30.09.2021 - 15:11 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Geliebtes Käffchen – Redakteure und ihr Verhältnis zum schwarzen Gold

Der 1. Oktober ist Weltkaffee-Tag: Ein Grund um es endlich einzugestehen – ohne Kaffee geht in einer Redaktion quasi nichts. Redakteure, Volos und Mediengestalter erzählen ihre Kaffee-Geschichte.

Geliebtes Käffchen!
von Redaktion ONETZProfil

Hafermilch oder nix

Ohne Kaffee geht bei Julian Seiferth wenig, ohne Hafermilch fast gar nichts.

Mein Weg zum Kaffee ist der eines Spätberufenen. Ich war Tee-Trinker, jahrelang – bis ich von der Uni ging. Als ich begann, dieses Journalismus-Ding wirklich ernsthaft zu verfolgen, mussten dann aber schärfere Geschütze her. Es gab dabei nur ein Problem: Ich fand und finde, dass Kaffee widerlich schmeckt.

Die Lösung hieß Milchkaffee. Der Kaffeegeschmack war zumindest neutralisiert, das Koffein aber dennoch im Kreislauf. So weit, so gut, doch der Kaffeekonsum blieb eher moderat bei ein bis zwei Tassen am Tag. Mein Körper gewöhnte sich an den Pegel, ob ich wollte oder nicht. Wie ich das nächste, wohl ungesündere Level freigeschaltet habe? Hafermilch. Die neutralisiert den Kaffee nicht nur, sondern setzt eigene Akzente. Geschmackssache, klar. Und in meinem Fall der Türöffner für mindestens vier Tassen noch vor zehn Uhr am Morgen. (jus)

Bittersüße Erfahrung

Auch wenn der Zucker noch so schön verpackt ist, Kollege Stefan Zaruba trinkt seinen Kaffee ungesüßt. Daran ist ein technischer Defekt schuld.

Nichts liefert so herrlich Stoff für Zoff wie eine steile Geschmacksthese. „Butter unter die Nutella?“ kann ganze Menschheiten spalten. Oder: „Zucker in den Kaffee?“ Niemals!, behaupte ich heute nach jahrzehntelanger Trinker-Karriere. Erwische ich aus Versehen die gesüßte Tasse, krampfen Gesichts- und Gesäßmuskulatur um die Wette.

Doch das war nicht immer so. Käffchen, Cappuccino und Café au Lait meiner Schulzeit mussten noch pappsüß sein. Einstiegsdrogen eben. Bis zu dem Ferienjob bei einer Kunststofffirma. Früh- und Spätschicht im Wechsel. Und ein Kaffee-Automat mit kaputter Zucker-Taste. Das Verlangen obsiegte irgendwann über die Abscheu und ich ließ Bitterbrühe in den Plastikbecher plätschern. Irgendwie brachte ich sie auch runter. Und die nächste. Und die nächste. Bis ich auch außerhalb der Werkshalle nicht mehr anders konnte.

1991 war der Sommer, den der „Bacardi Feeling“-Song prägte. Ich verbinde ihn bis heute nicht mit weißem Rum, sondern mit Kaffee. Gerne weiß – aber stets ohne Zucker. (za)

Lob dem Sekretariat

Friedrich Peterhans ist ohne Kaffee dienstunfähig.

Jede Wette: Der trommelgeröstete Espresso eines Barista, der nach dem Praktikum auf einer Fair-Trade-Plantage vier Seminare bei einem Siebträgermaschinen-Hersteller in Florenz besucht hat, ist bestimmt delikater als jeder Bürokaffee. Trotzdem bleibe ich auf einen Geschmack aus grauer Vorzeit geeicht. Damals hieß Oberpfalz-Medien noch "Der neue Tag", und der Kaffee rann durch einen Filter in der Redaktionsküche in zwei große Metallkannen.

Was beim Druck auf den Deckel rauskam, hat Recherchen gerettet, Ärger gedimmt, Ideen beflügelt und zu guten Gesprächen geführt. Zu verdanken war das einem Trupp inzwischen berenteter oder verstorbener Sekretärinnen. Pardon, das hieß noch nicht Office Managerin. Wie dem auch sei: Es hat geschmeckt, obwohl manche Banausen meinten, es brauche auch Milch und Zucker. Heute kommt der Redaktionskaffee auf Knopfdruck aus einem braunen Kasten. Ich kann nicht ohne seine Hilfe arbeiten. Und ich weiß, dass früher das Meiste nicht besser war als heute. Aber der Bürokaffee schon. (phs)

Drinnen nur Kännchen

Handgefiltert muss er sein, findet Redakteurin Stephanie Hladik.

Ich kann auch mal „ohne“ in den Tag starten. Wenn aber Röstaromen meine Nase kitzeln, dann ist es um mich geschehen. Tiefschwarz und heiß muss der Kaffee dann unbedingt sein. Und am Nachmittag dazu am liebsten noch ein süßes Stückchen. Hüftgold hin oder her. Das Kaffeekränzchen muss zelebriert werden wie früher zu Hause beim Sonntagskaffee mit Oma und Opa.

