Oberpfalz
17.10.2024 - 17:36 Uhr

Frisch gepresst: Musiktipps von Hubert Schober

A Pink Floyd alone: David Gilmore überrascht mit einem durchaus gelungenen Spätwerk ohne allzu eklektisch dabei vorzugehen. Wer allerdings wirklich Lust (und Mut) auf Neues hat, sollte bei Aaron Maine aka Porches vorbeihören.

Ob Plattenteller, CD-Player oder Spotify-Playlist: Wir haben neue Musik für euch. Bild: Schober, Hubert
Ob Plattenteller, CD-Player oder Spotify-Playlist: Wir haben neue Musik für euch.

David Gilmore – Love And Strange (Sony)

David Gilmore – Love And Strange (Sony) Bild: Sony
David Gilmore – Love And Strange (Sony)

Man erkennt den Gitarrensound des Floydianers bereits beim ersten Ton, nicht anders ergeht es einem beim unverwechselbaren Cover Artwork von Anton Corbijn. Nicht umsonst wählte ihn das Magazin "Guitarist" sogar zum „Best Fender Guitar Player Ever“ und er ließ damit in dieser Wertung sogar Jimi Hendrix und Eric Clapton hinter sich. Seit 2005 trägt er wegen seiner Verdienste als Musiker in England zudem den Titel „Commander of the Order of the British Empire“. Der so Geehrte wählte für sein sechstes Solo-Album David und Charlie Andrew als Produzenten, die für ihre überragenden Arbeiten für Alt-J bekannt sind, die Texte stammen wie seit 30 Jahren von Co-Autorin und Ehefrau Polly Samson. Sie selbst sagt über die Themenbereiche, die ihre Texte auf „Luck and Strange“ abdecken: „Es geht um Sterblichkeit, darum, wie du die Welt betrachtest, wenn du älter wirst.“ Das war schon öfter Thema von Gilmores Platten, und so verwundert es auch nicht, dass man musikalisch keine gewagten Abweichungen vom gewohnten Stil erlebt. Gilmore lässt seine lyrisch-elegischen Soli in den watteweichen Kosmos seiner Melodien einfließen, Die Grundstimmung ist melancholisch-getragen, psychedelisch verhangen, keine Dissonanz stört den schwebenden, inzwischen schon recht eklektischen Wohlklang, das zugegeben sehr geglückte „Scattered“ könnte glatt aus den Sessions zu „Wish You Where Here“ stammen. Unterm Strich also ein typisches, grundsolides Gilmore-Album, wie es die Fans erwarten konnten.

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Elles Bailey - Beneath The Neon Glow (Cooking Vinyl)

Elles Bailey - Beneath The Neon Glow (Cooking Vinyl) Bild: Hubert Schober
Elles Bailey - Beneath The Neon Glow (Cooking Vinyl)

Irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist die Nationalität. Bailey ist Britin, hört sich aber exakt wie eine Mischung aus Vonda Shepard und Sheryl Crow an. Und diese Songs über Liebesglück und -leid sind auch wie gemacht als Soundtrack für eine x-beliebige Vorabendserie. Das ist nicht einmal negativ gemeint, denn der Pop-versüßte Blues- und Americana-Rock ist cremig wie elegant und hat seine Momente. Da ist z.B. das monumentale „Let It Burn“, das Fleetwood-lastige „Truth Ain't Gonna Save Us", das cool-funkige „1972“ oder der intim-berührende Schleicher von „Turn Off The News“. In der Deluxe-Version gibt es noch vier zusätzliche Akustik-Versionen, die Elles Bailey als kompetente Singer/Songwriterin ausweisen.

