25.06.2021 - 10:37 Uhr
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Onetz: Alles gratis geht nicht

Nicht alle Artikel unserer gedruckten Ausgabe kann man im Internet umsonst lesen. Digitalchef Thomas Webel erläutert, warum wir bestimmte Inhalte im Onetz „nicht prinzipiell verschenken können“.

Die Metzger im Landkreis Amberg-Sulzbach tun sich enorm schwer bei ihrer Suche nach Mitarbeitern. Die Redaktion hatte dies kürzlich thematisiert. Links die Online-Version, rechts der Beitrag in der gedruckten Zeitung. Besondere Artikel im Onetz tragen das Qualitätssiegel „Onetz-Plus“. Sie gehen stets über die reine Berichterstattung hinaus, zeigen Hintergründe auf, ordnen ein, erklären.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Andrea K. nutzt unterwegs "gerne die Möglichkeit, unser Heimatblatt online zu lesen". Allerdings, so hat sie uns geschrieben, ärgere sie sich immer wieder darüber, dass Artikel, "die eine gewisse Wichtigkeit und Information haben", nur mit OnetzPlus zu lesen seien. Sie verstehe sehr gut, meinte Andrea K., "dass Sie einige interessante Texte nicht einfach so freigeben, aber wenn es darum geht, die Bevölkerung auf ein Problem aufmerksam zu machen, wäre es sicher sinnvoll, diese Zeilen allen zukommen zu lassen".

Konkret ging es Andrea K. um einen Beitrag, der beleuchtete, wie schwer es die Metzger im Landkreis Amberg-Sulzbach inzwischen haben, Mitarbeiter zu finden. Überschrift in der Zeitung: "Metzger-Dilemma: Hohe Nachfrage, wenig Personal". Schlagzeile im Onetz: "Kein Personal: Metzger reduzieren Öffnungszeiten". "Heute Abend kann ich den Bericht in der gedruckten Ausgabe zu Hause lesen, aber diese Möglichkeit hat eben nicht jeder", merkte Andrea K. an und wollte wissen: Nach welchen Kriterien werden die Artikel ausgesucht? Vielleicht, fügte K. hinzu, könne man die Auswahl der frei verfügbaren Texte etwas überdenken.

Plus-Artikel, erläutert Digitalchef Thomas Webel, seien nie Nachrichten, sondern in der Regel selbst gesetzte Themen der Redaktion. Es handele sich häufig um sehr aufwendig recherchierte Artikel, in die die Redakteurinnen oder Redakteure viel Zeit investiert hätten. "So ja auch in diesem Fall: Ein Kollege hat viel Zeit investiert und mit verschiedenen Gesprächspartnern gesprochen. Herausgekommen ist ein schönes Stimmungsbild, das die Probleme in dieser Handwerksbranche gut darstellt."

Damit unser Abo-Modell OnetzPlus auch weiterhin funktioniert, sei es wichtig, "dass wir gerade solche Themen aufgreifen, also Themen, die die Menschen bewegen", betont Webel. Da könne es dann auch mal um Probleme gehen, wie zum Beispiel hier um die Nachwuchssorgen im Handwerk.

Das bedeute aber nicht, dass das alles in Stein gemeißelt ist. Webel: "Wir diskutieren intern immer wieder beziehungsweise täglich darüber: Ist das jetzt ein Plus-Thema? Müsste das frei sein? So haben wir beispielsweise alle Artikel über Covid, die laut unseren internen Kriterien eigentlich Plus-würdig wären, in denen es aber um Themen ging, die wirklich für die Gesundheit der Menschen relevant sind, frei gelassen. Das Gleiche gilt bei vielen anderen Gesundheitsthemen oder anderen Themen, in denen es um Leib und Leben geht. Weder ein Artikel über eine Typisierungsaktion noch über eine Blutspendeaktion wird bei uns jemals OnetzPlus sein. Über ,hier brennt es - halten Sie die Fenster geschlossen' oder ,hier müssen Sie das Wasser abkochen' brauchen wir natürlich gar nicht erst sprechen. Da geht gesellschaftliche Verantwortung dann selbstredend über unsere eigenen wirtschaftlichen Interessen (auch wenn wir leider dafür keine GEZ-Gebühr oder sonstige staatliche Zuschüsse bekommen)."

Nun seien die Nachwuchssorgen im Handwerk für die Branche natürlich ein massives Problem, aber dann vielleicht doch nicht mit den Themen vergleichbar, die er hier skizziert habe, schrieb Thomas Webel in seiner Antwort an die Leserin. "Letztlich haben wir zudem allein dadurch, dass wir dieses Thema aufgegriffen haben, es in der Zeitung gedruckt, im Onetz veröffentlicht und auf Facebook beworben haben, ziemlich groß auf das Problem der Branche aufmerksam gemacht - ohne dass IHK oder Innungen auch nur einen Finger dafür rühren mussten."

Webel bittet um Verständnis, "dass wir solche Inhalte im Internet nicht prinzipiell verschenken können. Denn am Ende des Tages müssen wir halt auch unsere Rechnungen bezahlen - genau wie der Metzger, der bis aufs berühmte Radl Gelbwurst ja auch nichts verschenken kann". Aber noch einmal: Nichts sei bei der Frage "Plus oder nicht" in Stein gemeißelt. "Wir diskutieren immer. Das ist alles ein Prozess", beschrieb Digitalchef Webel die Vorgehensweise der Redaktion und versprach Andrea K.: "Ich werde Ihre Sicht gerne mit in diese Runde nehmen und mit den Kollegen darüber sprechen."

Andrea K. meldete sich am Ende noch einmal. Sie verstehe durchaus, dass man nicht einfach so alle Texte freigeben könne. "Da steckt viel Arbeit dahinter, und das muss alles finanziert sein." Sie habe nur gedacht, dass die Probleme des Handwerks bei der Nachwuchssuche mehr publik gemacht werden müssten. "Aber das ist sicher auch eine persönliche Meinung von mir, jeder hält einen anderen Artikel für wichtig."

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