„To go“ aus welchem Automaten auch immer, erweist sich allenfalls bei langen Autofahrten als Retter in der Not. Für mich kein Ersatz für den Genuss eines traditionellen Käffchens. Ich schwör auf frisch gemahlene Bohnen kräftig geröstet, auf klassische Handfilter aus Porzellan und am besten noch vorgewärmte Kaffeekannen. Von denen habe ich dank zahlreicher Flohmarktbesuche mittlerweile ein buntes Sammelsurium aus verschiedenen Jahrzehnten. Schließlich ist Weiden Porzellanstadt. Und für jede Stimmung das passende Kännchen erhöht noch einmal den Spaß am schwarzen Wachmacher. (shl)

Kaffee? Nur noch zu besonderen Anlässen

Volontärin Katrin Pasieka-Zapf trinkt Kaffee nur noch zu besonderen Anlässen.

Zugegeben: Ein richtiger Kaffeejunkie war ich nie. Aber den Tag mit einem Haferl Kaffee zu beginnen, das ist schon ein tolles Gefühl. Um bis zum Feierabend fit zu bleiben, gab es am Nachmittag die zweite Portion. Das änderte sich am Aschermittwoch vor zwei Jahren. Ich beschloss Kaffee zu fasten. 40 Tage ohne den Muntermacher, das sollte doch wohl möglich sein, oder? Die ersten drei Tage waren eine Katastrophe. Kopfweh, Übelkeit, zitternde Hände. Mein Körper war auf Entzug. Dann wurde es besser. Dann der große Tag: Ostersonntag. Endlich wieder Kaffee – dieser Duft, herrlich. Doch die Freude hält nur kurz an: wieder Kopfweh, Herzrasen und Zitterhände. Auf das schwarze Gold verzichte ich seitdem. Stattdessen macht mich Earl Grey am Morgen munter. Kaffee, Cappuccino, Latte macchiato und Co. gibt es nun nur noch zu besonderen Anlässen, zum Beispiel an Geburtstagen oder im Café mit Freunden. (kaz)

Ein Vollautomat als Volltreffer

Corinna Schärtl

„Der erste Liter Kaffee des Tages ist der Wichtigste.“ Das Zitat stammt nicht von mir, trifft aber ziemlich gut auf mich zu. Vor allem am Morgen sind er und sein Koffein zu ganz wichtigen „Motivationshilfen“ geworden. Das war nicht schon immer so. Das eine oder andere Tässchen habe ich mir zwar auch in der Vergangenheit ganz gerne gegönnt, richtig auf den Geschmack hat mich aber erst mein lieber Mann gebracht. Witzigerweise trinkt er selbst überhaupt keinen Kaffee. Aber er macht sehr gute Geschenke. Und im vergangenen Dezember erfüllte er mir einen langgehegten Wunsch zum Geburtstag/Weihnachten: Ein wirklich guter Vollautomat von Jura. Mit diesem Geschenk hat mein Mann einen echten Volltreffer gelandet. Denn seit ich wenig später herausgefunden hatte, dass ich nun auch zu Hause Kaffee bekommen kann, der wie vom italienischen Barista schmeckt, bin ich wirklich auf den Geschmack gekommen - und freue mich schon beim Aufstehen auf den ersten Liter. ;-) (Corinna Schärtl)

Lebenslange, loyale Liebe

Morgens, mittags, abends - der Kaffee ist immer dabei.

Morgens, mittags, abends – und am besten zwischendurch auch. Für viele ist Kaffee … einfach Kaffee. Für mich ist er mein treuer Wegbegleiter, Glücklichmacher, mein hartnäckiger Energiebringer, meine Wärmflasche. Seit ich ihn vor Jahren das erste Mal probiert habe, lässt er mich nicht mehr los. Meine längste, loyalste Beziehung sozusagen. Wir haben viel gemeinsam erlebt, haben uns in fremden Ländern neu kennengelernt. Wir waren vornehm in Wien, haben in Amsterdam den Trubel der Stadt an uns vorbeiziehen lassen, entspannten in Kreta im warmen Sand am Meer. Wir sind zusammen erwachsen geworden – und haben uns nach und nach auf das Wesentliche konzentriert. Schnickschnack wie Zucker oder Milch haben wir hinter uns gelassen. Geblieben ist der pure Kaffee-Genuss. Stark und unverfälscht. Warum diese Liebe ein Leben lang halten wird? Ganz einfach. Weil sie nie langweilig wird. Ich entdecke immer wieder neue Seiten an meinem Wegbegleiter, kann mich stundenlang in Zubereitungsvarianten verlieren und will nie wieder auf unsere gemeinsamen Momente verzichten. (juh)

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Wolfgang Ruppert.