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Willie Watson - Willie Watson (Thirty Tigers)

Willie Watson - Willie Watson (Thirty Tigers) Bild: Thirty Tigers
Willie Watson - Willie Watson (Thirty Tigers)

Das Gründungsmitglied der Old Crow Medicine Show hat sich nach zwei Cover-Alben getraut, auch mal selbst die Hosen anzulegen. Für ihn war das eine Art Befreiung und Katharsis, kämpfte er doch lange Zeit mit Minderwertigkeitsgefühlen. Die sind jetzt gebannt. Diese Sammlung von Songs ist ehrlich und stark, eine ungeschönte Reflexion von Watsons Leben, seinen Fehlern, seinen Traumata und seiner Dankbarkeit, noch hier zu sein, noch am Leben zu sein und noch geliebt zu werden. Er hat dazu eine kleine Band (u.a. mit Benmont Tench) um sich geschart, die diese minimalistischen, traditionellen Folk-Skizzen mit viel Feingefühl umsetzen.

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Larry Mullins - Camissonia (Indigo)

Larry Mullins - Camissonia (Indigo) Bild: Indigo
Larry Mullins - Camissonia (Indigo)

Larry Mullins, langjähriger Mitarbeiter von Nick Cave and the Bad Seeds, Iggy Pop and The Stooges, Swans & The Residents, hat mit „Camissonia“ ein einzigartiges und persönliches Soloalbum aus minimalen elektronischen Sci-Fi-Vignetten geschaffen, das lose auf den Schriften und dem Leben des deutschen Schriftstellers und Botanikers Adelbert von Chamisso basiert.

Das Album ist nach der von Chamisso benannten Pflanzenart benannt, die von seinem Kollegen, dem Botaniker Johann Friedrich Eschscholtz, erstmals beschrieben wurde. Es ist größtenteils ein instrumentaler Soundtrack, der mehrere bemerkenswerte Ereignisse aus Chamissos Buch „Peter Schlemihls wundersame Geschichte (Der Mann, der seinen Schatten verkaufte, 1814)“ sowie seine tatsächliche Überseereise an Bord von Otto von Kotzebues Schiff, der „Rurik“, während der Jahre 1815-1818, als Botaniker, musikalisch illustriert.

Das Artwork Album zum besteht überwiegend aus drei Holzschnitten, die zwischen 1915 und 1919 von Ernst Ludwig Kirchner geschaffen wurden. Kirchner hegte Anfang des 20. Jahrhunderts, also ca. 100 Jahre nach der Veröffentlichung von Chamissos Buch, eine ähnliche Faszination für das Werk wie Larry Mullins weitere 100 Jahre nach Erstellung von Kirchners expressionistischen Meisterwerks – dem „Peter Schlemihl-Zyklus“. Diesmal erweitert „Camissonia“ das Chamisso-Erbe als Interpretation in minimalistischer Ambient-Musik.

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Spoon - They Want My Soul: Deluxe More Soul Edition (Beggars)

Spoon - They Want My Soul: Deluxe More Soul Edition (Beggars) Bild: Beggars
Spoon - They Want My Soul: Deluxe More Soul Edition (Beggars)

Neben den zehn Originaltracks – inklusive der Band-Klassiker „Inside Out“, „Do You“ und „Rent I Pay“ enthält diese zehn Jahre nach dem Original-Album erscheinende Deluxe-Version elf Demos und Alternate Versions, die bislang fast alle unveröffentlicht sind. Die Wiederveröffentlichung unterstreicht den herausragenden Platz des Albums in einer beeindruckenden Diskographie und bietet Einblick in eine der prägenden Phasen der Spoon-Geschichte. Das Meisterwerk wurde einst mit Joe Chiccarelli (Strokes, White Stripes) und mit Dave Fridmann, dem visionären Produzenten von Flaming Lips, MGMT oder Low aufgenommen.

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Porches – Shirt (Domino)

Porches – Shirt (Domino) Bild: Domino
Porches – Shirt (Domino)

Aaron Maine, den Musiker hinter Porches, muss man schon mögen, denn was hier geboten wird ist nicht Fisch noch Fleisch, typisch Porches eben. Da will man es sich bei einem hübschen Pop-Song gemütlich machen, schon grätscht eine Grunge-Gitarre dazwischen oder es erklingen dissonanten Refrains und wenn das nicht reicht, singt unser Protagonist einfach ziemlich schräg seine angstbesetzten Fantasien in die Welt. Es ist ein einziges Auf und Ab der Gefühle und Stimmungen, ein pubertierendes Album eines Spätpupertierenden.

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