13.12.2021 - 14:18 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Tödliche Oberpfalz: Wenn Mütter ihre Kinder vernachlässigen

Der Fall Lea sorgte 2010 für Entsetzen in der Region. Das zweijährige Mädchen starb, während die Mutter nebenan chattete. Leas Obduktion ergab: Unterernährung und Flüssigkeitsmangel. Wie konnte es zu dieser Vernachlässigung kommen?

Folge acht des Podcasts Tödliche Oberpfalz beschäftigt sich mit dem Fall Lea.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

"Laaaaaaaaaaangweilig ... hat ned jemand nen tipp was i tun könnt?", schrieb die 22-jährige Mutter am Abend vor dem Tod ihrer Tochter in einem Onlineportal. Stundenlang vertrieb sich die leidenschaftliche Internet-Spielerin ihre Zeit mit chatten und Online-Kniffel-Turnieren, während die zweijährige Lea neben an in ihrem Kinderbett immer schwächer wurde. Die Alleinerziehende hatte dem kleinen Mädchen tagelang kaum Essen und Trinken gegeben und auch die Windeln nicht gewechselt.

Am nächsten Tag um 10.30 Uhr sah die Mutter nach ihrer Tochter und fand sie leblos im Bett. Erst zwei Stunden später alarmierte sie den Notarzt. Bei der Obduktion der Leiche stellten die Mediziner Unterernährung, Flüssigkeitsmangel und diverse Erkrankungen wie eine Lungenentzündung und einen Wasserkopf fest. In der Vergangenheit hatte Lea bereits eine Hirnhautentzündung, die ebenso wie die tödliche Lungenentzündung nicht behandelt wurde. Lea und ihr ein Jahr älterer Bruder Felix hatten quasi nie einen Kinderarzt zu Gesicht bekommen. Bei ihrem Tod wog das Mädchen gerade einmal 8,2 Kilogramm, normal wären nach Angaben eines Rechtsmediziners etwa 14 Kilo gewesen.

Hier geht es zur aktuellen Folge

alternativer_text

alternativer_text

alternativer_text

alternativer_text

Ein Polizist, der die 22-Jährige einen Tag nach Leas Tod vernommen hatte, sagte die Mutter habe ihre Aussage wie jemand gemacht, der „zu irgendeiner lapidaren Sache was sagt“. Wörtlich habe sie gesagt: „Vielleicht war es mir egal, dass sie stirbt. Ich habe aber nicht gedacht, dass sie so schnell sterben könnte.“ Durch ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Tochter habe die 22-Jährige auch versucht, den Ehemann zurückzugewinnen. Die Verwahrlosung hat laut Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl den Tod des Mädchens zwar begünstigt, dennoch könne man der Mutter nicht mit Sicherheit die Schuld am Tod geben.

Der Fall Lea sorgte im März 2010 für Entsetzen in der Region. Auch das Jungendamt stand danach enorm unter Beschuss. Eine Nachbarin hatte bereits im Oktober 2009 auf das auffällige Verhalten der Kinder hingewiesen. Wie kann es sein, dass Lea trotz des Hinweises so verwahrloste? Warum war sie ihrer Mutter scheinbar egal? Wer ist Schuld an Leas Tod? Diesen Fragen wollen wir in Folge acht von "Tödliche Oberpfalz" auf den Grund gehen.

Folge sieben: Der Vermisstenfall Monika Frischholz

Flossenbürg

Folge sechs: Hintergründe zum Amoklauf von Saltendorf

Saltendorf bei Wernberg-Köblitz

Weitere Folgen und Infos rund um "Tödliche Oberpfalz"

Info:

Opfer- und Täterschutz

Es ist uns wichtig, die Opfer, Angehörigen und Zeugen sowie die Täter zu schützen. Deshalb werden wir bei diesem Fall die ganzen Namen der Beteiligten nicht nennen. Wir bitten unsere Hörer und Mitglieder der Facebook-Gruppe "Tödliche Oberpfalz" deshalb, den Opfer- und Täterschutz zu respektieren.

Falls ihr uns anonym etwas mitteilen wollt, könnt ihr dazu gerne unsere E-Mail-Adresse nutzen: ToedlicheOberpfalz[at]oberpfalzmedien[dot]de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.