14.01.2020 - 19:41 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Kaum Bürgermeisterinnen im Land: Frauen verzweifelt gesucht

Lediglich zehn Prozent der Bürgermeister in Bayern sind weiblich. Der Gemeindetag hätte gerne mehr Frauen an der kommunalen Front - doch die lassen sich bitten. Aus gutem Grund.

Bürgermeisterinnen aus der Region Amberg-Sulzbach 2018 zu Besuch an der OTH Amberg-Weiden. Nur 10 Prozent der Bürgermeister in Bayern sind weiblich.
von Anna Dobler Kontakt Profil

Sie heißen Walter, Andreas oder Christian, selten Waltraud, Andrea oder Christina: Frauen sind auf den Chefsessel in den Rathäusern noch immer die Ausnahme. Aktuell sind nur rund zehn Prozent der Bürgermeister in Bayern weiblich und auch kommunale Gremien sind überwiegend männlich besetzt.

Mit der bevorstehenden Wahl zeichnet sich zwar ein Generationenwechsel ab - fraglich allerdings, ob dann deutlich mehr Frauen zum Zug kommen. "Nach jetzigem Stand hören 43 Prozent der Bürgermeister auf. In den Parlamenten erwarten wir einen Wechsel von 60 Prozent", rechnet Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetags, gegenüber Oberpfalz-Medien vor.

Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetags wünscht sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik.

Sein Augenmerk lag zuletzt vor allem auf der Frage, ob es überhaupt ausreichend Kandidaten gibt. Denn während Wähler in den Städten oft zwischen vier oder mehr potenziellen Bürgermeistern entscheiden können, ist es in ländlichen Regionen schwierig, überhaupt Freiwillige zu finden. "Im November hatten wir noch große Sorgen, aber nun gehen wir davon aus, dass es uns gelingt", so Brandl.

Kein Ort muss ohne Oberhaupt bleiben

Ein bisschen Zeit bleibt noch, denn die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen endet am 23. Januar. Konkret geht es noch um rund ein Dutzend Standorte, wo voraussichtlich überparteiliche Einheitslisten oder nur ein Kandidat antreten werden. Gerne hätte der Verband mehr weibliche Herausforderer gesehen, aber: "Es ist nicht einfach, Frauen für das Amt zu begeistern." Die Gründe dafür seien unterschiedlich: Sie hätten mehr Scheu, in die Politik zu gehen oder die Sorge, dass sie Familie und Amt nicht unter einen Hut bekommen. "Ich habe Gespräche mit fast 70 Frauen geführt, um sie zu einer Kandidatur zu bewegen", ist der CSU-Politiker resigniert, übriggeblieben seien sechs.

"Frauenquote ist der falsche Weg"

Eine Quote für Kommunalparlamente halte er für den falschen Weg: "Wir brauchen in erster Linie Kompetenz, unabhängig vom Geschlecht und ein Umdenken beim Wähler: Wer Frauen will, muss ihnen auch die Stimme geben."

Parksteins Bürgermeisterin Tanja Schiffmann ist seit 2014 im Amt.

Am Ungleichgewicht stört sich auch Tanja Schiffmann, CSU-Bürgermeisterin in Parkstein (Kreis Neustadt/WN). Das würde auch daran liegen, dass Frauen anders behandelt, viel stärker beobachtet werden als ihr männlichen Kollegen. Sie überlegen daher länger, ob sie sich so ein Amt zutrauen. "Ein Mann prescht da nach vorne - und das bei gleicher Kompetenz."

Bürgermeisterin Margit Kirzinger (2. v. li) aus Waidhaus hofft auf mehr weibliche Kandidaten.

Die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht ihre SPD-Kollegin Margit Kirzinger aus Waidhaus als Hauptproblem. Ein Vorteil von mehr Frauen in der Politik: "Der Umgangston ist meist gepflegter."

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