14.02.2020 - 15:17 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Smarte Helfer: Die Seniorenwohnung der Zukunft

Smarte Anwendungen im eigenen Zuhause bieten nicht nur Komfort und Entertainment, sondern können besonders für Senioren eine echte Hilfe im Alltag darstellen.

Mittels Sensoren können sogar Böden erkennen, wenn jemand darüber läuft – oder eben gestürzt ist. Liegt jemand auf dem Boden und antwortet nicht, wird automatisch ein Notruf abgesetzt.
von Agentur DPAProfil

Im Alter fällt das Gehen schwerer, die Vergesslichkeit nimmt zu und mancher kommt ohne fremde Hilfe nicht mehr aus. Die Konsequenz muss nicht unbedingt der Umzug ins Pflegeheim sein. Smarte Technik kann Senioren in vielen Bereichen unterstützen und ihnen helfen, den Alltag zu meistern.

"Unsere Gesellschaft wird immer älter, entsprechend sind die Senioren eine wichtige Zielgruppe, die besonders stark von den neusten Entwicklungen im Bereich Smart Home profitieren kann", erklärt Konrad Buck vom NRW-Innovationsprojekt Smart Service Power. Buck arbeitet zusammen mit einer Dortmunder Wohnungsbaugesellschaft und der FH Dortmund an einem Pilotprojekt, um smarte Wohnungen an die Bedürfnisse von Senioren anzupassen. So soll der Wunsch vieler Rentner nach dem selbstständigen Leben in den eigenen Wänden Wirklichkeit werden.

Mit Sensoren Stolperfallen meiden

Einzelne Möbel bieten bereits sinnvolle Funktionen speziell für Senioren, etwa Schränke mit automatisch öffnenden Türen und Betten mit elektrischen Aufstehhilfen. Immer mehr Fernsehsessel haben nicht nur höhenverstellbare Lehnen und Sitze - mit einer kleinen Bewegung helfen sie dem Sitzenden auch beim Aufstehen. Waschbecken können so konstruiert werden, dass der Rücken geschont wird. Und für diejenigen, die etwas Geld ins Badezimmer investieren können, gibt es inzwischen sogar höhenverstellbare Toiletten, die den Nutzer über Sensoren erkennen und sich automatisch auf die jeweilige Person einstellen. Ein weiterer Anwendungsbereich ist die häusliche Beleuchtung. Lampen mit Bewegungssensoren helfen, potenzielle Stolperfallen im Haus rechtzeitig auszuleuchten. Wer ohnehin schlecht zu Fuß ist, sich abstützen muss oder vielleicht sogar eine Gehhilfe benötigt, muss so nicht auch noch einen Lichtschalter drücken.

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Brandgefahr bannen

Smart-Home-Lösungen können einige Wege schlicht überflüssig machen, beispielsweise den mühsamen Gang zur Wohnungstür. Wird die Klingel von draußen betätigt, sendet die Kamera im Eingangsbereich ein Live-Bild auf das Smartphone, das Tablet oder den im System eingebundenen Fernseher. Der Bewohner erfährt umgehend, wer geläutet hat - ohne auch nur einen Schritt tun zu müssen. Handelt es sich bei der Person am Eingang dann etwa um einen Bekannten oder eine Pflegekraft, kann die Tür bequem über das entsprechende Gerät geöffnet werden.

Im Kampf mit zunehmender Vergesslichkeit können Smart-Home-Technologien helfen, indem sie das Erinnern übernehmen. Viele moderne Herde verfügen über Hitzesensoren und Bewegungsmelder, die wahrnehmen, ob sich in einem gewissen Zeitraum überhaupt jemand an der Kochplatte aufhält. Falls nicht, schaltet das System die Herdplatten aus. Eine mögliche Brandgefahr wegen eines vergessenen Topfs auf der heißen Kochplatte ist somit gebannt. Im Rahmen größerer Umbaumaßnahmen kann ein Fachmann auch einen zentralen Aus-Schalter nahe der Haustür installieren, über den beim Verlassen der Wohnung oder des Hauses sämtliche Geräte ausgeschaltet werden.

Telemonitoring statt Arztbesuch

Auch im Bereich Gesundheit können smarte Lösungen den häuslichen Alltag sehr erleichtern und hilfreich unterstützen - etwa, indem sie die Senioren daran erinnern, ausreichend zu trinken oder zum richtigen Zeitpunkt ihre Medikamente einzunehmen. Sensoren messen fortlaufend Blutdruck, Puls oder die Aktivität des Herzens, über Bluetooth- oder Wlan-Signale werden die Daten an eine entsprechende Gesundheits-App oder auf Wunsch auch direkt an den Arzt geschickt. Dieses "Telemonitoring" kann so manchen Routinebesuch in der Praxis überflüssig machen. Weichen die Werte stark von der Norm ab, wird automatisch ein Notruf an einen Angehörigen oder eine Pflegekraft versendet. Im Dortmunder Innovationsprojekt helfen sogar die Fußböden mit. "Unsere Böden erkennen mittels Sensoren und Künstlicher Intelligenz, ob jemand normal über den Boden läuft oder gestürzt ist", erklärt Buck. Liegt eine Person auf dem Boden, fragt eine Stimme, ob man nur etwas sucht. Antwortet die Person nicht, besteht die Gefahr, dass sie bewusstlos ist. Dann wird automatisch ein Notruf abgesetzt - laut Buck "die notwendige Weiterentwicklung des klassischen Hausnotrufs".

Die Einsatzmöglichkeiten von Smart-Home-Lösungen für Senioren sind riesig - und nicht jeder benötigt das gesamte Repertoire. In Japan ist es beispielsweise keine Seltenheit mehr, dass kleine Alltagsroboter mit Senioren zusammen leben und sie unterstützen. Gerade im Gesundheitsbereich gibt es auch hierzulande viele sinnvolle Smart-Home-Lösungen, die den Senioren-Alltag nicht nur erleichtern, sondern auch sicherer machen.

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Info:

Datensammelei im Smart Home einschränken

Beim Kauf von Geräten mit Smart-Home-Anwendungen sollte Wert darauf gelegt werden, dass die Hersteller ein datenschutzfreundliches System sowie entsprechende Voreinstellungen verwenden. Ein wichtiges Kriterium vor dem Kauf einer elektronischen Haushaltshilfe sollte sein: Wo kommt der Produzent her? „Unter Datenschutzgesichtspunkten sollte man immer EU-Herstellern den Vorzug geben, da diese dem strengen Regime der Datenschutzgrundverordnung, DSGVO, unterliegen – selbst wenn sie Daten ins Ausland übermitteln“, rät IT-Rechtler Dennis-Kenji Kipker. (dpa)

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