02.03.2021 - 18:01 Uhr
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Impfzentren in der Region: "Könnten noch deutlich mehr von Astrazeneca verarbeiten"

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Hunderttausende Astrazeneca-Dosen verstauben in Deutschland unverbraucht. Markus Söder will deshalb die Impfreihenfolge kippen. In den Impfzentren der Region ist man da skeptisch. Mit Astrazeneca gebe es in der Nordoberpfalz keine Probleme.

Im Amberg-Sulzbacher Impfzentrum bleibt keine Impfdose übrig. Auch keine von Astrazeneca.
von Julian Trager Kontakt Profil

In den Impfzentren der Nordoberpfalz hält man von der Idee von Markus Söder, die Impfreihenfolge aufzulockern, nicht besonders viel. "Es ist so, dass schon jetzt hohe Verunsicherung herrscht, wer, wann geimpft werden kann", sagt dazu Holger Schedl, Tirschenreuther BRK-Kreisgeschäftsführer und damit zuständig für das Impfzentrum in dem Landkreis, der seit Wochen als Corona-Hotspot gilt. "Jede politische Aussage schlägt sich in der Hotline des Impfzentrums nieder und weckt Erwartungen, die nach geltender Impfverordnung nicht erfüllt werden können." Und: Eine solche Änderung "ist nicht gerechtfertigt und erschwert den Zugang der Personen mit Impfansprüchen hoher und erhöhter Priorität zu einer Impfung".

Söder hatte vorgeschlagen, die Impfreihenfolge für den britischen Impfstoff Astrazeneca zu verändern. "Bevor er liegen bleibt, impfen, wer will", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". Auch andere Länderchefs unterstützen diese Idee. Hintergrund ist, dass in Deutschland Hunderttausende Astrazeneca-Dosen unverbraucht herumliegen. In der Nordoberpfalz ist das allerdings nicht der Fall, wie die Impfzentren berichten.

"Keine Lotterie daraus machen"

Sebastian Schaller, BRK-Geschäftsführer des Kreisverbands Amberg-Sulzbach in Amberg, sieht den Vorschlag für die Stadt und den Kreis ebenfalls problematisch. "Wir stellen keine nennenswerte Ablehnung des Impfstoffes von Astrazeneca fest und haben keine Probleme dabei, die Impfstoffdosen entsprechend der Vorgaben der Coronavirus-Impfverordnung zu verwenden", erklärt er. "Wir könnten auch noch deutlich größere Mengen des Impfstoffes von Astrazeneca wöchentlich verarbeiten." Da bleibe nichts übrig. "Wir verbrauchen jegliche Lieferung von Astrazeneca innerhalb von weniger als einer Woche." Mit dem Impfstoff gebe es keine Probleme. "Weniger als eine von hundert Personen entscheidet sich vor Ort gegen eine Impfung mit diesem Impfstoff."

Sollte im Landkreis die Impfreihenfolge für Astrazeneca aufgelöst werden, würde das den Zugang von Personen, die aus gutem Grund einen höher priorisierten Impfanspruch haben, erschweren. "Das würde ich für ethisch sehr bedenklich halten, weil diese Gruppen – zumindest bei uns im Landkreis – durchaus ein Interesse an diesem Impfstoff haben." Von einer "Verlosung" des Impfstoffs hält Schaller gar nichts. "Wir haben die Möglichkeit, zielgerichtet die Personen zu impfen, die es am nötigsten haben. Es gibt keinen Grund, da eine Lotterie draus zu machen."

Ende der Woche 1000 zusätzliche Dosen

Auch im Tirschenreuther Impfzentrum bleibt kein Astrazeneca-Impfstoff liegen. "Wir haben aktuell den kompletten Impfstoffvorrat verplant und auch keine Restbestände", erklärt BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl. Ende der Woche erwarte man die 1000 zusätzlichen Dosen Astrazeneca für die Grenzlandkreise. "Damit werden wir über das Wochenende und zum Wochenstart ein gutes Impfangebot vorbereiten können." Bisher sei allerdings unklar, ob in den 1000 Impfdosen die Zweitimpfungen zu berücksichtigen sind. Daher könne die Planung aktuell noch nicht über die volle Menge erfolgen.

Der britische Impfstoff wird von den Tirschenreuthern gut angenommen, sagt Schedl. Am Anfang habe es zwar ein paar wenige Impfwillige gegeben, die eine Impfung mit Astrazeneca ablehnten. Es sei nur vereinzelt vorgekommen, dass jemand einen vereinbarten Impftermin deshalb nicht wahrnahm. Aber: "Das war zu vernachlässigen, weil viele andere auf den Termin gewartet haben." Aktuell gebe es damit keine Probleme.

Im Impfzentrum Weiden-Neustadt/WN bleibt ebenfalls kein Impfstoff liegen. "Die bisher zugeteilten Impfstofflieferungen, egal von welchem Hersteller, haben wir stets unverzüglich verimpft", sagt Roswitha Ruidisch, Pressesprecherin der Stadt Weiden. Es habe zwar schon Bedenken gegen Astrazeneca gegeben, aber die "können nach Aufklärung durch unsere Impfärzte zumeist zerstreut werden".

Astrazeneca ist besser als sein Ruf

Amberg
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