28.10.2019 - 17:01 Uhr
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In der Oberpfalz fehlen Sonderpädagogen

Dass Grund- und Mittelschullehrer Mangelware in der Oberpfalz sind, ist kein Geheimnis. An Sonderpädagogischen Einrichtungen fehlen Lehrer ebenso. Experten sind sich einig: Das wird sich in den kommenden Jahren wohl kaum ändern.

Sonderpädagogen sind Mangelware in der Oberpfalz. Der Oberpfälzer Lehrerverband und der Verband der Sonderpädagogen schlagen Alarm.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

35 Förderpädagogische Einrichtungen gibt es in der Oberpfalz. Was dort fehlt, sind voll ausgebildete Sonderpädagogen. Katja Meidenbauer, die Vorsitzende des Oberpfälzer Lehrerverbandes (BLLV) warnt: "Die Lage ist brenzlig." Wie die Deutsche Presseagentur mitteilte, wurden zu Schuljahresbeginn bayernweit nur rund ein Drittel der ausgeschriebenen Stellen mit Lehrern besetzt, die ein Sonderpädagogik-Studium abgeschlossen haben. Besonders trifft das die Oberpfalz. Hier findet sich fast nur auf jeder vierten neubesetzten Stelle ein Sonderpädagoge.

Damit der Unterricht dennoch stattfinden kann, müssen die Förderzentren - nicht mehr zeitgemäß ist die Bezeichnung "Förderschule" - auf Quereinsteiger und Lehrer mit Jahresverträgen zurückgreifen. "Das sind Leute von Realschulen und Gymnasien. Teilweise fangen sie gleich nach ihrem zweiten Staatsexamen in einem Förderzentrum an", sagt Meidenbauer.

Quereinsteiger einzige Option

Zwar seien diese Lehrkräfte wichtig, ihnen fehle es aber an Erfahrung und Wissen. Sie müssten auf die Schüler teils ganz anders reagieren und andere Techniken anwenden, als sie es während ihres Studiums für eine andere Schulart gelernt hätten. "Das ist ungefähr so, als würde ich als Grundschullehrerin plötzlich vor einer neunten Klasse stehen und müsste diese unterrichten", vergleicht Meidenbauer.

Wenn Quereinsteiger ein Jahr an einem Sonderpädagogischen Förderzentrum gearbeitet haben, können sie eine Zusatzausbildung zum regulären Lehrer an einer sonderpädagogischen Einrichtung machen. "Das ist sicherlich eine interessante Möglichkeit für alle, die umschulen wollen. Im Großen und Ganzen ist das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt die Oberpfälzer BLLV-Vorsitzende.

Ingrid Neumann-Lewerenz vom Oberpfälzer Verband für Sonderpädagogik verweist zudem darauf, dass eine Zusatzqualifizierung ein ganzes Sonderpädagogik-Studium nebst Referendariat nicht ersetzen könne. Hans Lohmüller, der Vorsitzende des bayerischen Verbands für Sonderpädagogik, erklärt: "Es ist so, dass diese Lehrer didaktisch sicherlich gut ausgebildet sind, ihnen allerdings viele pädagogische Grundlagen fehlen."

Auch Lohmüller sagt, den Quereinsteigern gehe es teils an Wissen über Lernschwierigkeiten, sprachliche Schwierigkeiten und Verhaltensprobleme der Schüler ab. Gleichzeitig betont Neumann-Lewerenz, dass der Sonderpädagogenverband froh über die jungen Lehrer ist, die sich für das Lehramt an einer Fördereinrichtung weiterbilden. "Das sind tolle engagierte Leute, die sich sehr viel Mühe geben", sagt sie.

Klare Fehlplanung

Dass es heute zu wenig Lehrer mit abgeschlossenem Sonderpädagogik-Studium gebe, sei auf eine Fehlplanung des Kultusministeriums vor einigen Jahren zurückzuführen, sind sich Neumann-Lewerenz und Meidenbauer einig. "Mit dem Inklusionsprofil an Grundschulen hat man gedacht, dass die Schülerzahlen an den Förderzentren zurückgehen und dort so weniger Lehrer gebraucht würden", sagt Meidenbauer. Das Konzept sollte dazu dienen, mehr Kinder mit Förderbedarf an Grundschulen unterzubringen. Tatsächlich gebe es nicht merklich weniger Schüler an Förderzentren. Neumann-Lewerenz: "Grundschulen können oft nicht leisten, auf die speziellen Bedürfnisse dieser Schüler einzugehen. Eltern sehen, dass ihr Kind an einer Grundschule untergeht."

Nachschub lässt auf sich warten

Damit künftig mehr qualifizierte Lehrer für Förderschulen nachkommen, wird es zu Beginn des Wintersemesters 2020 drei neue Lehrstühle für Sonderpädagogik an der Uni Regensburg geben.

"Langfristig ist das eine gute Entwicklung", sagt Meidenbauer. Bis sich die zusätzlichen Studienplätze bemerkbar machen, dauere es noch einige Zeit. "Bis die jungen Leute mit ihrem Studium fertig sind, braucht es mindestens fünf Jahre", erklärt die BLLV-Vertreterin. Zwei weitere Jahre werden danach vergehen, bis die Pädagogen aus dem Referendariat kommen. Meidenbauer ist sicher, dass sich die Situation solange nicht entspannen wird. "Kurzfristig wird es ohne Zweitqualifizierungen und Jahresverträge nicht gehen. Wir haben noch eine Weile eine Durststrecke. Bis dahin müssen wir wirklich gut zusammenarbeiten."

Info:

Schülerzahlen in der Oberpfalz

In diesem Schuljahr gibt es insgesamt 369 Klassen an den 35 Oberpfälzer Förderpädagogischen Zentren. Das sind vier mehr als im Vorjahr. Diese teilen sich in folgende Schwerpunkte auf: Lernen, Sprache, emotional-soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, Sehen und weiterer Förderbedarf sowie körperlich-motorische Entwicklung. Insgesamt gehen 3981 Kinder und Jugendliche in einem Sonderpädagogischen Zentrum zur Schule – 2551 in einer staatlichen und 1430 in einer privaten Einrichtung. Das sind 1,74 Prozent mehr Schüler als im vergangenen Jahr. 1124 Schüler sind darüberhinaus in diesem Schuljahr an einer der drei Berufsschulen zur Sonderpädagogischen Förderung.

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