31.08.2018 - 18:42 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

"Was ist da los" in Deutschland?

Wenn Rechtsradikale in den Straßen einer deutschen Stadt Jagd auf Ausländer machen, lässt das jenseits der Grenzen aufhorchen. Deutschlands Geschichte ist dort nicht vergessen, berichten vier Oberpfälzer.

Tobende Rechtsextreme, überforderte Polizisten: Die Bilder aus Chemnitz schocken auch im Ausland.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Geschehnisse von Chemnitz Anfang der Woche haben es auch in Nachrichtensendungen im Ausland geschafft. Auch dort wurde berichtet, dass am Sonntagnachmittag ein rechter Mob Jagd auf Ausländer machte, nachdem bekannt geworden war, dass ein Syrer und ein Iraker einen Mann mit einem Messer getötet hatten. Es werde viel darüber gesprochen. "Meine Bekannten fragen schon: Was ist da los?", berichtet Tim Weber aus London, wo der Weidener seit mehreren Jahren lebt und arbeitet.

Der Vilsecker Karlheinz Götz ist mit einer Norwegerin verheiratet und lebt mit ihr in Oslo. Und natürlich sei Chemnitz auch dort in den Nachrichten. Es werde thematisiert, dass der Rechtsradikalismus "hauptsächlich in der früheren DDR stark sichtbar ist", sagt Götz. Und es sei den norwegischen Medien nicht verborgen geblieben, dass Sachsen "Geburtsland" von Pegida ist. Ganz Ähnliches berichtet Tobias Strauß-Mirwald. Der Ammerthaler lebt seit 2007 in Graz. Auch dort legen die Medien besonderes Gewicht auf die Probleme in Ostdeutschland.Silvia Hodges-Silverstein weiß ebenfalls Bescheid, aber kaum aus US-Medien, erzählt die gebürtige Weidenerin, die mit ihrem amerikanischen Mann in New York lebt. In den US-Medien habe Chemnitz lange keine Rolle gespielt. Erst am Donnerstag griff die New York Times die "Mob Protests in Germany" auf. Alle, die nun Bescheid wissen, seien natürlich besorgt. "Aber allgemein ist man so mit den eigenen Problemen beschäftigt, dass Chemnitz hier kein großes Thema ist", sagt Hodges-Silverstein.

Die "Exil-Oberpfälzer" berichten aber auch, dass die Geschehnisse in Chemnitz in direktem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise gesehen werden - und die Einordnung hänge jeweils von der politischen Sicht auf dieses Phänomen ab. Nicht nur Deutschland ist hier tief gespalten. Während manch Österreicher tief besorgt ist, schafft es FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache nicht, sich vom Chemnitzer Mob klar zu distanzieren, erzählt Strauß-Mirwald.

Auch in Norwegen und den USA werde Bezug auf die Flüchtlingskrise genommen, um das Geschehen von Chemnitz einzuordnen. Tim Weber berichtet auch von Schadenfreude in manchen Kreisen. Manch Brexit-Befürworter sehe die Unruhen als gerechte Strafe und direkte Folge der zu lockeren Flüchtlingspolitik. "Sachsen hat ja vergleichsweise wenige Flüchtlinge aufgenommen", bemerkt Weber. Hier sieht er eine Parallele: "In Großbritannien ist die Angst vor Europa und Ausländern auch da am höchsten, wo die wenigsten sind."

Silvia Hodges-Silverstein

Tim Weber

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