Von Maximilian Schulz
Haben Sie zufällig eine Geisteswissenschaft studiert? Also zum Beispiel Germanistik, Kulturwissenschaft oder, noch schlimmer, Philosophie. Falls nicht, hatten Sie vielleicht das Glück, nie mit der nervigsten Frage aller Zeiten belästigt worden zu sein: „Was macht man denn damit?“ Ich habe genannte Germanistik studiert, diese Frage sehr häufig gestellt bekommen, und was ich jetzt mache – das lesen Sie im Moment. In meinem Umfeld hat jemand aber vor kurzem die Arbeit gekündigt, um Philosophie im Master zu studieren. Seitdem ist das wohl die am zweithäufigsten gestellte Frage. Gleich nach: „Wieso das denn?“
Einfache und sehr nachvollziehbare Antwort: Weil es sie interessiert. Ganz zu schweigen davon, hat sie, um überhaupt studieren zu können, bereits eine Arbeit, die sie in Teilzeit neben dem Studium ausübt. Dass man etwas macht, ohne die Aussicht, daraus gleich Gewinn zu schlagen, scheint extrem vielen Leuten völlig unvorstellbar. Beim Sport muss man es zu Wettkämpfen bringen, jedes Hobby kann man per Social Media ausschlachten, oder am besten gleich irgendwas lernen, das man dann verkaufen kann. Dabei muss man schon so viel Zeit in seinem Leben mit Dingen verbringen, die man nur machen muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, obwohl man überhaupt keine Lust darauf hat.
Da scheint es mir eigentlich das Logischste zu sein, mal einen großen Teil seiner Zeit herauszunehmen und auf etwas zu verwenden, für das man Leidenschaft empfindet. Ganz gleich, ob man es vielleicht nur macht, um seine Zeit gut zu verbringen. Ganz zu schweigen davon, haben wir scheinbar kollektiv vergessen, wie viel Spaß es macht, etwas Neues zu lernen, nur um des Lernens willen. Falls Sie also das nächste Mal Studierende treffen, die Ihnen von einem Studiengang erzählen, unter dem Sie sich nichts vorstellen können, sparen Sie sich die dumme Frage und haken lieber einmal nach: „Was daran findest du spannend?“
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.













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