Weil ich mich manchmal für einen ziemlich genialen Menschen halte, habe ich einmal versucht, meinen Kaffee phänomenologisch zu beschreiben. Neulich habe ich einen Kaffee durch meine Maske getrunken. Das lässt mich an meiner ersten Behauptung zweifeln. Sei's drum. Ich trinke Kaffee – sehr, sehr viel Kaffee. Angefangen hat es, als ich damals für das Abi gelernt hatte und mir dachte: puh, jetzt könnte ich mal was gebrauchen, was mich wach macht. Geklappt hat das natürlich nicht, damit aufgehört habe ich aber auch nicht mehr. Das geht mittlerweile schon so lange, dass ich mit schwarzem Kaffee (meiner Meinung nach die einzige Art, wie man ihn trinken sollte) ganz unterschiedliche Dinge verbinde. Übertrieben stark und im Filter gebrüht erinnert mich an einen Besuch bei meiner Oma. Guter Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen lässt mich an gemütliche Samstagvormittage mit meiner Frau denken. Bei Kaffee, bei dem ich mit manchmal nicht sicher bin, ob nicht eine ordentliche Portion Matschwasser mit drinnen ist, habe ich sofort die Gespräche mit Kollegen im Büro im Kopf. (wpt)

Die schwarze Brühe der Justiz

Redakteurin Christine Ascherl trinkt am liebsten die "schwarze Brühe" der Justiz.

Das Fuffzgerl in der Hosentasche ist Pflicht beim Eintritt in das Weidener Gerichtsgebäude. Genau so viel kostet ein Kaffee aus dem Automaten in der hinteren Ecke der Eingangshalle. 50 Cent einwerfen, Produkt aussuchen ("Kaffee schwarz"), Start drücken - und schon ploppt der Plastikbecher in die Halterung. Heiße, schwarze Brühe mit dick Schaum fließt rein - das ist die Spezialität des hiesigen Gerichts. Es gäbe tatsächlich auch "Suppe". Die läuft dann aus dem gleichen Tropf. Hat die vorher einer gewählt, schmeckt der Kaffee nach Maggie. Macht nichts, man gewöhnt sich dran. So sehr, dass in den Verhandlungspausen ein kleiner Run entsteht. Schwarze Roben flattern die ellenlange Treppe ins Erdgeschoss, um erster zu sein, damit die Zeit für eine Zigarette auch noch reicht. Mit dem Kaffee ist es wie mit dem Rauchen: Fünf Minuten Paragraphenpause. Fünf Minuten Smalltalk über Kinder, Ehefrauen, Urlaube und den Kaffee der Justiz, den man eigentlich "echt nicht trinken kann". Tut allen gut. (ca)

Der Tag, an dem mein Vollautomat den Geist aufgab

Kaffeeglück am frühen Morgen sieht für Michaela Lowak anders aus.

Kollegen, die am späten Nachmittag noch zum Kaffeeautomaten stürmten, habe ich bislang immer belächelt. Ich trinke ja nur am Morgen Kaffee, also kann die Sucht nach Koffein gar nicht so groß. Dachte ich zumindest. Doch als vor einer Woche mein Vollautomat den Geist aufgab, kam auch bei mir Panik auf.

Da ich vorerst keine teure Maschine mehr kaufen will, probiere ich es auf andere Art und Weise. Für den French-Press-Kaffee braucht's nur eine Kanne, Kaffeepulver und heißes Wasser. Denkste! Ich habe alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Der erste Versuch schmeckte grauenhaft. Inzwischen weiß ich es: Das Wasser darf nicht kochend heiß sein. Eine Prise Salz nimmt dem Kaffee das Bittere. Und ganz wichtig: Mindestens 4 Minuten ziehen lassen. Seit ein paar Tagen schmeckt der Kaffee halbwegs wieder. Doch irgendwann werde ich mir wieder einen Vollautomaten anschaffen. (mic)

Kaffee richtig gemacht: Keine Wissenschaft für sich

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Was macht eigentlich eine Barista?

Amberg
Hintergrund:

5 Fakten über Kaffee

  • Woher genau der Begriff „Kaffee“ kommt ist unklar. Verbreitet ist die Ableitung des arabischen „Kahwe“ oder „Qahwa“. Das bedeutet so viel wie Lebenskraft oder Stärke.
  • Die Kaffeebohne ist eigentlich gar keine Bohne, sondern der Samen der Kaffeekirsche. Denn Kaffee entsteht aus knallroten Früchten und zählt somit zu den Steinfrüchten.
  • In Bremen gab es im Jahr 1673 das erste Kaffeehaus in
  • Eine Legende besagt, dass der Kaffee von einem Hirten namens Kaldi im 9. Jahrhundert in Äthiopien entdeckt wurde. Angeblich soll er seine Ziegen beobachtet haben, wie sie nach dem Verzehr von Kaffeekirschen munter wurden und umhersprangen.
  • Die erste Webcam wurde 1991 entwickelt, weil Wissenschaftler der Uni Cambridge den Füllstand einer Kaffeekanne überprüfen wollten, um nicht immer vergeblich dorthin zu laufen.
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