02.07.2019 - 10:54 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Gewitter kann man nicht berechnen

Der Deutsche Wetterdienst warnte am Montag vor schweren Unwettern. Wenige Stunden später wurde die Warnung für einige Orte zurückgenommen. Warum ist das so? Und wie entsteht Hagel? Wetterexperte Andy Neumaier gibt Antworten.

Dunkle Unwetterwolken ziehen über ein Maisfeld hinweg.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Überschwemmte Straßen und Blitzeinschläge. In Bayern haben am Montag und in der Nacht auf Dienstag Unwetter getobt. In der nördlichen Oberpfalz war davon nur wenig zu spüren. Wetterexperte Andy Neumaier erklärt, warum das so ist.

ONETZ: Warum gewittert es in einem Ort sehr stark und nur ein paar Kilometer weiter ist nichts mehr davon zu spüren?

Andy Neumaier: Das ist bei Gewitterwetter geradezu typisch. Jeder, der schon öfter mal auf dem Handy ins Radar gesehen hat, der hat auch schon festgestellt, dass ein Gewitter mal kommt, oder mal eben knapp vorbeizieht. Das sind Naturlaunen, die man nicht berechnen kann. Man kann mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten, inwieweit denn die Zutaten für Gewitter da sind. Wo sich die Gewitterwolke dann entwickelt, weiß man erst, wenn sie da ist. Und mitunter ist so eine Gewitterzelle dann auch nur ein paar Kilometer groß, trifft also nur wenige, diese wenigen dann aber heftig.

Unwetter über Bayern

Bayern

ONETZ: Ab wann kann man mit hoher Präzision vor einem Gewitter warnen?

Andy Neumaier: Man kann in den zwei bis drei Vortagen erkennen, wann die Wetterlage generell Gewitter hergibt, und in etwa die Regionen abstecken. Dann muss man auf den Tag X warten. Wenn dann die ersten Gewitterwolken entstanden sind, kann man mit den Höhenwinden auch in etwa berechnen, wohin sie ziehen. Das ist meist erst ein bis zwei Stunden, manchmal auch erst 30 Minuten vor Eintreffen des Gewitters der Fall. Und selbst wenn man dann in der Zugbahn des Gewitters liegt, kann es sich ja immer noch auflösen. Es ist also schon eine Schätzerei mit diesen Unwettern, weshalb viele immer den Eindruck haben, dass zu viel gewarnt wird, und dann nix kommt. Irgendwo in einem Warngebiet kommt es dann aber doch.
Die Wahrscheinlichkeit selbst den Volltreffer über der eigenen Hütte abzubekommen ist in einem Gebiet wie der Oberpfalz aber gar nicht mal so hoch. Aber dass es bei einer Unwetterwarnung irgendwo in der Oberpfalz wütet, das ist dagegen doch recht wahrscheinlich.

ONETZ: Wie kann aus einem kleinen Wassertropfen ein fünf Zentimeter großes Hagelkorn werden?

Andy Neumaier: Die Frage ist quasi falsch rum gestellt. Jeder Regentropfen ist erstmal Eis, oben in der Gewitterwolke herrschen nicht selten unter -50 Grad.
Aus dem oberen Teil der Gewitterwolke fallen Eisteilchen nach unten, werden von Aufwinden erfasst, wieder hochgewirbelt, klumpen dabei immer mehr zusammen. So hat man ein klassisches Hagelkorn, das eben irgendwann so schwer wird, bis es auch der Aufwind einer Gewitterwolke nicht mehr oben halten kann.
Dann fällt der Brocken nach unten. Das Verhältnis aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit im unteren Teil der Gewitterwolke bestimmt dann, wie schnell der Klumpen schmilzt, und ob er entsprechend als Eisbrocken oder als Regentropfen auf den Boden fällt.
Je stärker der Aufwind in der Gewitterwolke, desto länger hat das Ding Zeit sich immer weiter zu verklumpen, oben zu halten, und als mächtiges Hagelkorn irgendwann zu Boden zu stürzen.

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