18.02.2021 - 15:52 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kein oder doppelter Impfpass: Was bedeutet das für die Corona-Impfung?

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Jede Impfung in Deutschland wird in der Regel in einen Impfpass eingetragen. Aber nicht jeder hat das wichtige Dokument verfügbar oder hat gleich zwei davon. Was gilt es bei der Corona-Impfung zu beachten?

Nicht jeder, der sich impfen lassen will, hat auch einen verfügbaren Impfpass. Doch was bedeutet das für die Corona-Impfung?
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Ein Impfpass gehört neben dem Personalausweis oder der Geburtsurkunde mit zu den wichtigsten Dokumenten. So könnte man meinen, dass er bei jedem griffbereit in einer Schublade zu Hause liegt, oder? Weit gefehlt: Wie eine Forsa-Umfrage der Techniker-Krankenkasse von 2019 belegt, hat jeder Achte keinen Impfpass. Bei Alleinlebenden ist es sogar jeder Fünfte. Anders verhält es sich bei Menschen, die in einem Haushalt mit drei bis fünf Personen leben. Hier haben 95 Prozent einen Impfausweis. Eine Statistik für den Landkreis Tirschenreuth gibt es hier nicht. "Vom Gefühl her würde ich sagen, dass jeder fünfte Patient keinen und jeder dritte einen neu ausgestellten Impfpass in die Praxis mitbringt", sagt Dr. Peter Deinlein aus Kemnath.

Neuer Impfpass ausgestellt

Dies war auch ein Problem im Rahmen der Umsetzung des Masernschutzgesetzes, das seit März 2020 gilt. Das Gesetz soll den Schutz vor Masern in Kindergärten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen sowie in medizinischen Einrichtungen fördern. Es sieht vor, dass Kinder ab dem ersten Lebensjahr beim Eintritt in Kita, Kindergarten oder in die Schule eine Masern-Impfung vorweisen. Genauso betrifft das Gesetz Menschen, die nach 1970 geboren wurden, die in gemeinschaftlichen oder medizinischen Einrichtungen arbeiten, wie Erzieher, Lehrer und medizinisches Personal.

"Hier hatten viele keinen Impfpass mehr dabei", erinnert sich Deinlein. Es wurde im Zuge dessen häufig ein neuer Impfpass ausgestellt. "Es kommt häufiger vor, dass Impfungen aus verschiedenen Gründen nicht mehr nachvollziehbar sind." Das bedeutet aber auch einen großen Aufwand für das Praxispersonal.

Nicht durchgeführt

Unter anderem sind Ärzte und Patienten verpflichtet, Unterlagen nur für zehn Jahre aufzubewahren. Das Problem: Was nicht mehr dokumentiert ist, wird entsprechend als nicht durchgeführt erachtet. Gegebenenfalls müssen bereits gemachte Impfungen wiederholt werden. "Männer haben häufig einen Impfpass der Bundeswehr", weiß Deinlein. "Dort wurde der Impfschutz aber noch einmal komplettiert." Aber was passiert, wenn sich Personen nun gegen das Coronavirus impfen lassen wollen und keinen Impfpass dabei haben? Dr. Deinlein war im Januar auch bei den Impfaktionen in den Altenheimen in Kemnath dabei: "Es war kein Hindernis, wenn jemand keinen Impfpass dabei hatte", sagt er.

"Die erfolgte Impfung gegen Covid-19 sollte unbedingt auch dem Hausarzt mitgeteilt werden."

Dr. Peter Deinlein

Dr. Peter Deinlein

Jeder erhält Bescheinigung

Bei der Corona-Impfung durch die mobilen Impfteams oder im Impfzentrum Waldsassen wird in der Regel die Impfung in den Pass eingetragen. "Bei jedem Termin gibt es zudem für jeden eine Impfbescheinigung", erklärt Melissa Wagner, die das Impfzentrum für das BRK leitet. Dort wird auch die Chargennummer der Impfung hinterlegt, wovon jeder Geimpfte eine Kopie erhält. "Da stehen alle Details sehr gut dokumentiert. Die Bescheinigung gilt auch als Ersatzbescheinigung, wenn jemand keinen Impfpass dabei hat", sagt sie. Die Daten können zudem später in den Pass nachgetragen werden.

Ein neuer Impfpass wird im Impfzentrum nicht ausgestellt. "Die erfolgte Impfung gegen Covid-19 sollte unbedingt auch dem Hausarzt mitgeteilt werden, damit dieser die Dokumentation ergänzen kann", betont Deinlein. Er weist zudem darauf hin, dass sich Personen 14 Tage vor der Corona-Erstimpfung nicht anderweitig impfen lassen sollten. Das gelte auch zwischen der Erst- und Zweitimpfung. "Das kann beim Impftermin zum Ausschluss führen", sagt er.

Doch was geschieht nach der Impfung? Sollte es Privilegien für Geimpfte geben? Dr. Deinlein ist dagegen. So ist bislang noch unklar, ob eine geimpfte Person ansteckend sein kann oder auch wie lange der Impfschutz anhält. "Gerade bei Schutzimpfungen wäre aber eine zentrale Erfassung wichtig, worauf Patient und betreuende Ärzte Zugriff haben", sagt Deinlein. In Deutschland soll im Rahmen der elektronischen Patientenakte auch ein digitaler Impfpass verfügbar sein. Die Einführung ist zum Jahreswechsel gestartet. Die elektronische Patientenakte bietet Menschen auf freiwilliger Basis an, ihre Gesundheitsdaten digital zu hinterlegen.

So verlaufen die Corona-Impfungen im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

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