitzen auch Chris Issak und Chris Rea mit im Studio. Chuck Berry und Buddy Holly sind ganz nah, aber auch New-Wave-Helden wie Alan Vega, Chris Spedding oder Television kann man noch ausmachen. Ein knackiges, sehr old-fashioned Hörvergnügen.
Joan As Police Woman - Lemons, Limes and Orchids (PIAS)
Zuletzt kollaborierte Joan Wasser mit dem Afro-Beat-Pionier Tony Allen, dieses Mal ist die bezaubernde Meshell Ndegeocello mit dabei. Ihr zehntes Werk ist im Kern ein Album über Liebe und Verlust. Eine Hommage an das Durchhalten in einer brüchigen, schnelllebigen Welt, inklusive unserer kollektiven Orientierungslosigkeit. In den zwölf Songs geht es darum, wie die Liebe uns vor Freude und vor Kummer immer wieder den Atem raubt. Teils Hymnen an das Festhalten, teils Segen für das Loslassen. Vom Art- und Folk-Pop entfernt sich Wasser mehr und mehr, geht vielmehr in die jazzige Ausrichtung einer Joni Mitchell in deren Heijra- und Don-Juan-Reckless-Daughter-Phase. Ihr glasklarer Gesang klingt jetzt noch phrasierter, wird als eigenständiges Instrument eingesetzt, das gerne von warmen, minimalistischen Klavier-Figuren umschmeichelt wird. Durch das Titelstück, ein zärtliches Lullaby geistern dann zusätzlich warme Synthi-Klänge, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Ein kunstvolles, intensives, herzerwärmendes, aber durchaus nicht sentimentales Hörerlebnis.
bôa – Whiplash (Nettwerk)
Im Jahr 1998 veröffentlichte die britische Alternative-Rock-Band bôa ihre Durchbruchssingle „Duvet“, eine mitreißende Hymne, die später als Soundtrack des japanischen Kult-Animes "Serial Experiments Lain" diente. Dann war erst einmal 20 Jahre Schluss mit lustig, die Kapelle löste sich auf. Die Tik-Tok-Gemeinde entdeckte die Band neu, so dass sich diese über 450 Millionen Streams allein auf Spotify freuen darf. Das inzwischen auch nicht mehr ganz taufrische Trio um Frontfrau und Gitarristin Jasmine Rodgers – übrigens die Tochter von Blues-Rock-Urgestein Paul Rogers (Free, Bad Company) – hat 13 melodiöse, recht zeitlose Art- und Indie-Rock-Songs auf ihr Reunion-Album gepackt, die auch eine weitere, 20-jährige Wartezeit überdauern würden. Vor allem die bodenständige, unaffektierte, kraftvolle Stimme Rogers begeistert und zeugt von Papas Genen, aber auch der markante Bass von Alex Caird setzt so manche Akzente und bestimmt den kompakten Bandsound.
Leif Vollebekk – Revelation (Secret City)
Im Opener schwadroniert der Singer/Songwriter aus Ottawa über „Rock And Roll“ – und badet den Song in üppigsten Streicher-Arrangements, so dass sich dieser Rock `n` Roll eher wie ein vergessenes Juwel aus dem ELO-Songbook anhört. Der „Southern Star“ ist eine berührende Americana-Ballade mit Pedal Steel von Cindy Cashdollar (Bob Dylan, Van Morrison und Rod Stewart) und Klavier, die bezaubernde Anaïs Mitchell und Angie McMahon sind hier erstmals an den Background Vocals zu hören. „Peace Of Mind“, eine weitere gefühlvolle, atmosphärische Ballade zeigt, dass sich der Mann intensiv mit der Wissenschaft der Alchemie und dem Geheimnis des Göttlichen auseinandergesetzt hat. Der verkappte Philosophiestudent erinnert dabei in seiner Sprache ein wenig an Leonard Cohen, die Musik dazu ist aber eher vom Folk-Sound des Lauren Canyon durchdrungen, die Nick-Drake-Gedächtnisgemeinde wird aber ebenfalls seine helle Freude an diesen melancholisch-schwelgerischen Dramoletten haben
Pearl & the Oysters - Planet Pearl (Stones Throw Rec)
Das neue Album von Juliette Pearl Davis und Joachim Polack zeigt sie als schiffbrüchige Weltraumforscher, die auf der Erde gestrandet sind und über ihre eigene Entfremdung vom Planeten nachdenken, während sie sich in einer fremdartigen Welt bewegen. Auch wenn Themen wie Familienkrankheiten oder Neurodivergenz verhandelt werden, klingt die Musk dazu locker und flockig, ein wenig spacig verspuhlt wie ein Soundtrack zu einem 80er Movie, einer Mischung aus Disco, Jazz-Pop, Steely Dan und Air mit flirrenden Synthies, zuckersüßer Stimme zu vertrackten Beats und Rhythms. Überdreht und charmant zugleich.
Pretty Pleas - In Circles & Lines (Konkord)
Wer noch die deutsche Frühneunziger-Kapelle mit dem schönen Namen Cliff Barnes & The Fear Of Winning (spielten damals ein feines Konzert im JuZ Weiden!) kennt, wird diesen amerikanischen, aber in Wien ansässigen Dreier plus Steuerfrau (an den Keyboards) und Joker Paolo Tornitore (an diversen Instrumenten) lieben. Funkelnd-glänzender Indie-Rock -und -Pop, der einst in einer Garage entstanden sein muss, dann aber in einer Glam-Waschanlage seine Taufe erhalten hat, wird hier geboten. Sänger/Gitarrist Daniel Smith changiert dazu herrlich zwischen den Manierismen eines Bryan Ferry und Stuart A. Stables, grummelt aber auch mal herzergreifen soulful wie Kurt Wagner. Die Melodien sind geschliffen und sämig, der Sound klingt herrlich analog und vintage, die Gitarren haben diesen 50er-Jahre Twang, die Orgel wimmert. Die Band bezeichnet diesen Sound als „Moody Art Pop“. Na dann!







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