Wenn geheiratet wird, macht das oft 10 000 Leser neugierig

Oberpfalz
11.11.2022 - 08:24 Uhr

Eine Leserin wünscht sich in ihrer Zeitung „landkreisübergreifende Berichterstattungen“ und weniger Hochzeiten. „Wie bei allen Themen versuchen wir, hier das richtige Maß als Kompromiss zu finden“, antwortet ihr Chefredakteur Kai Gohlke.

Die Silhouette eines frisch vermählten Paares. Hochzeiten sind – oft zum Erstaunen der Redaktion – ein Phänomen in der Berichterstattung. Das Interesse daran ist vor allem auch online nachweislich enorm groß.

Wir möchten, dass uns Leserinnen und Leser frei von der Leber weg sagen, wo sie als Zeitungsabonnent der Schuh drückt. So wie Petra B. es getan hat, die sich an Chefredakteur Kai Gohlke wandte, nicht ohne zu erwähnen, dass es sie "sehr freut", wenn es "die Gelegenheit gibt, die Lesermeinung mitzuteilen". Petra B. wünscht sich "insbesondere mehr Vorabinformationen zu Veranstaltungen im Vereinsleben auch in unseren (kleinen) Orten". Da es immer schwieriger werde, für Ehrenämter jemanden zu finden, und es für Vereine aus finanziellen Gründen immer bedeutsamer werde, Geld durch Veranstaltungen in die Kasse zu bringen, "wäre eine Unterstützung durch ,Werbeartikel' sehr wichtig", sagt sie.

Was in ihren Augen "auch mehr Aufmerksamkeit verdienen würde", wären beispielsweise Beiträge zu Mitarbeiter-Verabschiedungen und -Ehrungen in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Petra B. verweist auf eine Anfrage ihrerseits in der Redaktion zu einem Bericht über die Verabschiedung eines Mitarbeiters, der auf eine über 30-jährige Betriebszugehörigkeit zurückblicken konnte. "Leider wurde es abgelehnt, darüber zu berichten." Angesicht des Personalmangels vor allem in kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben "fände ich solche Wertschätzungen für Mitarbeiter ebenfalls sehr wichtig", schreibt Petra B.

Mehr von den Nachbarn erfahren

Auch würde sie es befürworten, wenn es "mehr landkreisübergreifende Berichterstattungen von angrenzenden Ortschaften" in der gedruckten Zeitung geben würde. "Sehr wenig interessiert mich persönlich, wer wann und wo geheiratet hat. Ich denke, für diese Informationen sind die Zielgruppen jeweils relativ klein", lässt Petra B. die Chefredaktion am Ende wissen.

In seiner Antwort dankte Chefredakteur Kai Gohlke der Leserin für deren Anregungen und machte zunächst auf Folgendes aufmerksam: "Die Möglichkeit, uns ihre Meinung mitzuteilen, haben unsere Leserinnen und Leser 365 Tage im Jahr. Dafür veröffentlichen wir ja regelmäßig unsere Post- und E-Mail-Adressen. Und wir freuen uns über jede einzelne Zuschrift, auch und gerade wenn sie sich kritisch mit unserer Arbeit auseinandersetzt. Mit unserem Leseranwalt haben wir dafür ja sogar eigens eine Stelle als Ansprechpartner geschaffen."

Zum Thema Vereinsberichterstattung erklärte Gohlke: "Wir räumen bereits jetzt jedem Verein die Möglichkeit ein, unentgeltlich Veranstaltungen auf unserer Terminseite anzukündigen. Diese Ankündigungen nehmen schon in dieser knappen Form täglich einen großen Raum in der Zeitung ein, in der Regel eine ganze Seite. Wenn wir aus jedem dieser Termineinträge einen ,Werbeartikel' machen, würde das jeden Rahmen sprengen."

Gohlke weiter: "In vielen Einzelfällen - wenn wir davon ausgehen können, dass die Ankündigung einen etwas größeren Leserkreis auch außerhalb des Vereins interessiert - kündigen wir Veranstaltungen etwas größer an, als separate Meldung. Auch diese Meldungen sind täglich fester Bestandteil des Lokalteils. Würden wir diese noch zahlreicher oder ausführlicher transportieren, entstünde ein Ungleichgewicht zur übrigen Berichterstattung. Insgesamt berichten wir aber sehr regelmäßig und ausführlich über die Aktivitäten der Vereine vor Ort, unter anderem (aber bei weitem nicht nur) in unserer Serie ,Mein Verein'. Dass sich immer weniger Menschen in Vereinen engagieren und bereit sind, dort Ehrenämter zu übernehmen, ist allerdings ein gesellschaftlicher Trend, den wir als Medienhaus auch durch noch so ausführliche Ankündigungen oder Berichte nicht aufhalten können."

Die Verärgerung von Petra B. darüber, dass ein Bericht über die 30-jährige Betriebszugehörigkeit eines Mitarbeiters abgelehnt wurde, könne er verstehen, betonte Gohlke. Trotzdem stehe er voll hinter dieser Entscheidung: "Ich bitte Sie einmal zu bedenken, wie viele Unternehmen es in der Region gibt, die alle jeweils eine große Zahl langjähriger Mitarbeiter beschäftigen. Wenn wir darüber in jedem Einzelfall berichten würden, und das vielleicht auch noch jeweils alle 5 Jahre (also nach 25, 30, 35, 40, 45 Jahren etc.), würde der Lokalteil der Zeitung praktisch aus nichts anderem mehr bestehen. Den Personalmangel in den Unternehmen, der ganz andere, strukturelle Gründe hat, würden wir dadurch trotzdem nicht lindern. Und interessieren würden sich für die einzelnen Berichte, von den unmittelbaren Kollegen und Angehörigen abgesehen, jeweils nur sehr wenige Leser."

Völlig anders sei das übrigens bei Hochzeiten in der Region. Gohlke: "Ihre Annahme, dass dafür die Zielgruppen jeweils relativ klein sind, entspricht nicht unseren Erfahrungen. Im Onetz gehören Berichte über Hochzeiten regelmäßig zu den meistgelesenen Artikeln mit teils mehr als 10 000 Aufrufen. Das können nicht alles nur Verwandte, Freunde und Nachbarn des Brautpaars sein. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Interessen von Zeitungslesern und Onetz-Nutzern sich nicht 1:1 decken, wäre es nach allen Erkenntnissen der Leserforschung völlig unsinnig anzunehmen, dass ein Thema im Onetz so viele Menschen interessiert und gleichzeitig in der gedruckten Zeitung fast niemanden."

Sehr unterschiedliche Sichtweisen

Zur landkreisübergreifenden Berichterstattung gebe es bei den Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Meinungen, machte Kai Gohlke deutlich: "Den einen - vor allem natürlich im Grenzbereich - ist sie wichtig (mir persönlich übrigens auch), viele andere reagieren darauf aber sehr ablehnend. Wie bei allen Themen versuchen wir deshalb, hier das richtige Maß als Kompromiss zu finden."

Abschließend schrieb Gohlke an Petra B.: "Allen kann man es mit einer gedruckten Tageszeitung, die sich ja nicht individuell auf jeden einzelnen Abonnenten zuschneiden lässt, leider nie recht machen. Aber ich versichere Ihnen: Wir geben uns größte Mühe! Dabei helfen uns auch Zuschriften wie Ihre."

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