24.02.2021 - 18:55 Uhr
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Astrazeneca-Impfstoff besser als sein Ruf

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Ein Impfstoff im Dauerfeuer der Kritik: Das Corona-Vakzin des Herstellers Astrazeneca soll nicht besonders wirksam sein, dafür aber heftige Nebenwirkungen haben. Was ist an den Vorwürfen dran?

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird jetzt auch in Deutschland verwendet.. Doch nicht jeder möchte ihn haben.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Dr. Roland Brey, der Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach, hilft bei der Einordnung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca.

ONETZ: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca kommt nicht heraus aus den Schlagzeilen. Jetzt werden Klagen laut, dass nach der Impfung teils heftige Nebenwirkungen auftreten sollen. Spricht das eher für oder gegen das Präparat?

Dr. Brey: Leider ist in der Kommunikation in Sachen Astrazeneca von Anfang an wohl einiges schiefgelaufen, das muss man so sagen. Richtig ist: Alle Corona-Impfstoffe rufen stärkere Reaktionen hervor. Bei Biontech beobachten wir das eher nach der zweiten Impfung, bei Astrazeneca schon nach der ersten. Aber: Damit war zu rechnen und es ist eigentlich ein gutes Zeichen.

ONETZ: Was sind das für "Nebenwirkungen" und wieso sind sie positiv zu sehen?

Dr. Brey: Es sind keine ernsthaften Geschichten, das ist zwar nicht schön, aber nach ein bis zwei Tagen ist normalerweise alles vorbei. Die Reaktionen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, manchen tut der Arm weh, andere haben Grippe-Symptome. Jüngere Menschen scheinen heftiger zu reagieren, das liegt aber einfach an ihrem Immunsystem, das noch stärker ist. Die Reaktion zeigt, dass der Impfstoff wirkt.

ONETZ: Dabei soll das Vakzin von Astrazeneca aber doch längst nicht so umfassend vor einer Covidinfektion schützen wie die Impfstoffe von Biontech und Moderna?

Dr. Brey: Astrazeneca setzte bei der Entwicklung seines Impfstoffes auf das herkömmliche Prinzip, brauchte etwas länger als die Konkurrenten und die Testdaten ließen zunächst Zweifel an der Wirksamkeit aufkommen. Aber es ist eigentlich noch zu früh, das abschließend zu beurteilen, man muss einfach länger warten, wie sich alles entwickelt. Allgemein lässt sich sagen: Die Wirksamkeit des Produkts von Astrazeneca liegt in einem Bereich, den die Grippeimpfung oft gar nicht erst erreicht. Das Risiko einer Covid-Infektion ist um 60 bis 70 Prozent vermindert. Nicht ganz klar ist der Schutz gegen die neuen Virusvarianten. Da müssen wir erst Daten sammeln, das ist ja alles noch ganz neu. Und: Studien an mehreren 1000 Menschen, wie wir sie jetzt bei den Covid-Impfstoffen haben, sind nicht mit Erfahrungswerten vergleichbar, die wir bei anderen Impfungen gesammelt haben und in die Millionen gehen.

Die Wirksamkeit des Produkts von Astrazeneca liegt in einem Bereich, den die Grippeimpfung oft gar nicht erst erreicht.

Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach

Dr. Roland Brey, Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach

ONETZ: Manche wollen auf eine Impfung mit dem Produkt von Astrazeneca lieber verzichten, wie beurteilen Sie das?

Dr. Brey: Das halte ich für problematisch. Der Impfstoff ist nicht schlecht, und ein Verzicht auf Impfungen macht die Rückkehr zur Normalität für uns unmöglich. Im Moment haben wir eine Situation, wo die einen eine Impfung möchten, aber keine bekommen, und andererseits Menschen sich impfen lassen können, aber nicht wollen. Der große Vorteil von Astrazeneca ist außerdem, dass damit auch Hausärzte gut impfen können, weil er nicht so aufwändig gelagert und transportiert werden muss. Außerdem: Wir wissen es doch noch gar nicht, vielleicht sind alle Impfstoffe nicht zu 100 Prozent ideal - aber alle vermindern sie das Risiko einer Covid-Infektion sowie eines schweren Verlaufs.

Impfpass: Das gilt bei der Corona-Impfung

Tirschenreuth

Infos zum Impfstoff beim Paul-Ehrlich-Institut

Hintergrund:

Häufige Impfreaktionen

In der EU ist der Covid-19-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca seit Ende Januar zugelassen, in Deutschland jedoch nur für die Bevölkerungsgruppe der 18- bis 65-Jährigen. In klinischen Prüfungen waren die am häufigsten berichteten Impfreaktionen bei den Geimpften laut Paul-Ehrlich-Institut:

  • Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle (mehr als 60 %)
  • Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Ermüdung (mehr als 50 %)
  • Muskelschmerzen und Krankheitsgefühl (mehr als 40 %)
  • Fiebrigkeitsgefühl und Schüttelfrost (mehr als 30 %)
  • Gelenkschmerzen und Übelkeit (mehr als 20 %)

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