22.07.2020 - 13:53 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Grippeimpfung in der Apotheke: Oberpfalz soll Testregion werden

Der Bezirk ist für ein Pilotprojekt vorgesehen: Die Oberpfalz soll die bayerische Modellregion für Grippeimpfungen in Apotheken werden. Betroffene schwanken zwischen Freude, Skepsis und strikter Ablehnung.

Die Bundesregierung will künftig auch Apotheker gegen die Grippe impfen lassen. Die Oberpfalz soll deshalb Modellregion werden.
von Julian Trager Kontakt Profil

In der Oberpfalz können sich Erwachsene wohl künftig in Apotheken gegen das Grippevirus impfen lassen. Der Bezirk ist als einzige Modellregion in Bayern vorgesehen, bestätigt Thomas Metz, Pressesprecher des bayerischen Apothekerverbands eine entsprechende Meldung des Bayerischen Rundfunks. Momentan werde noch mit der AOK Bayern verhandelt, weswegen es noch keinen genauen Zeitplan gebe.

Bisher ist eine Grippeimpfung nur beim Arzt möglich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das ändern und erhofft sich dadurch eine gesteigerte Impfrate – jährlich sterben in Deutschland bis zu 20 000 Menschen an der Grippe. Aber wie sehen Betroffene das Vorhaben? Apotheker und Ärzte aus der Oberpfalz sind sich darüber nicht einig.

Apotheker ist "gespalten"

Martin Wolf von der Rosen-Apotheke in Vohenstrauß ist Bezirksvorsitzender des bayerischen Apothekerverbands und „in der Frage gespalten“, wie er sagt. Anfangs sei er dagegen gewesen, vor allem weil der Apotheker durch die möglichen neuen Privilegien die bisher „gute und wichtige Zusammenarbeit mit den Ärzten“ nicht aufs Spiel setzen möchte. Aus der Ärzteschaft gab es nämlich von Anfang an scharfe Kritik an dem Plan. Unter anderem wurde befürchtet, dass den Ärzten Patienten verloren gehen.

Weil in anderen Ländern aber gute Erfahrungen mit Impfungen in Apotheken gemacht wurden, sieht es Wolf mittlerweile positiver. „Wir erreichen andere Patienten“, sagt er. Menschen, die nicht eine Stunde im Wartezimmer der Praxis ausharren wollen. Und: „Die Impfung rückt dadurch wieder stärker in Fokus.“ Das sei gut. Deswegen findet er das Vorhaben nun „begrüßenswert für die Volksgesundheit“.

Zwei Tage Schulung

Christian Bauer von der Löwen-Apotheke in Burglengenfeld ist Sprecher des Schwandorfer Apotheker-Kreisverbands, er sagt: „Es ist Zeit geworden. Der Plan ist hervorragend und sinnvoll.“ Die Apotheker sollen entsprechend ausgebildet werden, praktisch und theoretisch. „Eineinhalb bis zwei Tage, ein Webinar und eine ganztägige Fortbildung“, sagt Bauer.

"Patientensicherheit in Gefahr"

Dr. Martin Pöllath, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Amberg-Sulzbach ist gegen den Plan: „Impfungen sollten auch in Zukunft nur von Ärzten durchgeführt werden.“ Es bestehe eine Gefahr für die Patientensicherheit. „Allergische Reaktionen, die sofortige Notfallmaßnahem erfordern, sind zwar sehr selten, bedürfen aber im Fall des Falles sofortiger, ärztlicher – ich betone – ärztlicher Gegenmaßnahmen.“ Der Mediziner aus Sulzbach-Rosenberg, der überzeugte Impfbefürworter ist, sieht keinen Bedarf, Impfungen in Apotheken durchführen zu lassen. „Wir haben genügend impferfahrene Ärztinnen und Ärzte in unserem Land.“

Der Burglengenfelder Apotheker Christian Braun sieht die Sicherheit der Patienten nicht in Gefahr. „Das ist eine theoretische Diskussion. Die Grippeimpfung ist sehr gut verträglich“, sagt er.

Bisher gibt es in Deutschland vier solcher Impf-Modellregionen, alle sind in Nordrhein-Westfalen. Die Impfung kostet dort 12,81 Euro, haben Apotheker und AOK, die die Kosten übernimmt, vereinbart. „Ich hoffe, dass das bei uns ähnlich wird“, so Bauer über die Kostenhöhe.

Die Oberpfalz wurde als bayerische Modellregion ausgewählt, weil sie mit der Großstadt Regensburg und dem ländlichen Raum einen "relativ guten Querschnitt" zulässt, erklärt Apothekerverbandssprecher Thomas Metz.

Der beste Schutz vor Influenza ist die Impfung, sagen Experten.

Amberg
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